Pavel Erban

18. Februar 1896, Horschitz (Hořice) – 7. September 1943
Der Sohn eines Bäckermeisters ist nach der Handels­schule als Kanzleiangestellter tätig. 1915 leistet er seinen Militärdienst in der österrei­chischen Armee und nimmt am Ersten Weltkrieg teil, anschließend dient er in der Tschechoslowakischen Armee. Ab 1920 arbeitet er als Verwalter im Städtischen Elektrizitätswerk in Horschitz.
Im Dezember 1939 erhält Pavel Erban von einem Zentral­funktionär den Auftrag, in Horschitz eine Gruppe zur Herstellung der Zeit­schrift „V boj” („In den Kampf”), der bedeutends­ten ille­galen Zeitschrift des nichtkom­mu­nistischen Wider­stands im „Protektorat Böhmen und Mähren”, zusammenzustellen. Er rekrutiert den Brief­träger Josef Pražák und den Schul­diener František Jaroš. Mit Josef Pražáks Verviel­fälti­gungsapparat reproduzieren sie 20 verschiedene Ausgaben des „V boj” in einer Auf­lage von je 200 Exem­plaren. Ende 1940 vervielfälti­gen sie außerdem die illegale Zeitschrift „Český kurýr”, die Pavel Erban an Adressen in Prag weiterleitet.
Die drei Männer werden Mitte Februar 1942 festgenom­men und vom „Volks­gerichts­hof” am 19. April 1943 wegen „Vorbe­reitung zum Hochverrat” zum Tode verur­teilt. Alle drei werden am 7. September 1943 während der sogenannten Blutnächte in Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volks­gerichts­hofs” gegen Pavel Erban und andere vom 17. Februar 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-287-8

Urteil des „Volks­gerichts­hofs” gegen Pavel Erban und andere vom 19. April 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-287-8

25./VIII.43

Mein liebster Anta!

Ich grüße Dich herzlichst und errinere stehts Deiner. Ich hoffe, daß Du es mit der Gesundheit besser hast. Ich habe den Gesuch geschrieben, daß Du in einen Krankenhaus oder Sanatorium übergeben werdest und hoffe, dass, wenn es möglich wäre, Du zum Übergeben bestimmt werden wirst.
Die Kartoffeln sind sehr schön ich bin damit zufrieden, es dauert zwar 4 Monate aber – wenn man geduldig ist – wird man sie doch essen. Auch andere Gemüse ist sehr schön und schon reif – nur pflücken.
Anders ist heuer sehr wenig Obst – fast keine.
Mara ist wieder zu Hause. Ole grüßt Dich herzlichst, er hat bei uns mittagsgegesen als er zu Hause allein war.
Heute sende ich Dir wieder Vitamine.
Wir alle sind gesund nur errineren stehts an unseren Anta. Helenka wird bald wieder in die Schule gehen – die Ferien sind fast zu Ende.

Ich war am 15. ds.M. mit Madla auf dem heiligen Lorela und habe dort sehr viel die Heil Mutter gebeten um deine Gesundheit und um die Gnade, daß Dir der liebe Herr Gott das Wiedersehen mit uns gestalte. Verliere auch nicht den Mut und hoffe. Ich hoffe auch.
Ich grüße Dich herzlichst und küsse Dich innigst Deine Mama

Herzlichen Gruß von Deinem Paul. Halte Mut und verliere nicht den Kopf. Ich studiere in der Freizeit, daß Du zufrieden sein könntest. Helenka ist brav und wir alle glauben an einen Gnaden für Dich.

Brief seiner Angehörigen an Pavel Erban im Strafgefängnis Plötzensee vom 25. August 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-287-8

Sterbeurkunde von Pavel Erban vom 9. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Mitteilung des Strafgefängnisses Plötzensee über die Hinrichtung von Pavel Erban, 15. September 1943

Bundesarchiv R 3017/37409

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