Hedwig Germersdorf

26. Januar 1896, Roßlau, Krs. Zerbst – 9. März 1945
Die Ehefrau Hedwig Germersdorf, geborene Querner, lernt im Januar 1944 in ihrer Nachbarschaft in Berlin-Neukölln die Arbeiterin Edeltraut Sasse kennen.
Deren Lebensgefährte, der „Zivilar­beiter” José Arce Ruiz, begeht zusammen mit anderen Spaniern seit Herbst 1943 zahlreiche nächtliche Geschäfts­einbrüche. Die Waren, in erster Linie bezugs­beschränkte Grund­nahrungsmittel, werden in Edeltraut Sasses Wohnung verwahrt. Edel­traut Sasse überlässt Hedwig Germersdorf fortgesetzt Lebens­mittel, die diese weiterveräußert. Zudem be­herbergt Hedwig Germersdorf eine Woche lang gegen Bezahlung zwei Spanier aus der Gruppe.
Das Sondergericht VI verurteilt beide Frauen am 6. Dezember 1944 auf Basis der kurz nach Kriegsbeginn erlassenen „Volks­schädlingsverordnung” wegen „Heh­lerei” zum Tode. Ihr Gnadengesuch wird abgelehnt und beide am 9. März 1945 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Hedwig Germersdorf

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Berlin NO 18, den 8.12.1944
Barnimstraße 10

Gnadengesuch!
An den Herrn Staatsanwalt des
Sondergerichts V Berlin Turmstr. 91
Aktenzeichen: 6 P.K.Ls. 541/44

Geehrter Herr Staatsanwalt.
Am 6.12.44. wurde ich Hedwig Germersdorf gebor. Querner gebr. am 26.1.96 zu Roßlau Kreis Zerbst wegen Hehlerei zum Tode verurteilt. Meine Tat bereue ich aus ganzem Herzen und bitte den Herrn Staatsanwalt noch einmal Gnade vor Recht ergehen zulassen. Bisher habe ich micht immer stets einwandfreih geführt. Bin mit meinem Manne 21 Jahre glücklich verheiratet, unsere Ehe war kinderlos deshalb nahmen wir 1930 ein Jungen 6 Monate alt zuuns und erzogen Ihn und soll von uns Adoptiert werden.
Mein Mann hat von 24 August 1939 bis November 1941 am Krieg teilgenommen und wurde durch sein Magenleiden aus dem Heer entlassen. Seid 1942 ist Er beim Fronttheater alls Bühnenmeister mit einem Gehalt von 600-800 RM angestellt.
Geehrter Herr Staatsanwalt ich habe Ihnen kurtz mein Familienleben klar gelegt und bitte Sie noch einmal von ganzem Herzen mir statt dieser Todesstrafe eine Freiheitsstrafe zu gewähren. Ich werde mich Ihrem Danke, durch eine neue gute Führung würdig erweisen.
Achtungsvoll
Hedwig Germersdorf geb. Querner
z.Zt. Barnimstr. 10


Gnadengesuch von Hedwig Germersdorf vom 8. Dezember 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3822/29

zurück