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12 Der 20. Juli 1944    
 

Der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 ist das zentrale Ereignis des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Nach langen Vorbereitungen ziviler und militärischer Kreise entschließt sich Claus Schenk Graf von Stauffenberg Anfang Juli 1944, trotz seiner schweren Verwundung und seiner Schlüsselrolle in Berlin, selbst den Anschlag auf Hitler zu wagen. Am 20.Juli 1944 gelingt es ihm, eine Bombe in das scharf bewachte “Führerhauptquartier Wolfschanze” nahe dem ostpreußischen Rastenburg einzuschleusen und in der Lagebesprechung explodieren zu lassen. Stauffenberg kann das “Führerhauptquartier” verlassen und nach Berlin-Rangsdorf fliegen. In Berlin versucht er, gemeinsam mit seinem Freund Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und General Friedrich Olbricht überall im Reich den Umsturzversuch auszulösen. In den späten Abendstunden ist das Scheitern des Anschlags erkennbar. Der Bendlerblock, die Berliner Zentrale der Verschwörer, wird von regimetreuen Truppen besetzt. Noch in derselben Nacht werden Stauffenberg, sein Adjutant Werner von Haeften, Mertz von Quirnheim und Olbricht als die Hauptverantwortlichen des Attentats im Innenhof auf Befehl von Generaloberst Friedrich Fromm erschossen.

Der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 ist zugleich die letzte große innenpolitische Zäsur des NS-Regimes. Der Terror in Deutschland wird noch einmal verschärft. Am 30. Juli 1944 erscheinen Reichsführer-SS Heinrich Himmler und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, zum Vortrag bei Hitler im “Führerhauptquartier Wolfschanze”. Sie koordinieren das weitere Vorgehen gegen die am Umsturzversuch Beteiligten und errichten einen “Ehrenhof” von Generalen und Feldmarschällen des Heeres. Zwischen dem 4. August und dem 14. September 1944 werden insgesamt 55 Offiziere des Heeres aus der Wehrmacht ausgestoßen und weitere 29 auf Vorschlag des “Ehrenhofes” entlassen. Ihre Ausstoßung aus der Wehrmacht ist die Voraussetzung dafür, sie dem “Volksgerichtshof”, und nicht dem eigentlich zuständigen Reichskriegsgericht, zur Aburteilung zu überstellen.

Wenige Tage später, am 7. und 8. August 1944, findet der erste Prozess gegen Feldmarschall Erwin von Witzleben, Oberleutnant Peter Graf Yorck von Wartenburg, Generaloberst Erich Hoepner, Generalleutnant Paul von Hase, Generalmajor Hellmuth Stieff, Hauptmann Karl Friedrich Klausing, Oberstleutnant Robert Bernardis und Oberleutnant Albrecht von Hagen statt, der mit Todesurteilen für alle Angeklagten endet. Sie werden noch am selben Tag in Plötzensee ermordet. Manche von ihnen können noch geistlichen Zuspruch durch die Gefängnispfarrer Harald Poelchau und Peter Buchholz erhalten.

Es ist der Auftakt zu einer Serie von mehr als 50 Prozessen, die mit über 110 Todesurteilen enden. Hierin sind ab Oktober 1944 auch Fluchthelfer und Unterstützer der am Umsturzversuch Beteiligten einbezogen.

Roland Freisler, Präsident des “Volksgerichtshofes”, führt die meisten Prozesse selbst. Die überlieferten Film-, Foto- und Tondokumente geben einen Eindruck seiner hasserfüllten Verhandlungsführung. Die Angeklagten erhalten keine Wahlverteidiger; erst kurz vor der Verhandlung bekommen sie und ihre Pflichtverteidiger Einsicht in die Anklageschriften. Über den ersten Prozess wird in der gelenkten Presse ausführlich informiert, Passagen der Verhandlungen wörtlich abgedruckt.

Der zweite Prozess am 10. August 1944 endet mit Todesurteilen gegen die Offiziere Erich Fellgiebel, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, Alfred Kranzfelder und Georg Hansen, die am selben Tag in Plötzensee ermordet werden. Dieses und die beiden folgenden Verfahren werden ebenfalls vor einer breiteren Öffentlichkeit durchgeführt.

Am 15. August 1944 verurteilt der Volksgerichtshof Bernhard und Johannes Georg Klamroth, Egbert Hayessen, Wolf Heinrich Graf von Helldorf, Adam von Trott zu Solz und Hans-Bernd von Haeften zum Tode.



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