Zdeněk Hájek

27. Juli 1919, Litomyšl (Leitomischel) – 7. September 1943
Zdeněk Hájek

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Zdeněk Hájek, 1943

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Nr. 1826

Zdeněk Hájek erlernt nach der Volks- und Bürgerschule den Schlosserberuf. Nach der Besetzung der böhmi­schen Länder durch die Wehrmacht kommt er im Mai 1939 nach Berlin und arbeitet in der Fabrik für Feineisen­konstruktion Erwin Auert in Berlin-Weißensee. 1940 heiratet er und gründet eine Familie.
1942/43 begeht Zdeněk Hájek zusammen mit dem „Zivilarbeiter” Jaroslav Matyáš am Berliner Stadtrand zahlreiche „Stall­einbrüche”, bei denen sie eine große Anzahl von Klein­tieren, vor allem Kaninchen, sowie Gläser mit Lebens­mitteln aus Kellern stehlen.
Das Sondergericht V bei dem Landgericht Berlin verur­teilt die beiden jungen Männer am 21. Juli 1943 aufgrund der kurz nach Kriegsbeginn erlassenen „Volksschädlings­verordnung” wegen Diebstahls zum Tode. Ladislav Matyáš' Ehefrau wird wegen „fortgesetzter Heh­lerei an dem gestohlenen Fleisch” zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt.
In der Nacht zum 26. Juli 1943 versucht Zdeněk Hájek erfolglos, aus dem Strafgefängnis Plötzensee zu fliehen. Der Vater zweier kleiner Kinder und Jaroslav Matyáš werden am 7. Sep­tember 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plöt­zensee ermordet.

Dokumente

Berlin-Plötzensee, den 3. August 1943
Zdenek Hajek

An Gnaden Abteilung - Sondergerichts V. in Berlin

Lieber Herr Führer!
Am 21.7.43. bin ich vor dem Sondergericht zum Tode verurteilt.
Ich bitte Sie mit um Verzeihung meiner Sünden, und bitte ich, mit große Hoffnung, um Gnade meis meines Lebens. Ich bin noch nie bestraft, habe auch nie etwas gestohlen, mein Geld für mein Brot kann ich mir verdienen. Seit 4. Maj. 1939 bin ich im Berlin. Ich habe mich mit die ersten Transporter, vom Böhmen nach Deutschland zum arbeiten eingemeldet. 3. Monaten war ich bei f. A.B.P. Bln. Johanisthal, und dan habe ich mir neue Arbeit gefunden bei Erwin Auert Bln. Weißensee. Da habe ich angefangen als einfache Schlosser und mit meine Fleisichkeit, bin ich nach Vorrüchtungsbau zugeteilt worden. Erste Zeit war ich ledig, Troz dem habe ich im unßeren klein Rüstungsbetrieb jeden Tag meine inberstunden gemacht, und wen eiliche Arbeit war, bin ich mit bis Nachts geblieben. In einen Jahr habe ich mir zimlich ganzen Hauswürdschaft Sachen gekauft. von mein Spargeld. Nach dem habe ich meine Frau kengelernt und geheiratet. Meine Frau hat fon Eltern nichtz gekricht, es war wieder meine Sorgen, aber ich arbeite gerne, es war kleinischkeit für mirch, dan

habe ich noch mehr gearbeitet und gesorgt, und meine Frau hat mitgeholfen. Am 26.1.41. habe ich von meine Frau ein Kind bekomm und und ein Jahr speter am 4.3.42 wieder ein. Haben wier gehabt das was wier wollten, ein Junge (Zdenek) und Medchen (Ewa) Alle beide Kinder sind im Kriegeszeit geboren in Berlin. Mein Wunsch war, in Berlin bleiben, nach Kriege wollte ich unß ein Haus bauen und dan schöne, glickliche Leben führen. Aber am Ende Jahres 1942 kam in mein Wohnung ein fremde Mensch, es war ein Freund vom Schwiegervater. Das er so schlecht ist das habe ich nicht gewust. Ich habe ihm noch geholfen mit Wohnung und sw. und hat nichtz lange gedauert hat er mein Bruder mitgenom stehlen, einmahl oder noch mer. Erste Zeit war bei mier und zwischen die beide Fridenschaft. Aber speter bin ich auch mitgegan zum stelen. Ich bin schuldig, ich gebe auch mein Tat zu, es tut mich alles sehr leid, aber jez ist zu spet. Glauben si Sie mir bitte ich bin kein Gewonheitsverbrecher ich bin kein Dib ich war nur zu schwach gegen Ihm. Jetzt das was ich mir mit meine Arbeit und Schweitz in meine junge Jahre gebaut habe, sollte ales für mich verlohren sein. Ich bitte Sie noch mall reten Sie mein Leben, damit sparen Sie Schmerzen meine Muter, Frau und Schicksal meines zwie kleines Kinder. Ich schwähre Ihnen das ich so was niemals tun, und das ich die Schaden an Deutsche Volk wieder zurick bezahle. Und Sie bemerken sich siecher das ich ein Mensch zu brauchen bin. Ich hoffe und bitte um Ihre Gnade meines Leben, ich mache so was nie! Ich danke Ihnen für meine gute Mutter Frau Vera und für die beide Liebeskinder, und für mich selbst.
Mit deutsche Gruß
Zdenek Hajek

Gnadengesuch von Zdeněk Hájek vom 3. August 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3462/4

Ablehnung des Gnadenerweises gegenüber Jaroslav Matyáš und Zdeněk Hájek durch den Reichsjustizminister vom 7. September 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3462/2

Bescheid des Strafgefängnisses Plötzensee über die Hinrichtung von Zdeněk Hájek vom 7. September 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3462/2

Sterbeurkunde von Zdeněk Hájek vom 9. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Bericht über die vom 7. bis 10. Sep­tember 1943 im Strafgefängnis Plöt­zensee vollstreckten Todesurteile, 17. September 1943

Bundesarchiv R 3001/25019

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