Wilhelm Firl
Er zieht nach Berlin, wo er zunächst Sekretär für die KPD-Funktionäre Heinrich Brandler und Ruth Fischer ist. Später arbeitet er als Schriftleiter im Pressedienst der KPD und der „Roten Fahne”. Mehrmals wird er wegen seiner redaktionellen Tätigkeit zu Geldstrafen und 1931 zu fünfzehn Monaten Festungshaft verurteilt.
1933 wird er einer der leitenden Funktionäre der KPD in der Illegalität. Von Saarbrücken und von der Schweiz aus wirkt er als Instrukteur des Zentralkomitees (ZK). Er hält sich mehrfach in Berlin auf und leitet außerdem die illegalen Kader in Süddeutschland an. Ende Oktober 1935 reist er im Auftrag des ZK erneut nach Berlin, wo er mit Martin Hoffmann die illegale Reichsarbeit der KPD leiten soll. Er versucht, die durch Verhaftungen zerrissenen Verbindungen mit den Bezirksorganisationen wieder­herzustellen. Firl und Hoffmann wurden am 30. Januar 1936 in Berlin festgenommen.
Am 22. Mai 1937 wird Wilhelm Firl vom „Volkgerichtshof” zum Tode verurteilt. Nach der der Ablehnung seines Gnadengesuchs wird er am 16. August 1937 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Wilhelm Firl
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Wilhelm Firl und Martin Hoffmann, 22. Mai 1937
Bundesarchiv R 3018/10706
Ablehnung des Gnadengesuchs von Wilhelm Firl, 6. August 1937
Bundesarchiv R 3018/10706
Liebe Maus!
Meine letzten Gedanken sind bei Dir. Voller Dankbarkeit für Deine treue, tapfere Liebe. Du weißt, Du warst meine Königin. Deine schönsten, besten Jahre hast Du mir geopfert. Und nicht nur mir. Laß es Dich nicht reuen. Aber denke auch nicht zurück. Denke vorwärts. Auch ich denke nicht zurück. In meiner letzten Stunde denke ich noch vorwärts. Und so aufrecht, wie Du mich hier immer gesehen hast, bin ich bis zuletzt. Ein paar Kleinigkeiten habe ich noch Dir zu sagen: ich hatte Dir nicht eher wieder schreiben können, weil inzwischen noch ein Brief von Suse und ein zweiter Brief an den Vater bewilligt worden waren. Deinen letzten Brief mit der roten Nelke habe ich noch erhalten. Auch die französischen Briefe. Dank für diese letzten Liebesdienste. Nun mußt Du
auch noch allen danken, die zu mir gut waren. Z. B. habe ich noch eine Karte von Annemarie und Trautchen, mit einem Gruß von Ernst und Hilde, bekommen. Das war eine große Freude. Ich hoffe, Du wirst auch künftig noch Liebe und Anteil von guten Freunden finden. Mach es Dir nur nicht schwer. Nimm alles leicht. Auch Dein Holz im Keller wird wieder einen guten Kameraden finden, der es Dir hackt. Wegen der Pension von der Angestellten-Versicherung wirst Du vielleicht Schwierigkeiten haben, Dein eigener Verdienst ist dabei zu berücksichtigen. Aber kämpfe es durch - ohne Herz und Nerven dabei aufs Spiel zu setzen. Erbstreitigkeiten wird es nicht geben. Ich gehe so arm von Dir, wie Du Dich mir anvertraut hast. Wenn sich einmal die Möglichkeit ergeben sollte, daß Hans oder Herbert Euren Weg wieder kreuzen, so sollen sie beide wissen, daß ich mit großer brüderlicher Liebe immer in den letzten Wochen und Stunden an sie gedacht habe. Alles was ich ihnen zu sagen hätte,
muß ungesprochen bleiben, und ich muß darauf vertrauen, daß Ihr alle meine Gedanken in dieser Beziehung erratet, daß mich meine Brüder verstehen. Ich habe beide im Geiste nochmal umarmt, ihnen in die Augen geschaut und ihnen fest die Hand gedrückt.
Sage auch Liesel, sie soll tapfer bleiben.
Und nun leb wohl, Teure,
Liebe. Ein letzter Kuß!
Dein
Willy.
Abschiedsbrief von Wilhelm Firl, 16. August 1937
Bundesarchiv R 3018/10706
Anweisung der Gestapo, den Leichnam von Wilhelm Firl nicht auszuhändigen, 3. Juni 1937
Bundesarchiv R 3018/10706
































































