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2 Hinrichtungen in Plötzensee 1933 - 1945
 

Zwischen 1890 und 1932 werden insgesamt 36 wegen Mordes zum Tode verurteilte Menschen unter freiem Himmel auf einem Gefängnishof durch das Handbeil hingerichtet. In den 12 Jahren des nationalsozialistischen Terrors zwischen 1933 und 1945 fallen dagegen in Plötzensee über 2.891 Menschen justizförmigen Tötungen zum Opfer.

Bis 1933 werden nur Mord und schwere Sprengstoffverbrechen mit der Todesstrafe geahndet; 1938 steht bereits auf 25 Delikte die Todesstrafe. Durch das Kriegssonderstrafrecht sind ab 1939 praktisch alle Delikte mit der Todesstrafe bedroht.

In den ersten Jahren zwischen 1933 und 1936 werden in Plötzensee insgesamt 45 Menschen mit dem Handbeil auf einem Gefängnishof getötet. Am 14. Oktober 1936 entscheidet Adolf Hitler auf Vorschlag von Justizminister Franz Gürtner, dass die Todesstrafe in Deutschland künftig mit der Guillotine zu vollstrecken ist.

In Plötzensee wird 1937 eine Arbeitsbaracke als Ort der Hinrichtungen bestimmt. Aus der badischen Strafanstalt Bruchsal wird unter strenger Geheimhaltung eine Guillotine nach Plötzensee transportiert und aufgebaut. Mit der neuen Maschine werden 1937 noch 37, 1938 56 und 1939 95 Menschen ermordet.

Die zum Tode Verurteilten sind im großen Zellenbau (Haus III) untergebracht, der direkt an den Hinrichtungsschuppen angrenzt. Die letzten Stunden verbringen sie gefesselt in besonderen Zellen im Erdgeschoss, dem von den Gefangenen so genannten “Totenhaus”. Ihr letzter Weg führt über einen kleinen Hof zum Hinrichtungsraum mit dem Fallbeil.

Ende 1942 wird im Hinrichtungsraum ein Stahlträger eingezogen, an dem acht Eisenhaken befestigt sind. An diesem Galgen werden seit dieser Zeit Erhängungen vollzogen, zuerst an den Angehörigen der Widerstandsorganisation Rote Kapelle, später an den am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligten Widerstandskämpfern.

Die Scharfrichter erhalten jährlich 3.000 Reichsmark als feste Vergütung und pro Hinrichtung 60, später 65 Reichsmark. Die Angehörigen der Hingerichteten müssen eine “Kostenrechnung” bezahlen. Die Staatsanwaltschaft fordert für jeden Hafttag in Plötzensee 1,50 Reichsmark, für die Hinrichtung 300 Reichsmark und für das Porto zur Übersendung der “Kostenrechnung” 12 Pfennige.

Unter den 2.891 in Plötzensee während der nationalsozialistischen Herrschaft Ermordeten sind etwa 1.500 vom “Volksgerichtshof” und rund 1.000 von den Sondergerichten Verurteilte. Die übrigen 400 Opfer sind vom Reichskriegsgericht, anderen Militärgerichten, aber auch vom Reichsgericht, vom Kammergericht oder von Landgerichten zum Tode verurteilt worden.

Rund die Hälfte der Hingerichteten sind Deutsche, von denen die meisten wegen Widerstandshandlungen gegen den nationalsozialistischen Unrechtsstaat zum Tode verurteilt worden sind. Zu den Opfern der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz in Plötzensee gehören aber auch viele Menschen, die wegen geringfügiger Delikte vor allem nach 1939 unverhältnismäßig hart mit dem Tode bestraft werden.

Noch schärfer ist die Rechtsprechung gegen ausländische Verurteilte. Allein 677 Hingerichtete kommen aus der 1938/39 von Deutschland besetzten Tschechoslowakei. Mit der Verfolgung des politischen Widerstandes in der Tschechoslowakei ist der zumeist in Berlin tagende “Volksgerichtshof” befasst, der eine Vielzahl von Todesurteilen verhängt.

253 Todesurteile werden in Plötzensee gegen Polen, 245 gegen Franzosen vollstreckt. Hierzu gehören sowohl Angehörige von Widerstandsorganisationen als auch Menschen, die nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt worden sind. Plötzensee ist nach 1939 ein Ort des Todes für Menschen aus allen Teilen des deutsch besetzten Europa.





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