Hedwig Germersdorf
Deren Lebensgefährte, der „Zivilarbeiter” José Arce Ruiz, begeht zusammen mit anderen Spaniern seit Herbst 1943 zahlreiche nächtliche Geschäftseinbrüche. Die Waren, in erster Linie bezugsbeschränkte Grundnahrungsmittel, werden in Edeltraut Sasses Wohnung verwahrt. Edeltraut Sasse überlässt Hedwig Germersdorf fortgesetzt Lebensmittel, die diese weiterveräußert. Zudem beherbergt Hedwig Germersdorf eine Woche lang gegen Bezahlung zwei Spanier aus der Gruppe.
Das Sondergericht VI verurteilt beide Frauen am 6. Dezember 1944 auf Basis der kurz nach Kriegsbeginn erlassenen „Volksschädlingsverordnung” wegen „Hehlerei” zum Tode. Ihr Gnadengesuch wird abgelehnt und beide am 9. März 1945 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Hedwig Germersdorf
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Barnimstraße 10
Gnadengesuch!
An den Herrn Staatsanwalt des
Sondergerichts V Berlin Turmstr. 91
Aktenzeichen: 6 P.K.Ls. 541/44
Geehrter Herr Staatsanwalt.
Am 6.12.44. wurde ich Hedwig Germersdorf gebor. Querner gebr. am 26.1.96 zu Roßlau Kreis Zerbst wegen Hehlerei zum Tode verurteilt. Meine Tat bereue ich aus ganzem Herzen und bitte den Herrn Staatsanwalt noch einmal Gnade vor Recht ergehen zulassen. Bisher habe ich micht immer stets einwandfreih geführt. Bin mit meinem Manne 21 Jahre glücklich verheiratet, unsere Ehe war kinderlos deshalb nahmen wir 1930 ein Jungen 6 Monate alt zuuns und erzogen Ihn und soll von uns Adoptiert werden.
Mein Mann hat von 24 August 1939 bis November 1941 am Krieg teilgenommen und wurde durch sein Magenleiden aus dem Heer entlassen. Seid 1942 ist Er beim Fronttheater alls Bühnenmeister mit einem Gehalt von 600-800 RM angestellt.
Geehrter Herr Staatsanwalt ich habe Ihnen kurtz mein Familienleben klar gelegt und bitte Sie noch einmal von ganzem Herzen mir statt dieser Todesstrafe eine Freiheitsstrafe zu gewähren. Ich werde mich Ihrem Danke, durch eine neue gute Führung würdig erweisen.
Achtungsvoll
Hedwig Germersdorf geb. Querner
z.Zt. Barnimstr. 10
Gnadengesuch von Hedwig Germersdorf vom 8. Dezember 1944
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3822/29




