Michael Heindl

17. September 1912, Hauxdorf – 16. April 1943
Michael Heindl

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Michael Heindl

Bundesarchiv R 3018/2117

Der gelernte Schmied Michael Heindl tritt 1933 in den freiwilligen Reichs­arbeitsdienst ein und wird im Januar 1935 dem Arbeits­dienstlager in Lichtenthal-Zwiesel zugewiesen. Als er verdächtigt wird, einen Diebstahl begangen zu haben, flieht er in die Tschecho­slowakei.
Heindl wird von der Grenz­polizei aufgegriffen und vom tschechischen Nach­richten­dienst über den Reichs­arbeits­dienst und die Zusammen­setzung und Bewaffnung der Reichs­wehr befragt. Nachdem sein Versuch, ehemalige Kameraden als Informanten zu gewinnen, gescheitert ist, reist er nach Prag weiter. Er sucht die Unter­stützung eines Hilfskomitees für deutsche Emigranten und berichtet dort über seine Arbeits­dienst­zeit und die Flucht. Seine Aussagen werden in einem Artikel in der deutschen Exil­zeitschrift „Der Gegen­angriff” veröffentlicht.
Im Herbst 1938 wird Michael Heindl aus der Tschecho­slowakei ausge­wiesen, hält sich aber weiter unter falschem Namen in Prag auf und findet schließlich Arbeit in Olmütz (Olomouc) wo er bis zu seiner Fest­nahme am 6. November 1940 lebt.
Michael Heindl wird am 23. November 1942 vom 1. Senat des „Volks­gerichtshofs” wegen „Landes­verrats” zum Tode verurteilt. Er wird am 16. April 1943 im Straf­gefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Michael Heindl, 23. November 1942

Bundesarchiv R 3018/2117

Heindl Michael
Berlin-Plötzensee, den 6. Dezember 1942

An den Führer des deutschen Volkes!
in Berlin Wilhemsplatz.

Unterzeichneter erlaubt sich seinen Lebenslauf mit der Bitte um Begnadigung an Sie zusenden.
Geboren wurde ich als 6. Kind der Arbeiterseheleute Adam und Anna Heindl, geb. Müller, am 17.9.1912 zu Hauxdorf, Oberpfalz. In Erbendorf besuchte ich die Volksschule, worauf ich das Schmiedehandwerk erlernte.
Nach der Lehrzeit war ich zeitweise als Geselle tätig und zeitweise war ich auf Wanderschaft, bis ich 1933 in den freiwilligen Arbeitsdienst eintrat. Ich trug mich mit Gedanken bei demselben zu bleiben, da ich schon vergebens mehrere Gesuche um Einstellung in die Reichswehr gemacht hatte. Jedoch nach 16monatlicher Dienstzeit kam ich in Verdacht des Diebstahls eines Kruges im Werte von ca. 1 M. Der Verdacht, die Abwendung der Kameraden und Furcht vor erneuter Arbeitslosigkeit versetzten mich in einen derartigen Zustand, daß ich ganz von Sinnen aus dem Lager lief. So kam ich an die tschechische Grenze, welche ich überschritt und gleich verhaftet und über A.Dienst sowie über Militär, S.D. und SS. ausgefragt wurde unter Drohung, mich auszuliefern oder mich als deutschen Agenten einzusperren.
Über A.D. gab ich Auskunft im übrigen stellte ich mich unwissend, was ich mit langem Aufenthalt im Auslande

begründete. Jedoch ließ ich mich ein, an 2 Kameraden, die bei der Reichswehr dienten zuschreiben, über die Grenze zu kommen. Ich schrieb aber in fester Überzeugung, daß die Empfänger der Briefe nicht darauf reagieren, da sie viel zu gute Nationalsozialisten waren, 2. mit mir wenig befreundet, unter sich aber unzertrennliche Kameraden waren, so daß ich mit Gewißheit wußte, daß sie gegenseitig Kenntnis von den Briefen erhielten und gleich erkannt hätten was los ist. Nach diesen Verhören und Strafverbüßung wegen Paßvergehens wurde ich dem Komitee Salda, einem Komitee zur Unterstützung von Flüchtlingen zugewiesen. Um wenigstens aus der großen Not in der ich mich befand heraus zu kommen, machte ich dort unwahre Angaben über Meuterei im Arbeitsdienst, daß diese Aussagen zu einem Artikel in der Zeitung benutzt wurde, habe ich erst in Haft erfahren. Als ich erkannte, daß das Komitee kommunistisch ist unterbrach ich die Beziehungen und schlug mich mit Gelegenheitsarbeit durch.
Versichern möchte ich: daß ich nicht Volk oder Reich schädigen wollte, daß ich nicht aus Gewinnsucht gehandelt habe, sondern lediglich in einer Zwangslage, in die ich freilich durch eigene Schuld gekommen war.
Seit dieser Tat, also seit 1935 habe ich nie etwas gegen Volk oder Reich getan.
Endes bitte ich mir wenn möglich die Todesstrafe nachzulassen und den Wunsch zu erfüllen, an die Front oder zu irgend einer besonderen Arbeit, so daß ich wenigstens noch einmal für Führer und Volk etwas tun kann.

Es dankt im Voraus und
hochachtungsvoll
Michael Heindl

Gnadengesuch von Michael Heindel, 6. Dezember 1942

Bundesarchiv R 3018/2117

Ablehnung eines Gnadenerweises für Michael Heindl durch den Reichsminister der Justiz, 8. April 1943

Bundesarchiv R 3018/2117

Protokoll der Vollstreckung des Todesurteils gegen Michael Heindl, 16. April 1943

Bundesarchiv R 3018/2117

Sterbeurkunde von Michael Heindl vom 17. April 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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