Arvid Harnack
Nach 1933 beginnt Harnack einen Schulungszirkel aufzubauen, der die Beteiligten befähigen soll, sich mit den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. In Gesprächen mit Vertretern der amerikanischen und sowjetischen Botschaft vermittelt Harnack Einschätzungen der politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Seit 1935 im Amerikareferat des Wirtschaftsministeriums tätig, wird er 1937 Mitglied der NSDAP und avanciert bis 1942 zum Oberregierungsrat.
Seit 1940 kooperiert Harnack mit Harro Schulze-Boysen, den er 1935 kennengelernt hat. Die beiden sind nun die führenden Köpfe einer Widerstandsgruppe, die von der Gestapo bald als „Rote Kapelle” bezeichnet wird.
Sie informieren Anfang 1941 einen Angehörigen der sowjetischen Botschaft über die Vorbereitungen des militärischen Angriffs auf die Sowjetunion. Außerdem verfassen Mitglieder der Gruppe Flugblätter und leisten Hilfe für Verfolgte. Sie sind bereit, den Kontakt nach Moskau während der Kriegszeit über ein Funkgerät aufrechtzuerhalten. Durch technische Probleme kommt es nicht zu einer Aufnahme des Sendebetriebes.
Durch ein entschlüsseltes Telegramm wird die Gruppe enttarnt. Arvid Harnack wird im Herbst 1942 festgenommen, am 19. Dezember 1942 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und auf Befehl Hitlers am 22. Dezember 1942 in Plötzensee ermordet.
Dokumente
Feldurteil des Reichskriegsgerichts gegen Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack und andere vom 19. Dezember 1942
Militärhistorisches Archiv, Prag
Meine Lieben -
In den nächsten Stunden scheide ich aus
dem Leben. Ich möchte Euch noch einmal
für alle Liebe danken, die Ihr mir erwiesen
habt, gerade auch in der letzten Zeit. Der Gedanke
an sie hat mir alles Schwere leicht gemacht.
So bin ich ruhig und glücklich. Auch denke
ich an die gewaltige Natur, mit der ich mich
so verbunden fühle: Heute morgen habe ich
laut vor mir hergesagt: „Die Sonne tönt in
alter Weise...” Vor allem aber denke ich daran,
dass die Menschheit sich im Aufstieg befindet.
Das sind die 3 Wurzeln meiner Kraft.
Eine besondere Freude war mir zu erfahren,
dass es in der nächsten Familie voraussichtlich
bald eine Verlobung gibt. Ich möchte gerne, dass
mein Siegelring, der von meinem Vater
stammt, an F. fällt. Seinen Siegelring kann
dann L. erhalten. Der Siegelring wird Euch
mit meinen Sachen zugehen.
Heute abend werde ich noch eine kleine
Vorweihnachtsfeier veranstalten, indem ich mir
die Weihnachtsgeschichte vorlese. Und dann kommt
der Moment des Scheidens.
Gerne hätte ich Euch alle noch einmal gesehen, aber das geht nun leider nicht.
Meine Gedanken sind aber bei Euch allen,
und ich vergesse dabei keinen; das muss
jeder fühlen, besonders Mutter.
Seid alle noch einmal umarmt
und geküsst
von Eurem
Arvid.
Weihnachten müsst Ihr richtig feiern. Das ist
mein letzter Wille. Singt dann auch: „Ich bete
an die Macht der Liebe.”
Abschiedsbrief von Arvid Harnack an seine Familie vom 22. Dezember 1942
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Sterbeurkunde von Arvid Harnack vom 23. Dezember 1942
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung






























