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14 Der 20. Juli 1944    
 

Zwischen dem 21. August und dem 29. September 1944 werden in weiteren sieben Prozessen 30 Menschen zum Tode verurteilt. Im Gegensatz zu den ersten Prozessen wird über die späteren Verhandlungen nicht mehr öffentlich berichtet; dies hätte der nationalsozialistischen These von der “kleinen Clique gewissenloser Verräter” widersprochen und die Breite der Widerstandsbewegung offenkundig werden lassen.

Am 7. und 8. September 1944 wird mit Carl Friedrich Goerdeler, Wilhelm Leuschner, Josef Wirmer, Ulrich von Hassell und Paul Lejeune-Jung auch gegen die zivilen Köpfe des Umsturzversuches verhandelt. Die Aburteilung der Sozialdemokraten Julius Leber, Hermann Maaß und Adolf Reichwein erfolgt am 20. Oktober 1944. Ende November 1944 werden von den Fluchthelfern des Generals der Artillerie Fritz Lindemann, der kurz nach seiner Verhaftung an den Folgen einer Schussverletzung gestorben ist, Erich und Elisabeth Gloeden, Elisabeth Kuznitzky, Hans Sierks und Carl Marks zum Tode, andere zu Zuchthaus- und Freiheitsstrafen verurteilt.

Erst zwischen dem 9. und 11. Januar 1945 findet der große Prozess gegen die Angehörigen des Kreisauer Kreises statt. Helmuth James Graf von Moltke schreibt an seine Frau Freya: “Wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben.” Moltke wird gemeinsam mit Franz Sperr und Alfred Delp zum Tode verurteilt; wenige Tage später verurteilt Freisler Theodor Haubach, Theodor Steltzer und Nikolaus Groß zum Tode.

Am 2. Februar 1945 wird der Kreis um Klaus Bonhoeffer angeklagt. Gegen ihn, seinen Schwager Rüdiger Schleicher, Hans John und Friedrich Justus Perels werden Todesurteile verhängt. Dies ist der letzte Prozess, den Roland Freisler führt. Am 3. Februar 1945 wird er bei einem Luftangriff im Gebäude des “Volksgerichtshofes” von einem Balken erschlagen.

Fast einen Monat lang folgen keine weiteren Verhandlungen. Erst am 26. Februar 1945 werden Fritz Voigt, Franz Leuninger und Oswald Wiersich zum Tode verurteilt. Die Spruchpraxis wird nach Freislers Tod etwas milder; es werden auch mehrere Freiheitsstrafen verhängt. Im März 1945 werden Arthur Nebe und Friedrich Fromm zum Tode verurteilt; spätere Todesurteile lassen sich dokumentarisch nicht mehr belegen.


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