Die Blutnächte von Plötzensee

Bei einem Luftangriff auf Berlin in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1943 wird auch die vollkommen verdunkelte Strafanstalt Plötzensee schwer getroffen. Ein Teil des großen Zellenbaus (Haus III) wird zerstört, das Fallbeil im Hinrichtungsschuppen beschädigt. Hitler persönlich hat bereits am 3. September 1943 gerügt, dass viele Todesurteile noch nicht vollstreckt worden sind. Allein in Plötzensee warten mehr als 300 zum Tode Verurteilte auf ihre Hinrichtung.

Die Gnadenverfahren werden extrem beschleunigt. In fast allen Fällen ordnet Staatssekretär Curt Rothenberger die Vollstreckung an und lässt die Namen telefonisch nach Plötzensee weiterleiten. Dort bereitet der Scharfrichter Ernst Reindel mit seinen Gehilfen die Hinrichtungen vor, die nur am Galgen vollstreckt werden können. Abends treffen auch ein Landgerichtsdirektor als Vertreter des Oberreichsanwalts beim „Volksgerichtshof” und ein Staatsanwalt von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin als „Vollstreckungsleiter” ein. Jeweils acht Häftlinge werden am Galgen erhängt. Allein in der Nacht vom 7. auf den 8. September 1943 sterben auf diese Weise 186 Menschen.

In dieser Nacht werden „versehentlich“ auch sechs Gefangene erhängt, deren Urteilsvollstreckung überhaupt nicht angeordnet war. Das Reichsjustizministerium vertuscht dies und ordnet die Fortsetzung der Massenhinrichtungen an. Nach einer Pause von nur 12 Stunden erhängen die Scharfrichter in Plötzensee in den folgenden Nächten bis zum 10. September 1943 noch über 60 weitere Opfer. Unter den mehr als 250 zwischen dem 7. und 10. September 1943 Ermordeten sind deutsche, französische und vor allem viele tschechische Häftlinge.