Otto Ficht

8. Oktober 1912, Teplitz-Schönau (Teplice) – 12. April 1943
Otto Ficht kommt 1912 als Sohn eines Eisen­bahners in einer deutsch-tschechischen Familie in Teplitz-Schönau (Teplice) zur Welt. Nach der Volks- und Bürger­schule er­lernt er den Beruf des Kontoristen, leistet seinen Militär­dienst und ist zuletzt kauf­männischer Angestell­ter in einer Kellerei. Er gehört der Inter­nationalen Arbeiterhilfe sowie der Roten Hilfe an und seit 1937 der Kommunis­tischen Partei der Tschechoslowa­kei (KPČ).
Nach Annexion des tschecho­slowakischen Sudetenge­biets durch das Deutsche Reich im Herbst 1938 und der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehr­macht setzt Otto Ficht seine politische Arbeit illegal fort. 1940 or­ganisiert er Spenden­sammlungen der Roten Hilfe, im Frühjahr 1941 beginnt er mit dem Aufbau einer Ortsgrup­pe der mitt­lerweile verbotenen KPČ und sammelt weitere Gleich­gesinnte um sich.
Otto Ficht wird am 16. November 1941 festge­nommen und am 12. November 1942 vom „Volks­gerichtshof” zu­sammen mit Heinrich Lindner und vier weiteren Grup­penmitgliedern we­gen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat und landesverräte­rischer Feindbe­günstigung” zum Tode verurteilt. Alle sechs zum Tode Verurteilten werden am 12. April 1943 in Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Otto Ficht

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Teplitz, den 22./VII.1942
Otto Ficht
Teplitz-Schönau
Amtsgericht.

Titl. Volksgerichtshof in Berlin.

Gesch.No:
6 J 167/41g

Ich befinde mich seit 16./XI.41 in Schutzhaft, seit 9./V.42 in Untersuchungshaft beim hiesigen Amtsgericht, bin also seit über 8 Monaten in Haft und konnte während dieser Zeit erst einmal meine Mutter sehen. Ferner bekam ich in diesen Monaten erst 2 Briefe, meine Mutter einen von mir.
Da sich meine Mutter danach sehnt, mich endlich einmal sehen und sprechen zu können, ich natürlich auch, da ich noch versch. wirtschaftl. Fragen zu regeln habe, sie ferner auf Post von mir wartet, ersuche ich Sie höflichst, mir Sprech- und Schreiberlaubnis
zu gewähren.
Meine Mutter ist ganz niedergeschlagen, dass sie stets abgewiesen wird, wenn sie mich besuchen will, während alle anderen Häftlinge in 14 Tagen Besuch haben, sie wartet immer auf Post von mir, doch vergebens.
Aus diesen Gründen ersuche ich Sie nochmals höfl. um Besuchs- und Schreiberlaubnis, sowie um das Recht, Post von meinen Angehörigen erhalten zu dürfen, sowie um Verständigung des hiesigen Amtsgerichtes.
In der Erwartung, dass Sie meinem heutigen Ansuchen stattgeben, danke ich Ihnen und zeichne
hochachtend Ficht Otto.

Einschreiben!

Gesuch von Otto Ficht um Sprech- und Schreiberlaubnis während der Unter­suchungshaft, 22. Juli 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-510-6

Anklageschrift des „Volksgerichtshofs” gegen Otto Ficht und andere vom 3. September 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-510-6

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Otto Ficht und andere vom 12. November 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-510-6

Sterbeurkunde von Otto Ficht vom 13. April 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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