Ludolf Grimm
Im Juni 1943 lernt er in Köln die zu jener Zeit wohnungslose Gisela Dietrich kennen, die seine Lebens­gefährtin wird. Beide geben sich in der Folgezeit in Wuppertal und Köln wie­derholt als Bombengeschädigte aus, um in den Bezug von falschen Dokumenten, Bargeld und Lebensmittelmarken zu kommen.
Ludolf Grimm und Gisela Dietrich werden am 25. August 1943 festgenommen und am 12. November 1943 vom Sondergericht III beim Landgericht Berlin auf Basis der „Volksschädlingsverordnung” wegen „Kriegswirtschafts­verbrechen” zum Tode verurteilt.
Ludolf Grimm und Gisela Dietrich werden am 21. De­zember 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee er­mordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Ludolf Grimm
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Berlin-Plötzensee, den Mittwoch 8-9-1943
Mein liebes Giselchen
Liebling wie geht es dir denn in Moabit gut hoffe ich nun mir geht es auch noch gut blos ein bischen langeweilen. Liebling hast du schon einen Rechtsanwalt genommen schicke ihm bitte auch zu mir hinüber. Ich liege hier mit dem Friseur auf unsere Zelle aber trotzdem allein denn er muss den ganzen Tag arbeiten. Liebes Giselchen den ganzen Tag muss ich an dich denken dir ist doch hoffentlich nichts zugestossen bei dem Terrorangriff auf Berlin hier hat es etwas gebrant aber sonst ist alles gut keine Toten. Liebling entschuldige mein Schreiben bitte aber der Feder ist ein wenig schlecht. Schatz es ist für mich eine Unmöchlichkeit abends einzuschlafen immer habe ich dich für Anchen und kann dich doch nicht berühren Liebling ich wünschte du konntest mich so für ein paar Stunde besuchen und dann ungestört wohl oder möchtest du dass nicht Mein Giselchen? Liebling ich habe jetzt diese letzte 14 Tage dass wir in Haft sind immer mehr gespürt wie lieb ich dich habe ich habe dass vorhin auch gespürt aber jetzt noch viel mehr Liebling wenn du mir jetzt sagen würde Luddi ich liebe dich nicht mehr mein Liebling dass kannst du nicht sagen denn lieben wirst du mich immer tun aber da könntest schreiben Ruddi wenn wir entlassen werden gehst du deinen Wege und ich gehe meine Liebling wenn du dass tun würdest dann bin ich verloren. Liebling nur für dich lebe ich noch und werde auch immer für dich leben denn ohne dich hat es Leben für mich keinen Wert denn ich habe nur dich und kein ander. Liebling hast du schon Anstalltskleidung bekommen ich ja blos Unterwäsche sonst habe ich alles noch. meine Socken sind auch bei der Wäsche geblieben. Liebste ich habe hier mahl nachgefragt für einen Rechtsanwalt und da ist mir gesagt worden eine Rechtsanwaltin in Nikolasee diese Frau ist speziell für das Sondergericht ich weiss nicht was du gemacht hast aber du wirst dass schon richtich machen Liebling wenn ich maal ein Fehler schreibe dass musst du mir nicht für Übel nehmen denn wie du dich denken kannst bin ich ein bischen Nerveus. Hoffentlich geht alles noch gut aus - uns beiden dass wir nicht so schwer bestraft werden und hoffentlich dauert die Untersuchungshaft nicht so lange, Liebling wenn wir entlassen werden willst du mich denn Heiraten oder bleibst du lieber so wie du jetzt bist du weisst meine Papieren zum Heiraten sind fertig dann dauert es blos noch 1 oder 2 Monaten und wir können Heiraten Liebling ich muss jetzt schliessen denn mehr schreiben kann ich nicht weil kein Papier vorhanden ist. Also Liebes Giselchen 10000000 geküsst und gegrüßt von dein dich immer liebender und treubleibende und mit Sehnsucht wartende Luddi dies [?] und denke immer jede Nacht vor Schlafen muss ich erst eben weinen um mein Schätzilein Gute Nacht strebb [?]
Brief von Ludolf Grimm an Gisela Dietrich vom 8. September 1943
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II 17155
Berlin-Plötzensee, den 21. November 1943.
An
dem Herrn Staatsanwalt des Sondergerichts
in Berlin Alt-Moabit.
Ich, Grimm Ludolf, geb: 4-12-’20 in Nijmegen, Holland, bin am 12-11-’43 zum Tode verurteilt worden.
Ich habe die Volksschule, eine Höhere Schule und eine 4 Jährige Abendfachschule besucht. Ich habe 2 Jahr als Technisch.Zeichner gearbeitet. In Juni 1940 habe ich mich freiwillig gemeldet zur Arbeitseinsatz in Deutschland. Ich bin seitdem ein maal in Urlaub gewesen. Ich habe in diese 3 ½ Jahr nicht einmaal ein Bezugschein bekommen, noch für Kleider noch für Schuhe auch keine Kleiderkarte. Ich wollte auf ehrliche Weise mehr Geld verdienen um die benötigte Sachen ohne Bezugschein zu kaufen, aber es ist mir nicht gelungen. Ich habe Bezugscheine beantragt aber ohne erfolg. Mein Chef weigerte mich Überstunden und Nachtarbeit, eine Annonce in der Zeitung für eine Nebenstelle ergab auch nichts. Jetzt habe ich in meiner Not eine Hose, ein Regenmantel, ein Hut und 80 R.M. gestohlen was ich wieder zurückerstattet habe. Ich dafür auf mein Geständnis hin auch gerechtlich bestraft worden. Dies passierte in Düsseldorf. Jetzt habe ich nochmals eine Hose gestohlen von meinem Chef und auch dafür bestraft worden. Nach dies alles bin ich nach Berlin gekommen, da sind mir nun in Oktober 1942 meine letzten Sachen, die ich noch hätte gestohlen worden. Ich habe mir das bescheinigen lassen von der Polizeibehörde und bin mit dieser Bescheinigung zum Wirtschaftsamt gegangen für Bezugscheine aber wieder ohne erfolg. Da war ich nun sehr verzweifelt und wursste nicht was ich machen sollte. Meine Eltern konnten mir auch nicht helfen, denn die hätten ja auch nichts. Ich habe mir nun einen Anzug und einen Mantel geliehen und bin nachdem ich zwei Tage Urlaub gekriegt habe nicht mehr zu der Firma zurück gegangen sondern in Elberfeld geblieben. In Köln lernte ich das Fräulein Gisela Dietrich kennen und bin bei ihr geblieben. Auf ihr drängen und reden und in meiner Not und Verzweiflung hin habe ich mir nun das jenige angeschaft was ich nicht mehr hätte. Es ist mir nicht zu tun gewesen für Geld oder sonstige verdiensten zu machen denn das Geld was ich bekommen habe ist noch auf der Kasse in Strafgefängnis Plötzensee. Auch diese Kinder habe ich nicht ausgenutzt. Wie ich jetzt nach 2 Monaten wieder angezogen war wollte ich meine Arbeit in Berlin wieder aufnehmen und bin dann hier verhaftet worden. Ich habe mich vor mein Straftat 2 maal freiwillig gemeldet zur Waffe S.S. das erste maal gab mir meine Firma nicht frei und das zweite maal ist Düsseldorf zerstört worden und da habe ich keinen Nachricht mehr erhalten. Da bin ich nach Berlin gekommen. Sie sehen jetzt mein guter Wille um Ehrlich und Aufrecht zu bleiben und meine Kräfte Deutschland zu Widmem immer fehl gegangen ist. Ich bereue aufrecht mein Tat und bitte Sie jetzt: Schenken Sie mir zu meinem Geburtstag am 4-12-1943 eine mildere Strafe als die Todesstrafe. Ich bin das einzige Kind meiner Eltern die mir soviel haben lernen lassen. Hoffentlich ist dies alles nicht umsonst gewesen.
Ich danke Sie jetzt im voraus und verbleibe mit Gebührender Hochachtung Ihr Diener
Grimm Ludolf.
Gnadengesuch von Ludolf Grimm vom 21. November 1943
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 17153
Schreiben des Generalstaatsanwalts bei dem Landgericht Berlin über die Hinrichtung von Ludolf Grimm und Gisela Dietrich, 22. Dezember 1943
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 17155
Sterbeurkunde von Ludolf Grimm vom 22. Dezember 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung











