Heinrich Grüterich

18. Oktober 1907, Rheydt – 14. September 1940
Heinrich Grüterich

Passfoto von Heinrich Grüterich

Bundesarchiv R 3017/10261

Heinrich Grüterich wächst in Rheydt und Aachen auf. Nach dem Besuch der Volks­schule erlernt er das Kirchen­maler- und anschlie­ßend das Anstrei­cher­hand­werk. In diesem Beruf arbeitet er wegen Mangel an Arbeits­plätzen mit Unter­brechun­gen ab 1926 in Aachen.
Heinrich Grüterich schließt sich mit 14 Jahren dem zur Bün­dischen Jugend gehören­den „Land­streicher­orden“ an, welcher 1933 verbo­ten wird. Im Januar 1939 plant er gemein­sam mit einem Kraft­fahrer, Juden beim ille­galen Grenz­über­tritt nach Belgien zu helfen. Es kommt jedoch nicht zur Umset­zung der Pläne. Bei privaten Reisen nach Lüttich und Antwer­pen wird er im Juli 1938 unter Druck ange­worben, für den belgischen Geheim­dienst im Grenz­gebiet zu spio­nieren.
Er wird am 21. April 1939 festge­nom­men. Ihm wird vorge­worfen, zwischen Oktober 1938 und Februar 1939 „Staats­geheim­nisse“ verraten zu haben. Der 4. Senat des „Volks­gerichts­hofs“ verur­teilt ihn am 16. Juli 1940 wegen „Landes­verrats“ zum Tode. Er reicht mehrere Gna­den­gesuche ein, die jedoch alle abge­lehnt werden. Am 27. August 1940 ver­sucht er, sich in der Haft das Leben zu neh­men.
Heinrich Grüterich wird am 14. Septem­ber 1940 in der Strafan­stalt Berlin-Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Heinrich Grüterich

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Heinrich Grüterich, 16. Juli 1940

Bundesarchiv R 3017/10261

Berlin-Plötzensee, den 12. September 1940.
Heinrich Grüterich
Nachtrag zum Gnaden-
gesuch

An das Gnadengericht in Berlin.

Habe einmal meine Urteilsbegründung durchlesen können und möchte entsprechend stellung dazu nehmen. In meinem Fall kann überhaupt keine Rede von Ausspähungen sein. Bin immer sehr viel gewandert früher, ich hatte keinen Auftrag etwas festzustellen bei Wahlheim und hab Persönlich garkeine Interesse gehabt etwas dort festzustellen. Man kann mir doch unmöglich jeden Weg den ich getan hab als nur mein Vaterland zu schädigen auslegen. Im Januar bin ich einmal weil ich nichts zu tun hatte nach Eilendorf gefahren und wie ich an Fefestigungslinie gekommen bin umgefahren weil ich die garnicht kennen lernen will. Aus allen meinen bisherigen Handlungen ist doch klar zu entsehen das ich nichts damit zu tun haben wollte, ich bitte doch um entsprechende beurteilung. Ich habe Neef keine Schießschachten von anderen Bunkern angegeben er hat mich in Eupen nach Schießschachten gefragt ich hatte nicht darrauf geachtet, es ist logisch für mich das die nach vorne sind mehr konnte ich nicht wissen oder sagen. Man hat mir oft verfängliche Fragen gestellt die ich teils aus Gutmütigkeit und Unkenntnis bejaht habe, auch waren die Fragen größtenteils Weitschweifig im begriff, daraus darf man aber

keinen falls entnehmen das ich mit vorsatz eine böse Tat begangen habe. Herr Bardenheuer riet und empfahl mir jede Kleinigkeit die ich wisse oder vermute anzugeben. Und größtenteils aus diesen kleinen Unwahrheiten stellt man mein Urteil zusammen. Als ich Ihn bei Vernehmungsunterschrift darauf aufmerksam machte das das nicht richtig wäre sagt er mir mehrmals, es kommt sich garnicht auf so nebensächlichkeiten an, ich könne mich fest auf Ihn verlassen, wenn ich mich schuldig bekenne das wäre besser für mich wie mich an so Kleinigkeiten zu halten. Ich fühle mich heute um mein Leben betrogen durch unwahrheiten wo ich mich heute nicht gegen Verteidigen kann. Ich bitte um die Erlaubnis einen Verteidiger in meiner Sache zu hören Kosten tragen meine geschwister aber nicht Dr. Leohard Schwarz Kurfürstendamm 102.
Ich habe keine Handung begangen worauf eine so schwere Strafe berechtigt wäre, ich scheue nicht den Tod, aber auch ein entsprechendes Recht muß mein Vaterland auch für mich haben. Für mich steht fest man kann mich als anständigen Menschen wegen eines Vergehens und größtenteils aus Unkenntnis nicht mit dem Tode bestrafen.
Als Junggeselle bezog ich keine Zeitung hatte kein Rundfunk gerät und hab in allem sehr zurückgezogen gelebt. Es ist aus allem klar zu entnehmen wenn ich vorhatte mein Vaterland schwer zu schädigen das ich es dann getan hätte, der hohe Senat kann und muß Recht und Gnade bei mir walten lassen. Ich Hoffe recht bald einen Gnädigen bescheid zu erhalten. Ihr immer dankbarer Heinrich Grüterich.

Gnadengesuch von Heinrich Grüterich, 12. Septemeber 1940

Bundesarchiv R 3017/10261

Mitteilung über einen Suizidversuch von Heinrich Grüterich, 27. August 1940

Bundesarchiv R 3017/10261

Bekanntmachung der Hinrichtung von Heinrich Grüterich, 14. September 1940

Bundesarchiv R 3017/10261

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