Artur Göritz
Im Dezember 1933 erhält er Arbeit in den Dornier-Flugzeugwerken in Friedrichshafen. Er übermittelt militärische Informationen über die Produktion von Rüstungsgütern in den Dornier-Werken und über den Bau einer unterirdischen Munitionsfabrik bei Celle. Dieses Material wird einem Instrukteur des Zentral­komitees der KPD in der Schweiz übergeben. Im Juli 1935 wird er wegen des Verkaufs von marxistischer Literatur festgenommen, Anfang August aber wieder freigelassen.
Nach einem Verrat wird Artur Göritz am 2. Juni 1936 erneut festgenommen und am 12. Juni 1937 vom „Volksgerichtshof” wegen „Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Er wird am 20. Juni 1938 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Artur Göritz
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Stefan Lovász, Alfred Grözinger, Josef Steidle, Artur Göritz und Liselotte Herrmann, 12. Juni 1937
Bundesarchiv R 3017/288895
Anordnung der Vollstreckung der Todesstrafe gegen Artur Göritz, Josef Steidle, Liselotte Herrmann und Stefan Lovász, 15. Juni 1938
Bundesarchiv R 3017/28911
gelesen 20/6. Königsdamm 7. Haus III.
1) Du mein liebes, treues Muggerle! Ach, es wird wohl das
größte Leid Deines Lebens sein, was Du jetzt erleben mußt. Weiß
ich doch, daß Du in der Welt nichts so geliebt hast wie mich. Und dafür, mein liebes, gutes Fraule, danke ich Dir noch tausendfach. Es ist nun nicht mehr lange bis zu meiner Scheidestunde, aber ich bin nicht verzagt. Das unerschütterliche Gottvertraun, welches Du so oft bewundert hattest, hat mir auch diese schwere meine schwerste Stunde des Lebens verklärt, Du weißt ja das mein Leben niemals zum Kleinmut und zur Mutlosigkeit neigte, das Große, Weite, Ewige war immer mein Sehnen. So wie ich lebte, will ich auch aus der Zeit scheiden, warhaftig und im Glauben, daß durch mein Schicksal die ewig waltende Versuchung doch einen großen Zweck damit verfolgt Du mein treues Spätzlein hast ja wohl das größere Leid zu tragen, denn ich habe
den Frieden der Ewigkeit bald empfangen, doch Liebes, es sei Dir ein Trost, das mein tragisches Schicksal wohl meinem Leben den Stempel des Großen gibt. Du weißt ja die Lage der Dinge am besten, du weißt ja am sichersten, daß mich nur die Gemeinheit aus dem Leben drängt, aber dafür wird Dir auch das Leben am schwersten werden. Wenn Du den Schmerz unserer Trennung überwinden kannst, dann sei die Sachwalterin meines Wesens und meiner Unschuld. Vielleicht gibt es Gott doch einmal, daß ein helleres Licht in oder auf mein ganzes Schicksal fällt. Es ist ja schwer für Dich den Glauben an das Gute nicht zu verlieren, aber bedenke, daß das Böse immer bestrebt sein wird das Gute herab zuziehen
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2) und die, welche von der Niedertracht hintergangen werden, sind
dann nicht schuld an der Tragik die sich daraus ergibt. Schau, ich
glaube mein Leben erhält ja erst durch den drastischen Ausgang das,
wo nach ich immer gestrebt habe. Sei nicht verbittert auf die Welt,
alle Niedertracht und Tücke kann das Gute nicht besiegen an sich nicht
besiegen wenn die Menschen durch ihr Wirken dem Guten helfen; sie
können den einzelnen ins Unglück bringen, aber das Glück des Lebens
nicht vernichten. Mein Hoffen und Wirken ist ja nun vorbei, von dem
ich gestern noch so zukunftsfroh in meinem Brief an Dich schrieb, aber
was ich schuf und lebte, das lebt in allen fort die mich näher kannten
und am meisten in Dir mein liebes treues Fraule, Sei Du der Erbe
meines Große Geistes und Seelengutes und gib, wenn es möglich und
nötig ist auch unseren anderen Angehörigen davon ab, Materielle
Güter habe ich ja nicht was das Modell eines Schwingenflügels betrifft, so tue damit was Du für recht befindest Ich habe Pfarrer Ohmbeauftragt mein diesbezüglichen Ideen, die Schriftlich und zeichnerisch in meinen Aufzeichnungen sind, wenn es irgend geht dem Professor Pißkorsch Breslau zur Verfügung zu stellen, damit sie für die Deutsche Luftfahrttechnik nicht verloren gehen, das Modell soll aber, da es nur im Anfangsstadium ist nicht an ihn geschickt werden. Wenn es geht und Du Wert darauf, legst siehe zu, daß Du die drei letzten Bände meiner Aufzeichnungen frei gegeben werden, wegen der Bergarbeitererzählungen. Auch werde ich darum bitten, daß alle Deine Briefe mit meinen Effekten an Dich gesand werden. Du wirst dann wohl noch verschiedene Gedichte dabei mehr erhalten, doch nun mein liebes, treues, tapferes Muggerle kann ich über keinen weiteren Nachlaß
verfügen. Sieh zu, daß´auch Du die Schrecknisse überwindest, in dem
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3) Du Dich zur Einsicht durchringst, mein Leben war nach dem Plane der
Vorsehung erfüllt, und wenn nicht so, dann hätte es sich eben anders,
aber um die gleiche Zeit erschöpft. Danke in meinem besonderen Auftrage
auch Deine lieben Eltern und besonders Bubi. Ihm gib als letztes Geschenk von mir den Spruch: „Wenn Dich des Lebens Stürme umbrausen, halte den
Nacken schief, dann würde er die Halme nicht zausen würden die Ähren
nicht reif; nie könnten die Goldene Frucht sie ertragen ertragen müßten
dem stärkenden Sturm sie entsagen!“ Papa und Mama danke für alles was sie Gutes an mir getan haben, denn Sie gaben mir das größte Glück unsere meines Leben: Dich, mein Liebes. Wir können wahrhaftig sagen Unser Glück war zwar kurz, aber groß! und auch dies sei Dir ein Trost. Wenn Du die Berge, den See und die Sterne siehst, dann denke, daß ich bei Dir bin auch unter den Welten der Ewigkeit, dann denke an mein Gebet in den Bergen: „In Andacht lausch ich den heiligen Schwingen, denn über den Gipfeln waltet die Ewigkeit und tröstend, über alle Schmerzen liegt göttlicher Friede. Ein stummes Loblied ist es, aus Schnee und Stein, hoch über dem Staub der Straßen, Dir zu Ehren der Du die Welt geschaffen. So wie die einsamen Firne Dich preisen wenn über ihnen die Sterne streifen, so still und stark, so froh und rein o Herr, laß meine Seele sein!“
Bleibe Du mein liebes treues Muggerle gut und stark, so wie ich Dich immer
lieb hatte. Und solltest Du einmal einen andern guten Menschen lieben lernen, dann wünsche ich Dir ein ebenso großes, aber längeres Glück doch behalte ein ganz kleines Plätzchen im Herzen für das Andenken Deines Dich liebenden Muggerle
Grüße bitte auch Fam. Hrotkorn und Kunz und alle Bekannten die an
meine Unschuld glauben, Bis zum letzten Augenblick werde ich Dich und
mein Vaterland lieben. zum letzten male grüßt und küßt Dich
von ganzem Herzen Dein Muggerle.
Abschiedsbrief von Artur Göritz, 20. Juni 1938
Privatbesitz
Bekanntmachung der Hinrichtung von Stefan Lovász, Josef Steidle, Artur Göritz und Liselotte Herrmann, 20. Juni 1938
Bundesarchiv R 3017/28911


























































