Johann Dziekanik

6. Juni 1919, Mosty (Mosty u Jablunkova) – 13. August 1943
Johann Dziekanik

Passfoto von Johann Dziekanik

Bundesarchiv R 3017/9550

Johann Dziekanik wird am 6. Juni 1919 in Mosty bei Katto­witz als tschechischer Staats­bürger geboren, sein Vater ist Pole und seine Mutter Tschechin. Er arbeitet zuletzt als Kohlen­lader bei der Deutschen Reich­sbahn in Heydebreck (Ober­schlesien) und lebt in einer Wohnbaracke.
Aufgrund mangelnder Versor­gungs­möglich­keiten stiehlt er im April 1942 aus dem Gepäck durch­rei­sender slowa­kischer Soldaten zwölf Fleisch­konserven. Als der Dieb­stahl vom Lagerver­walter entdeckt wird, flieht er Ende April mit dem Ziel, in die Türkei oder den Iran zu gelan­gen, um sich der Tsche­chischen Legion anzu­schließen. Während der Reise begeht er drei weitere Dieb­stähle zur Geld- und Lebens­mittel­beschaffung. Er wird deshalb an der Grenze zu Kroatien festge­nommen, vom Landge­richt Graz zu acht Monaten Gefängnis verurteilt und anschlie­ßend weiter in „Verwahrungs­haft” genommen.
Der „Volks­gerichtshof” verurteilt ihn am 18. Mai 1943 aufgrund seiner Aussage, zur Tsche­chischen Legion gelangen zu wollen, wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat” zum Tode. Johann Dziekanik wird am 13. August 1943 im Strafge­fängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volksgerichtshofs“ gegen Johann Dziekanik vom 17. März 1943

Bundesarchiv R 3017/9550

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Johann Dziekanik vom 18. Mai 1943

Bundesarchiv R 3017/9550

Berlin-Plötzensee, den 22. Mai 1943


An Herr Oberreichsanwalt bei Volksgerichthof in Berlin

Ich Dziekanik Johann geboren 6. VI 1919 in Mosty b. Teschen bietet Herr Oberreichsanwalt um begnadigung und mildere strafe. Wegen Feindbegüstigung und zuberaitung zum Hochverat war Ich zum Todesstrafe und Ehrreferlust für lebenslenglich feurtailt. Ich als einziges Kind meinen Eltern war Ich zu hause bis meine 14 lebensjahr. Nach schlus der Schule wo meine Muter war Tod und Vater hat nur par tage in woche gearbeitet habich in Somer zum bauer arbeiten gegangen und fiele andere gelegenheiten arbeiten getan. Erst in 1938 in Früling habich besere arbeit bei eine Deutsche baufirma Baumaister Hauschilt bekomen wo habich gearbeitet bis Polen hat Okargebiet von Cechoslovakaj abgetrent. Dan mus unsere Arbeitsgeber der ein Deutsche war von Teschen weg und Ich habich meine arbeit ferloren. Von April wo habich arbeit ferloren bis Juni wo habich einberufung zum Polnische militer gekricht keine arbeit habich entschlosen nach Deutschland flüchten
In 6. Juni 1939 habich die grenze durchgeschriten und negste tag von Mährische Ostrau weiter nach Deutschland gefaren. Von Arbeitsamt Goslar war Ich zugetailt zum Baufirma A. Stapf in Bad Grund (Harz) wo war ich bis zum meine enlasung 24 November 1941

gewesen. Nach einkomen nach Teschen war Ich zugetailt zum Deutsche Reisban (Betribsverk Karvin) und von dort 1 April 1942 nach Heidebreck (Oberschlesien) wo als Kolenladen habich gearbeitet. In Heidebreck war Ich in Lager gevont wo keine küche war in welche kenen sich ferflegen. Dort ist die erste diebstahl gekomen. Eine morgen wo habich von Teschen nach Heidebreck gekomen see Ich ein paket neben der Bank standen und nimand war dort. Inhalt war 12 dosen 400 Gramm konserven und 2 par Handschu. Neckste tag wo Lagerfürer hat das bei mir gefunden und gesagt das für das krige Ich par Jahre strafe. Dan one gedanken von angst vor strafe habich veggefaren. Mein einziges zil war blos weg wo die Deutsche Polizie mich festnemen kenen. Meine gelt hat geraicht blos bis Marburk. (Drau) wo habich auch keine Lebensmitel gehabt und habich dort 2 dibstäle gemacht. Von Marburk (Drau) bin Ich weiter gefaren zum Kroatische grenze wo wollte Ich durch. Dort in grenzstation Brükli von die Grenzpolizai war Ich festgenomen. In frage vo Ich wollte habich gesagt erst zum besuch. Speter bei ferher [Verhör] das wollte nach Türkei udveiter nach Iran. Das Ich wollte zum Tschichische Legion zugegeben blos unten schläge. In meine gedanken had nimals gewesen gegen Deutschland känpfen. Schon in Frankreich feldzug habich freiwilig gemeldet in Vehrbericks Komando in Goslar zum pancertrupe. Aber mein wunsch ken nicht erfüld sein Ich keine Volksliste besize. Meine gröste wunsch war unten die Deutsche Fane kämpfen. Was war Deutsche war mir heilig. Ich bedaure was habich getan und biette noch einmal Herr Oberreichsanwalt um gnade und schvere bei ales was mir heilig ist das Ich nie und werde nimals gegen Deutschland etvas tun.

Dziekanik Johann

Gnadengesuch von Johann Dziekanik vom 22. Mai 1943

Bundesarchiv R 3017/9550

Mitteilung des Strafgefängnisses Plötzensee über die Hinrichtung von Johann Dziekanik vom 13. August 1943

Bundesarchiv R 3017/9550

Sterbeurkunde von Johann Dziekanik vom 14. August 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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