Johannes Eggert
1923 flüchtet Eggert aus der Haft und lebt illegal unter dem Namen Hans Simke. Er wird in Königsberg (Kaliningrad) leitender Funktionär des Roten Front­kämpferbundes und gehört dessen Reichsleitung an. 1933 emigriert er in die Sowjetunion, kehrt aber im Herbst 1934 nach Deutschland zurück und wirkt als Instrukteur des Zentralkomitees der illegalen KPD in Sachsen.
Johannes Eggert wird Anfang Januar 1935 in Leipzig festgenommen. Er wird am 25. August 1936 vom 2. Senat des „Volksgerichtshofs” wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Am 15. Februar 1937 wird er im Hof des Strafgefängnisses Plötzensee mit dem Handbeil enthauptet.
Dokumente
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Johannes Eggert vom 25. August 1936
Bundesarchiv R 3018/2052
geb. 10.II.98 zu Bublitz i/Pomm.
Aktenzeichen: 16 J. 349/35.
2 Tgb. 215/36
Berlin-Plötzensee, den 27. August 1936
Strafgefängnis
An den Herrn Reichsanwalt beim Volksgericht
in Berlin Bellevuestr. 15
Ich wurde am 25. August 1936 vom 2. Senat des Volksgerichtshofes wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Da bei den Urteilen des Volksgerichtshofes Revisionsmöglichkeiten nicht vorhanden sind, richte ich dieses Gnadengesuch an Sie mit der Bitte, daßelbe befürwortend an die in Frage kommende Stelle weiter zu leiten
Meiner Bitte um Milderung des Urteils durch einen Gnadenerweis möchte ich folgende Gründe beifügen: Ich bin am 6.5.1915 kaum 17 Jahre alt Kriegsfreiwilliger dem Füssilierregiment Nr. 34 in Stettin beigetreten, um nach 8 wöchentlicher Ausbildung zum Res. Inft. Rgt. Nr. 267 an die Ostfront überführt zu werden. Mit diesem Rgt. machte ich den Vormarsch und den damit verbundenen Schlachten und Gefechte, sowie den Ende 1915 beginnenden Stellungskrieg mit.
Trotz meiner Jugend, war ich bei den besonderen Strapatzen des Vormarsches immer in der vordersten Linie ohne auch nur einmal schlapp zu machen. Ich erhielt dafür das besondere Lob meines Kompagnieführers. Bis zum Jahre 1917 befand ich mich mit dem angeführten
[16 Gns 15/36 RP.12/37g]
Rgt. Ostfront. Dann erfolgte die Überführung an die Westfront und Einsatz am La Bassee-Kanal sowie am Kemmel. Etwa mitte 1918 kam ich dann zum Inft. Rgt. Nr. 149 und war an der Durchbruchschlacht bei Reims und bei den Abwehrkämpfen gegen die amerikanischen Truppen um Somme-Pi beteiligt. Ich machte also den Weltkrieg von Juli 1915-Ende 1918 als Kriegsfreiwilliger mit. Ich befand mich während dieser Zeit, (mit Ausnahme bei einigen leichten Verwundungen, welche mich kürzere Zeit im Lazarett festhielten) immer an der Front und erfüllte meine Pflicht als Frontkämpfer. Erst Musketier, wurde ich später am L.M.G. ausgebildet. Meine Führung war bis zu meiner am 30.12.18 erfolgten Entlassung von immer einwandfrei und laut den Militärpapieren gut. Ausgezeichnet wurde ich mit dem E.K. II sowie Verwundeten Abzeichen. Im Jahre 1917 wurde ich zum Gefreiten und 1918 zum Unteroffizier befördert.
Zu meiner Vorstrafe möchte ich erwähnen, das ich bei Begehung der Tat 23 Jahre alt war und mir die Tragweite infolge meiner Jugend nicht klar war. Ich habe später die Tat als eine schlechte und falsche Handlung erkannt und bedaure das Geschehen derselben.
Betreffend der jetzigen Straftat möchte ich nur wiederholen, das ich bisher in der Partei keine wesentlichen Funktionen inne gehabt habe und deshalb meine Tätigkeit von 2 ½ Monate als Oberberater von Sachsen, als eine, durch das fehlen von geeignetem Funktionäre verursachte, provisorische Sitzung betrachtet werden muß, umsomehr als ich nicht die notwendige Erfahrung besaß.
Ich bitte deshalb, unter Berücksichtigung oben angeführten Gründe, bei der Beurteilung meiner Straftat Milde walten zu lassen und mir auf dem Gnadenwege das ausgesprochene Todesurteil in eine Zuchthausstrafe umzuwandeln.
Johannes Eggert.
Gnadengesuch von Johannes Eggert vom 27. August 1936
Bundesarchiv R 3018/10778
Vorbereitung der Vollstreckung der Todesstrafe an Friedrich Richter, Georg Galgan und Johannes Eggert vom 12. Februar 1937
Bundesarchiv R 3018/10778
Protokoll der Hinrichtung von Johannes Eggert vom 15. Februar 1937
Bundesarchiv R 3018/10778
Bekanntmachung der Hinrichtung von Johannes Eggert vom 15. Februar 1937
Bundesarchiv Plakate 3/1/1






























