Josef Eder
Gegenüber seinen Kundinnen und Kunden äußert er sich ablehnend dem Nationalsozia­lismus gegenüber und spricht offen über die Verbrechen in den besetzten Gebieten.
Nach einer Denunziation wird er von der Generalstaatsanwaltschaft München angeklagt, „ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitet zu haben“. Das Oberlandesgericht München verurteilt ihn am 9. März 1943 wegen „hetzerischer Äußerungen gegen die Reichsregierung“ auf Grundlage des „Heimtückegesetzes“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten.
Am 15. Juni erhebt der Oberreichsanwalt Einspruch gegen das Urteil. Der Fall wird neu verhandelt. Einen Monat später wird Josef Eder wegen „Wehr­kraftzersetzung“ vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt.
Josef Eder wird am 21. September 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Josef Eder
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Anklage der Generalstaatsanwaltschaft München gegen Josef Eder,
27. Januar 1943
Bundesarchiv R 3017/31603
Tenor des Todesurteils des „Volksgerichtshofs“ gegen Josef Eder, 14. Juli 1943
Bundesarchiv R 3017/31604
Berlin-Plötzensee, den 17. Juli 1943
An den Führer des Deutschen Reiches
Adolf Hitler
in Berlin
Bin am 14. Juli 1943 vom Besonderen Senat des Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden wegen Beleidigung von Mitgliedern der Reichsregierung.
Ich bin der Sohn eines Fuhrunternehmers und bin am 14.III.94. in Landshut geboren. Nach dem Besuche der Volksschule war ich 2 Jahre als Lehrling bei einem Malermeister. Im August 1914 meldete ich mich Freiwillig zur Artillerie und machte den Krieg im bayr. 5. Feld. Art. Regt. 6. Battrie bis zum Waffenstillstand mit, ich erhielt für eine Rettungstat das Eiserne Kreuz II. Kl u. die bayr. Dienstauszeichnung III. Klasse. Im Mai 1919 trat ich freiwillig dem „Freikorps Landshut“ bei und war im Kampfeinsatz gegen die Räteherrschaft in München. Ich war Masch.Gew.Schütze am selben Masch.Gew. das von Herrn SS Reichsführer Himmler bedient wurde. Herr Reichsführer Himmler lies meiner Frau mitteilen auf ein Früheres Gesuch
dass meine Akten geprüft werden, denn ich bin wegen der selben Sache vom Oberlandesgericht München am 8.III.43. zu 17 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Durch die Wiederaufnahme des Verfahrens wurde ich dann zu dieser hohen Strafe verurteilt. Ich bin mir bei Begehung der Straftat über die Folgen nicht bewusst gewesen. Meine Vorstrafen bestehen aus einigen kleineren Geldstrafen und wegen Sachbeschädigung 5 Wochen Gefängnis die im Dez. 1932 durch Amnestie erlassen wurde. Ich bitte Sie mein Führer verzeihen Sie mir und wandeln Sie die Strafe in eine Freiheitsstrafe um. Ich war auch wieder Soldat im März 1938 beim Einsatz Österreich und im Sept. 38 beim Einsatz Sudetenland. Bei Kriegsausbruch 1939 wurde ich wieder zu Artillerie einberufen als Ausbilder für Rekruten. Ich habe während meiner gesamten Militärdienstzeit keine einzige Strafe erhalten.
In der Hoffnung auf eine Begadigung
durch Sie mein Führer
Josef Eder.
Gnadengesuch von Josef Eder, 17. Juli 1943
Bundesarchiv R 3017/31605
Sterbeurkunde von Josef Eder vom 22. September 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung















