František Hánek

6. November 1889, Prag – 8. September 1943
František Hánek

Porträt von František Hánek, 1938

Privatbesitz

František Hánek kommt am 6. November 1889 als Sohn eines Wagners in Prag zur Welt. Er erlernt nach dem Schulbesuch das Tischlerhandwerk und arbeitet bis zu seinem Einzug ins Militär 1914 als Modell­tischler in ver­schiedenen Firmen. Ab 1919 arbeitet er wieder in seinem Beruf in Prag und macht sich selbstständig. Er ist Mitglied der Turnervereinigung Sokol und wirkt seit 1936 als Punkt­rechner bei Sportveranstaltungen.
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehrmacht und dem 1941 erfolgten Verbot des Sokol kann er sich der landesweiten Verhaftungswelle gegen Sokolmitglieder – sogenannte Falken – am 8. Oktober 1941 entziehen und taucht in Prag unter. Er führt eine Unterstützungsaktion für notleidende Angehörige von festgenommenen Funktionären durch, an der Otto Frömpter, Otto Král, Karel Prkno und Václav Klaus be­teiligt sind, und hält Kontakt zu anderen Funktionären.
Nach seiner Festnahme am 10. November 1942 verurteilt der „Volks­gerichtshof” František Hánek am 11. August 1943 zusammen mit Otto Frömpter, Otto Král, Karel Prkno und Václav Klaus zum Tode. Sie werden in den frühen Morgenstun­den des 8. Sep­tember 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötz­ensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volks­gerichtshofs” gegen František Hánek und andere vom 29. Juni 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-341-6

Urteil des „Volks­gerichtshofs” gegen František Hánek und andere vom 11. August 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-341-6

Berlin-Plötzensee, den 16. VIII. 1943
Hánek Franz

Milá mámo a mily Járo! Diky za cervencorý dopis, který jsem 11. t. m. odpoladue dostal. Aky i za fotografie, které nme velmi psotesily. Jsem rád, ze jste zdráni. Skolní prospech Járur je velmi krásný, gratulují. Je to zásluha Vás obou, ze tak statecne a uspesne jdete zivotem. Je vsak treba, abyste si tuto statecnost, rozum a kliazachovali i dále. Čeká Vás jeste tezký zivot a treba mucko muohe trpelivosti. Dlouhá doba ménepritomnosti manjkla Vás opírati se o sebe sami a prostredí a zivot, který jste si vytrorili beze ume si musíte zachovat a pryínout klidne a oderzdane i zlé rány osudu. Dne 11. srpna 43 dopobohre jsem stál pred "volksgerichtem" a byl jsem odsouzen - k smrti. Prekvapilo mne to nemálo, ---------- .
Proto toké si podám zádost o milost. Bylo nmie téz dopruceno, aby i moje manzelka stejne tak učinila. Bylo by pert dobre, poradit se doma s právním zastupocem a vyrádati si event. informace u práv. zastupec, který mne zastupoval. Adr.: P. Fuhrmann, Berl.-Wilmersdorf, Uhlandstr. 136.

Víc o tsto zadosti sám nevím. Psát mne sem mizete podle libosti na adresu, která je v predu vytistena. Já sám vsak budu moci psát ne druvc, jak za cest týdum , snad i pozdeji. Proto ode mne v braku dopis nečekejte. Také sem nie neposílejte, nic nepotrebrji. Jídla je zde dost, stezije smín. Prádlo a šaty json zole ústarní, pujenjí se kmžky ku Zerní, derc se perí. Ani peníze sem neposílejte, nepotrebuji je. Náin zde pres 200 RM, nerím od koho. - Jsem rád, ze Jara má tak krásný prospech v nemčine, ze si tak dobre rozumí se svým profes. nemeiny a ze pujide na jeko doprorucení na zne. At klidne tech par dní venku užje a se zotan, stejne za nedlouho mu nastane zase skola a práce. A Ty, mamiaka, klidne praenj na zahrádce a rozumne se starý u sebe našc proupe. Když jsi ta tak dlouho vydrželt a sobe zvykla, smsí (?) to jít i dále. Společívný mi silami se nursíte prokonsat dalším životem a vše brát klidne tak, jak to je. Vzponoíy jen na to hezké a žij pro maše dite. Pri tom pamatiy, ze nikdo z nás neví due ani hodiný , zvlašt v duesní tezké dobe. Proto hlana vrzhu... pozamne životem dál! Pozdranyte ode nme i babcku , všechny tetičhy a pribuzná. Až budete mit klidnou hlam a trochu casu, jiste ze nme napušete par radek a sem poslete. Tesím se na ne. Srdčine Vás zdraví, vzpormíná a Líba Vás Tátá


Berlin-Plötzensee, den 16.8.1943
Hánek Franz

Liebe Mama und lieber Járo! Danke für den Juli-Brief, den ich am 11. d.M. nachmittags erhalten habe. Danke auch für die Fotos, über die ich mich sehr gefreut habe. Ich bin froh, dass ihr gesund seid. Járos schulischer Erfolg ist sehr schön, ich gratuliere! Das ist euer beider Verdienst – dass ihr so tapfer und so erfolgreich durchs Leben geht. Wichtig ist aber, dass ihr euch diese Tapferkeit, diesen Sinn und diese Gelassenheit auch weiterhin bewahrt! Auf euch wartet noch ein schweres Leben, und es braucht viel, sehr viel Duldsamkeit. Die lange Dauer meiner Abwesenheit hat euch gelehrt, euch auf euch selbst und euer Umfeld zu verlassen und das Leben, das ihr euch eingerichtet habt ohne mich, das müsst ihr euch erhalten und gelassen und ergeben auch die schlimmsten Schicksalsschläge hinnehmen. Am 11. August vormittags stand ich vor dem „Volksgericht“ und wurde verurteilt – zum Tode. Darauf war ich dann doch nicht gefasst gewesen, /Text ausgestrichen/. Ich werde deshalb auch ein Gnadengesuch einreichen. Man hat mir im Übrigen geraten, dass auch meine Ehefrau dasselbe tun solle. Es wäre deshalb gut, sich daheim mit einem Rechtsanwalt zu beraten und mögliche Informationen bei dem Rechtsanwalt einzuholen, der mich vertreten hat – die Adresse ist: P. Fuhrmann, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstr. 136.

Mehr weiß ich zu einem solchen Gesuch auch nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr mir hierher unter der Adresse schreiben, die am Anfang aufgedruckt ist. Ich selbst werde aber in frühestens sechs Wochen schreiben können, vielleicht auch erst noch später. Wartet deshalb nicht vergeblich auf einen Brief von mir. Auch sollt ihr mir nichts hierher schicken, ich brauche nichts. Zu essen gibt es hier ausreichend, kaum, dass ich es schaffe. Wäsche und Bekleidung sind von der Anstalt, ich kann mir Bücher zum Lesen ausleihen, “dere se peří“ /„Federnschleißen“ ?/. Geld sollt ihr mir auch nicht hierher schicken, ich brauche keins. Ich habe hier über 200 RM, keine Ahnung, von wem. – Es freut mich sehr, dass Járo so gute Lernergebnisse im Deutschen hat, dass er sich mit seinem Deutschlehrer so gut versteht und dass er auf dessen Empfehlung in den Ernteeinsatz geht. Er soll ruhig ein paar Tage draußen verbringen und sich erholen – nicht lange, und Schule und Arbeit haben ihn wieder eingeholt. Und du, Maminka, arbeite schön im Garten und kümmere dich ordentlich um dich selbst, du unsere Blütenknospe. Wenn du es so lange ausgehalten hast und es für dich Normalität geworden ist, muss es auch weitergehen. Mit vereinten Kräften müsst ihr euch weiter durch das Leben beißen und alles gelassen so hinnehmen, wie es eben ist. Erinnere dich nur an alles Schöne zurück und lebe für unser Kind. Denk dabei daran, dass keiner von uns den Tag weiß noch die Stunde – zumal in der schweren Zeit jetzt. Deshalb: Kopf hoch und mit Verstand weiter durchs Leben. Grüßt von mir auch die Oma, alle Tantchen und Verwandten. Wenn ihr dann einen klaren Kopf habt und etwas Zeit: dass ihr mir ein paar Zeilen schreibt und sie hierher schickt. Ich freue mich darauf.– Euer Papa, der euch von Herzen grüßt, an euch denkt und euch küsst.

Letzter Brief von František Hánek an seine Frau und seinen Sohn vom 16. August 1943 (Übersetzung in der Transkription rechts unten)

Privatbesitz

Sterbeurkunde von František Hánek vom 14. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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