Arno Gäßner

16. November 1899, St. Gangloff/Stadtroda – 7. Dezember 1939
Arno Gä<span>ß</span>ner

Arno Gäßner

Privatbesitz

Der Arbeiter Arno Gäßner gehört der Glaubens­gemein­schaft der Zeugen Jehovas an. Als er im September 1939 zur Wehr­macht einbe­rufen wird, verweigert er aus religiösen Gründen den Militär­dienst.
Bereits kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen ist am 26. August 1939 die „Kriegs­sonder­straf­rechts­­verordnung” in Kraft getreten, nach der die Verwei­gerung des Militär­dienstes als „Zerset­zung der Wehr­kraft” geahndet und mit dem Tode bestraft werden kann.
Am 26. September 1939 erhebt der Ober­reichs­kriegs­anwalt Anklage gegen Arno Gäßner. Er wird am 27. Oktober vom Reichs­kriegs­gericht zum Tode verurteilt und am 7. Dezember 1939 im Straf­gefängnis Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Arno Gäßner

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Berlin-Plötzensee, den 6. Dezember 1939
Arno Gäßner

Liebe Martha, Kinder u. Mutter!
Hiermit die letzten, besten Grüße
aus Berlin Plötzensee! Euren Brief
von 27/11 habe ich noch erhalten, hat mich
sehr gefreut, von Euch Lieben etwas zu
hören freut mich, daß Ihr alle noch gesund
seid und wünsche Euch auch fernerhin alles
Gute und Wohlergehen. Das Dir Walter
von Hermsdorf, gleich mit dem Geld aus
geholfen hat, ist aber schön, sage Ihn meinen
besten Dank und grüße ihn nochmals von
mir. Liebe Martha, mit der Gewerbebank
Münchenbernsdorf möchte ich dir raten, Dich
niemals als Mitglied eintragen lassen,
das wäre für Dich zwecklos und übriegens
unnütze Geldkosten, wenn Du das Geld
so nicht behalten kannst, sehe ob es wo
anders möglich ist, lege es einmal
Walter von Hermsdorf vor.

Liebe Martha, wenn Du dann räucherst
nimm Dich in acht, brenne nicht innen
an, mache die ersten Späne trocken und lege
glühende Plättsteine rein, wenn das nicht
geht, räucher lieber wo anders. Nimm Dich
in allem recht in acht, damit nichts paßiert
Ich kann Euch nun nicht mehr unterstützen.
Meine Lieben! Morgen Donnerstag
früh 6 Uhr ist meine letzte Stunde
gekommen, mein Lebensblut hinzu-
geben. Nicht aus bösen Willen, durch
Glauben gebe ich es hin. Ich bin aber
davon überzeugt, daß der Schöpfer
aller Dinge, der auch uns Menschen
erschaffen hat Jehova Gott, der allgütig
und allmächtig ist, er wird uns
wieder zusammen bringen in seinem
Königreich unter der gerechten Herrschaft
Jesus Christus. Darum weint und klagt
nicht, freut Euch auf den verheißenen
Tag, wo dann beendet Leid Kummer
und Plag. Meine Lieben! Fürchtet
Euch nicht und schaut nicht ängstlich
umher, vertraut auf Gott und Euch

wird nichts mangeln. Wachet und
betet damit Ihr in der kommenden
Zeit recht stark seid. Denn es wird
sich noch alles erfüllen wie es in
der heiligen Schrift geschrieben steht.
So laßt Euch nicht rauben, Aufsteh
ungsglauben, sonst wird Euch das
Leben oede und so leer.
Nun seid nochmals alle recht
herzlich gegrüßt von Eurem
lieben Vater und Sohn.

Letzten Gruß, an alle lieben Ver-
wanten und Bekannten!

Gruß an Familie Freund an Schwester
Anna und Hugo Emmy könnt Ihr
einmal schreiben. Gruß an Richard
und Familie.
Erich und Wally, will ich nicht extra
schreiben die können ja dieses mit
lesen.

Abschiedsbrief von Arno Gäßner, 6. Dezember 1939

Privatbesitz

Sterbeurkunde von Arno Gäßner vom 7. Dezember 1939

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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