Jakob Gapp SM
Er studiert Theologie im schweizerischen Freiburg und arbeitet anschließend mehrere Jahre als Erzieher in der Privatschule der Gesellschaft Mariä in Graz. 1930 wird er zum Priester geweiht. Er arbeitet als Seelsorger in Lan­zenkirchen (Bezirk Wiener Neustadt) und lehrt danach bis März 1938 als Religionsprofessor am Privatrealgymna­sium des Marieninstituts in Graz.
Im März 1938 wird er nach Freistadt/Oberdonau versetzt, weil er sich gegen den „Anschluss” Österreichs an Deutschland ausspricht und es ablehnt, in der Schule das Hakenkreuzabzeichen zu tragen. Gapp kritisiert weiterhin die nationalsozialistische Politik und muss schließlich im Januar 1939 nach Frankreich fliehen.
Auch im Ausland klagt er in seinen Predigten die Verfol­gung von Katholiken in Deutschland an, beschafft und verteilt antinationalsozialistisches Propagandamaterial.
Gapp, der zuletzt in Valencia lebt, wird von der Gestapo im November 1942 in das besetzte Frankreich gelockt und festgenommen. Der 1. Senat des „Volksgerichts­hofes” verurteilt ihn am 2. Juli 1943 zum Tode. Er wird am 13. August 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Jakob Gapp wird 1996 seliggesprochen.
Dokumente
Gefangenenkarte von Jakob Gapp SM
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Jakob Gapp vom 2. Juli 1943
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Berlin-Plötzensee, den 13. August 1943.
Königsdamm 7
Haus III.
Hochwürdigster, lieber Herr Superior!
Wenige Stunden vor meinem Tode drängt es mich, auch von Ihnen Abschied zu nehmen. Ich bin am 2. Juli, dem Herz Jesufeste, wegen Landesverrat zum Tode verurteilt worden. Heute abds um 7h findet die Hinrichtung statt.
In der Zeit meiner Haft seit 9. Nov. l.J. hatte ich reichlich Zeit, über mein Leben nachzudenken. Aus ganzem Herzen danke ich Ihnen für alles Gute, das Sie mir erwiesen haben, seit dem ich Sie kenne. Ich betrachte mich noch als zur S.U. gehörig; ich erneuere mein Gelübde, und opfere mich
durch die Hände der lieben Himmelmutter dem lieben Gott auf. Verzeihen Sie alles, was ich Ihnen wohl Verdriessliches bereiten konnte! Ich habe wohl Schweres durchgemacht, bin aber jetzt recht glücklich. Ich glaube, ich konnte mich heiligen in dieser schweren Zeit.
Grüssen Sie alle Mitbrüder; ich werde die grüssen, die „drüben“ sind. Alles geht vorüber, nur der Himmel nicht.
Am 2 13. August 1920 habe ich mein Noviziatsjahr, das schönste meines Lebens begonnen. Und heute hoffe ich das glückselige ewige Leben beginnen zu können.
Leben Sie wohl! Beten Sie für mich!
Ich bete für Sie.
Auf Wiedersehen!
In Ill.I. Ihr dankbarer
Ganz ergebener Jakob
R.i.P.
Abschiedsbrief von Jakob Gapp vom 13. August 1943
Bundesarchiv R 3017/10003
Sterbeurkunde von Jakob Gapp vom 14. August 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung













