Herbert Budzislawski

30. Dezember 1920, Berlin – 7. September 1943
Herbert Budzislawski

Herbert Budzislawski

Bundesarchiv R 3018/1400

Der Sohn eines Fleischers beginnt nach dem Abitur eine Lehre als Schlosser. Ein Studium ist ihm aufgrund der antijüdischen NS-Gesetzgebung verwehrt. Auch die Lehre muss er 1938 vorzeitig beenden. Herbert Budzislawski gehört bis zur Auflösung im Januar 1937 dem Bund Deutsch-Jüdischer Jugend an.
Über Heinz Joachim findet er Kontakt zu der Wider­standsgruppe um Herbert Baum. Er arbeitet eng mit Sala Kochmann zusammen. Nach einem Brandanschlag auf die nationalsozialistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies” am 18. Mai 1942 wird die Gruppe enttarnt.
Am 13. November 1942 wird Herbert Budzislawski festgenommen, am 29. Juni 1943 vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und am 7. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volksgerichtshofs” gegen Martin Kochmann, Felix Heymann und Herbert Budzislawski, 21. Mai 1943

Bundesarchiv R 3017/32939

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Martin Kochmann, Felix Heymann und Herbert Budzislawski, 29. Juni 1943

Bundesarchiv R 3017/32939

An die Oberreichsanwaltschaft beim Volksgericht
in Brl.-W 9, Bellevuestr. 15


Am 29.VI.1943 bin ich vom 2. Senat des Volksgerichtshofes zum Tode verurteilt worden. Ich bin am 30.XII.20. in Berlin geboren und entstamme einer, seit langer Zeit in Deutschland ansässigen Familie. Durch den Tod meines Vaters, den ich im Alter von 11 Jahren verlor, fehlte mir schon im frühen Entwicklungsalter der Mensch, an den ich mich mit meinen seelischen Sorgen u. Nöten wenden konnte. So musste ich schon als Kind mit den Problemen, welche an mich heran traten, allein fertig werden; denn meine Mutter stand im Berufsleben und konnte sich wenig um mich kümmern. Mein Vater hatte mich stets gelehrt, in Deutschland mein Vaterland u. meine Heimat zu sehen. Die gänzlichen Veränderungen der politischen Verhältnisse im Jahre 1933, nahmen mir meinen letzten starken seelischen Halt. Plötzlich wurde ich überall und besonders in der Schule als zweitrangiger Mensch behandelt, ohne dass ich mir persönlich irgend einer Schuld bewusst werden konnte.
Auch meinen Wunsch, nach abgelegtem Abiturium eine technische Schule zu besuchen um später Ingenieur zu werden, musste ich, infolge der neuen Gesetze aufgeben; denn ich musste die Schule vorzeitig verlassen. Ich wurde dann Lehrling in einer Schlosserei. Die Lehrzeit musste ich jedoch nach kappen drei Jahren abbrechen, da ich in dem arischen Betriebe nicht länger beschäftigt werden durfte. So arbeitete ich denn in der Folgezeit als Bauarbeiter, und ernährte damit meine Mutter, die im Jahre 1937 ihre

Existenz verloren hatte. Nach der Auflösung der jüdischen Jugendbünde 1936, fehlte mir fast jeder gesellige Umgang und Verkehr, da ich keine Gelegenheit hatte, mit anderen jungen Menschen zusammen zu kommen. Als ich, im Dezember 1940 Heinz Joachim kennen lernte, war mir dieses daher recht angenehm; denn nun hatte ich einen Jungen gefunden, mit dem ich mich unterhalten, Schach spielen und Bücher austauschen konnte. Später traf ich bei ihm noch einige junge Leute. Joachim erkannte wohl bald meine seelischen Nöte und versuchte stets, diese für seine Ziele auszunützen und mich von seinen Ideen zu überzeugen. Dieses gelang ihm jedoch niemals, denn nie in meinem Leben werde ich Ideen anerkennen, die darauf gerichtet sind, dem Menschen Vaterlandsliebe, Gottesglauben und Familiensinn zu rauben und zu ertöten. Wenn ich Joachim und seinen Freunden nicht den Rücken kehrte, so geschah das nur, weil ich den geselligen Verkehr nicht verlieren u. nicht wieder so einsam leben wollte wie vorher. Den wahren Charakter u. die Ausmasse der politischen Tätigkeit des Joachim und seiner Freunde, von denen ich die Mehrzahl nicht kenne, habe ich erst am Verhandlungstage erfahren. Auch die beiden anderen Angeschuldigten aus meinem Verfahren, habe ich vor dem Verhandlungstage nicht gekannt. - Ich war stets in meinem Leben bemüht, ein ehrlicher und offener Mensch und ein fleissiger Arbeiter zu sein. Mein ganzes Streben war immer nur darauf gerichtet; das, durch ihre Krankheit und unsere Armut so schwere Los meiner Mutter zu lindern und zu bessern, soweit ich es konnte. Mit Politik und ähnlichen Dingen habe ich mich niemals befasst und wäre auch dazu zu unreif gewesen; denn durch das harte Schicksal meiner Familie, waren meine Interessen auf wichtigere Dinge gelenkt. Ich bitte daher, nochmals nachprüfen zu wollen, ob mein Verschulden mit dem Tode gesühnt werden muss; ich bitte meine Jugend u. völlige Unbescholtenheit zu berücksichtigen und die Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umwandeln zu wollen.
Herbert Israel Budzislawski.

Gnadengesuch von Herbert Budzislawski, 27. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1400

Ablehnung des Gnadengesuchs,
23. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1400

Bericht über die vom 7. bis 10. Septem­ber 1943 im Strafgefängnis Plötzensee vollstreckten Todesurteile, 17. September 1943

Bundesarchiv R 3001/25019

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