Willi Grothe

6. Dezember 1905, Schulzendorf – 8. September 1943
Willi Grothe

Erkennungsdienstliche Aufname von Willi Grothe

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 1209/6

Will Grothe arbeitet nach dem Besuch der Volksschule zunächst in der elterlichen Landwirtschaft und gründet später einen eigenen Betrieb. Seit 1933 arbeitet der Vater von drei Kindern in Potsdam als Kutscher für eine Transportfirma. Willi Grothe hat die Aufgabe, am Potsdamer Bahnhof Güter abzuholen und diese an ihre Empfänger zu verteilen.
Im Frühjahr 1943 wird er unter dem Vorwurf festge­nommen, seit 1941 gemeinsam mit Bruno Schulzek und zwei weiteren Angeklagten „unter Ausnutzung der Kriegsverhältnisse” Reichsbahngut - vor allem Stoffe, Kleidung sowie Zigaretten und Alkohol - gestohlen zu haben.
Willi Grothe und Bruno Schulzek werden am 15. Juli 1943 vom Sondergericht VIII bei dem Landgericht Berlin wegen Diebstahls und Verstoßes gegen die „Volks­schädlingsverordnung” sowie die „Kriegswirtschaftsver­ordnung” zum Tode verurteilt.
Willi Grothe wird am 8. September 1943 während der der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Willi Grothe

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Berlin-Plötzensee, den 17. Juli 1943.

An
Herrn General-Staatsanwalt
in Berlin-Moabit


Gnadengesuch!
Ich Willi Grothe traf mich am 15 Juli die schwerste Strafe, die Todesstrafe. Ich bitte hiermit noch einmal um milderung. Da ich doch nicht der Hauptschuldige bin, mir sind doch sämtliche Sachen übergeben ich habe doch nicht ein Stück vom Bahnhof allein genommen. Ich ließ mich immer wieder überreden, dauern kommen Sie mit anderen ausreden. Da ich ein zu gütiger Mensch bin. Ich habe mich an meine Sachen doch sehr sehr wenig bereichert noch weniger von verbraucht. Ich habe ja diese Sache ein Jahr betrieben nicht wie es in den Akten lautet bis 1943. Ich hatte mich schon früher zurück gezogen. Ferner bat ich meinen Chef er sollte mich doch von diesen Posten ablösen, um damit ich dieser Verführung entging, daß tat ich mehrere male, aber er tat mir den gefallen nicht. Ich bin solange ehrlich durchs Leben gegangen habe mir nicht daß geringste zuschulden kommen lassen. War früher in Väterlicher Landwirtschaft tätig. Da wir dort 3 erwachsene Söhne waren zog ich es vor mir eine andere Arbeit zusuchen. Diese fand ich

auch in Barnim bei einer Witwe Frau Hewerner.
Dieser Frau führte ich 1 ½ Jahr lang fast selbständig ihre Wirtschaft. Da ich aber meine jetzige Frau kennen lernte und ich bald Heiraten mußte. Dort verdiente ich nur wöchentlich 10 M damit konnte ich keine Familie ehrlich ernähren. Somit suchte ich mir eine andere Arbeit die ich dann bei der Firma Grauel & Gogni fand, dort war ich seit dem 3. April 1935 bis zu meiner Verhaftung. Im Jahre 1941 hatte ich sehr mit den Nerven zu kämpfen, da mir meine Frau das 3. Kind schenkte, und den 2 Kaiserschnitt erhielt, da meine Haupttaten sich gerade zu dieser Zeit befanden.
Ich habe eine Familie in der Welt gesetzt von 2 Jungen im Alter von 8 u 2 Jahren und ein 1 Mädel von 9 Jahren, daß wäre doch furchtbar wenn die Kinder ihren Vater nicht mehr zusehen bekommen. Ich möchte doch gerne in späteren Jahren meinen Kindern noch etwas unterstützen. Ich würde ja gerne eine andere schwere Strafe auf mich nehmen, aber nicht gerade für den Kindern diese furchtbare Strafe. Ich würde mich gerne bis in die äußerste Spitze der kämpfenden Truppe melden und dort für
Führer und Vaterland sterben, wenn ich weiß daß meine Familie versorgt ist. Werter Herr Genral-Staatsanwalt ich bitte bitte Sie nochmals erlassen Sie mir bitte diese harte Strafe, legen Sie die Strafe in eine harte Strafe um. Im voraus sage ich Ihnen jetzt schon meinen aller besten Dank. Hochachtungsvoll Willi Grothe

Gnadengesuch von Willi Grothe vom 17. Juli 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 1209/1

Ablehnung eines Gnadenerweises für Willi Grothe vom 2. September 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 1209/1

Sterbeurkunde von Willi Grothe vom 14. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Bericht über die vom 7. bis 10. September 1943 im Strafgefängnis Plötzensee vollstreckten Todesurteile vom 17. September 1943

Bundesarchiv R 3001/25019

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