Hermann Giese


Erkennungsdienstliche Aufnahme von Hermann Giese, 1940
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 405
Ab 1923 wird Hermann Giese mehrfach zu Geld- und kurzen Haftstrafen, 1928 wegen Straßenraubes zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Es folgen weitere Haftstrafen, vorwiegend wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Im Oktober 1940 versucht er die Geschäftseinnahmen seines Vaters zu rauben und schlägt diesen mit einem Sensenhammer nieder. Das Sondergericht I bei dem Landgericht Berlin verurteilt Hermann Giese am 11. Dezember 1940 auf der Grundlage der „Verordnung gegen Gewaltverbrecher” zum Tode.
Er wird am 29. Januar 1941 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Hermann Giese
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Tenor des Urteils gegen Hermann Giese, 11. Dezember 1940
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 405
Berlin-Plötzensee, den 18.12.1940
An den
Führer und Reichskanzler
Adolf Hitler
Gnadengesuch
Ich bin am 8.7.01. als Sohn des Gärtners Franz Giese zu Berlin-Schöneberg geboren. Ich besuchte die Volksschule in Wilmersdorf bis zur 1. Klasse und erlernte dann bei meinem Vater das Gärtnerhandwerk. Nach beedigter Lehre blieb ich bis Mai 1920 bei meinem Vater ich trat dann als Freiwilliger beim 115. Reichswehrregiment in Spandau ein wo ich bis zum 31.12.20 verblieb. Im Jahre 1921 war ich auf der Polizeischule in Brandenburg a/H. ebenfalls bis ende Dezember. Ich nahm nunmehr Stellungen in verschiedenen teilen Deutschlands an. Bis zum Jahre 1930 wurde ich wiederholt Strafbar und zwar wegen Beleidigung, Sachbeschädigung, Wiederstandes und Raub für den Raub wurde ich mit 2 Jahren Gefängnis bestraft. In der zwischenzeit habe ich immer gearbeitet. Anfang 1932 verbüßte ich eine Reststrafe von 3 Monaten. Seitdem bin ich mit dem Strafgesetz nicht mehr in konflikt gekommen 1933 Heiratete ich zum ersten mal aus dieser Ehe stammt 1 Kind die Ehe wurde 1937 geschieden. Im selben Jahre Heiratete ich meine jetzige Frau mit meiner jetzigen Frau habe ich vier Kinder nämlich den vor der Ehe
geborene Wolfgang 8 Jahre alt die 1½ jährige Hildegard und die ½ jährigen Zwillinge Dora und Inge Ich gebe zu das ich mitunter mehr für meine Familie hätte tun können jedoch haben wir nie gehungert oder fremde Hilfe in Anspruch genommen
In der Nacht vom 4. zum 5. verließ ich nach einem zerwürfnis meine Frau und suchte meinen Vater auf am 5. wollte mir ein Zimmer suchen und verbrachte die Nacht in einem Park in Charlottenburg. am 6.10. wollte ich meine Mutter im Krankenhaus besuchen und mußte dort erfahren das Sie in der verflossenen Nacht verstorben war ich begab mich nun wiederum zu meinem Vater in seine Gärtnerei. Nachdem ich einen von mir beabsichtigten Diebstahl mißlingen sah schlug ich meinen Vater mit einem Hammer über den Kopf, ließ meinen Vater aber trotzdem er sich nicht wehrte auch nicht um Hilfe rief ohne etwas von ihm zu verlangen ruhig gehen. Ich wurde deshalb vom 1. Sondergericht in Bln zum Tode verurteilt.
Mein Führer ich bitte Sie nun noch einmal Gnade walten zu lassen und mir noch einmal die möglichkeit mich zu bewähren und für meine Familie sorgen zu können, zu geben.
Hermann Giese
Gnadengesuch von Hermann Giese, 18. Dezember 1940
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 405/1
Sterbeurkunde von Hermann Giese vom 29. Januar 1941
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung








