Willi Dimde
Wegen verschiedener Delikte wird er zu Geld- und kurzen Haftstrafen verurteilt und im April 1940 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Er tritt jedoch weiterhin auf und spielt in verschiedenen Städten vorwiegend in Gaststätten. Im März 1942 wird er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, da er sich angeblich illegal Lebensmittelkarten beschafft hat. Nach Verbüßung der Strafe wird er unter polizeiliche Beobachtung gestellt, der er sich jedoch entziehen kann.
Willi Dimde wird erneut festgenommen und ihm wird vorgeworfen, sich fälschlich als Bombengeschädigter ausgegeben und Geldbeträge und Bezugsbe­rechtigungen „erschlichen” zu haben, sich am illegalen Handel mit zwangsbewirtschafteten Waren beteiligt und „seinen Wehrpaß verfälscht“ zu haben.
Am 8. März 1945 verurteilt ihn das Sondergericht IV beim Landgericht Berlin als „gefährlichen Gewohnheits­verbrecher und Volksschädling” zum Tode.
Noch am 18. April 1945 wird Willi Dimde im Straf­gefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Willi Dimde
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
dem Herrn Justizminister
in Berlin
Justizministerium.
Hiermit stelle ich Antrag auf EInleitung eines Nichtigkeits- und Wiederaufnahmeverfahrens mit folgenden Begründungen:
I.) Mein einziges Protokoll was gemacht wurde, und zwar bei meiner Verhaftung in Freising bei der Krim.Polizei, ist durch Drohungen, Tätlichkeiten, u. Gewaltmaßnahmen in dieser Belastung für mich entstanden. In Berlin hatte ich keine Gelegenheit, meine Aussagen zu berichtigen, da ich überhaupt nicht mehr vernommen wurde bis zum Termin. Zeugnis: Meine Frau, welche auch ihre Aussagen teilweise unter Zwang machen mußte.
II.) Mein Antrag auf Stellung eines Pflichtverteidigers wurde erst kurz vor der Verhandlung stattgegeben, sodaß ich knapp ein Wort mit diesem Anwalt sprechen konnte, um ihn zu informieren. Ich selbst bin von Kindheit an mit einem Sprachfehler belastet, sodaß ich mich während der Verhandlung fast gar nicht verteidigen u. verständigen konnte, sondern wurde vom Gericht ständig als Lügner hingestellt, auch ließ mich der Vorsitzende kaum zu Worte kommen, um ein schnelles Ende herbeizuführen, ein schlechteres und ungünstigeres Bild konnte ich nicht mehr erhalten, von meiner Person.
III.) Schließlich wurden 3 für mich wichtige Entlastungszeugen auch noch abgelehnt.
IV.) Meinem Antrag auf ein ärztliches Gutachten wurde am letzten Tage vor dem Termin stattgegeben, sodaß der Arzt nur einige Fragen an mich richtete, da er zu überlastet sei, meinte der Arzt. Ich stelle nun Antrag auf eine gründliche ärztliche Untersuchung und Beobachtung, denn ich muß irgendwie erblich belastet sein, anders kann ich mir so manche Tatumstände nicht erklären.
1.) Mein Großvater väterlicherseits ist in der Heilanstalt in Buch gewesen und auch dort verstorben.
2.) Mein Vater war in einer Nervenheilanstalt bei Brandenburg.
3.) Ich selbst war etwas über 2 Jahre in der Heilanstalt in Buch bei Berlin.
Aus allen diesen Gründen bitte ich auch Herrn Justizminister eine genaue Überprüfung vornehmen zu lassen, damit meinem Antrag stattgegeben werden kann
gez. Willi Dimde.
Berlin, 24.3.45.
Antrag von Willi Dimde, das Verfahren gegen ihn wieder aufznehmen, 24. März 1945
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 2133
Sterbeurkunde für Willi Dimde vom 19. April 1945
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung








