Theo Hespers

12. Dezember 1903, Mönchengladbach – 9. September 1943
Theo Hespers

Theo Hespers im niederländischen Exil am Strand von Scheveningen, 1938

Privatbesitz

Theo Hespers wächst in einer bürgerlich-katholi­schen Familie in Mönchengladbach auf und erlernt den Kauf­mannsberuf. Mit 15 Jahren tritt er dem katholischen Jugendbund „Quickborn” bei, 1925 der Christlich So­zia­len Jugend und später der Christlich So­zia­len Reichs­partei. Die Aktivität in verschiedenen Jugendbünden und der Kampf gegen den erstarkenden Nationalsozialismus werden für sein Leben prägend. In der Pfadfinderschaft Westmark im Jungnationalen Bund arbeitet er 1932 unter Hans Ebeling eng mit der KPD zusammen.
Im April 1933 flieht er vor einer drohenden Verhaftung durch die Gestapo in die Niederlande. Im Exil hält er seine Kontakte zu bündischen Organisationen und zu katholischen Gruppen aufrecht, schmuggelt kommu­nistische und katholische Schriften nach Deutschland und hilft anderen jungen Menschen, Deutschland zu verlassen.
Anfang 1936 trifft er im Exil seinen Freund Hans Ebeling wieder, der die Kräfte im Ausland zu bündeln sucht. Ge­meinsam gründen sie den Arbeitskreis bündische Jugend und geben ab November 1937 die Zeitschrift „Kamerad­schaft – Schriften junger Deutscher” heraus.
Ab 1939 beschafft Theo Hespers Informationen für den britischen Geheim­dienst und unternimmt Boten­diens­te zwischen diesem und dem tschechoslowakischen Geheimdienst.
Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande und Belgien flieht er zunächst nach Dünkirchen und taucht schließlich mit seiner Familie in Belgien unter. Am 10. Februar 1942 wird er in Antwerpen festgenommen.
Am 22. Juli 1943 verurteilt der „Volksgerichtshof” Theo Hespers zum Tode. Er wird am 9. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Haftbefehl gegen Theo Hespers vom 8. April 1943

Bundesarchiv R 3018/1319

Theodor Hespers

Berlin NW 40, den 8. Juli 1943.

Meine liebste Mutter, Meine Lieben!
Herzlich danke ich Dir für Deinen Brief vom 11. Juni, und auch für Ännis und Dieters liebe Zeilen. Mein voriger Brief wird Dich wohl inzwischen erreicht haben. Auch mein letzter Brief an Käthe wird Dir wohl bekannt sein. Ich schrieb darin nachträglich kurz, daß ich dringend um Besuch bitte, konnte aber aus Raummangel nichts genaueres mehr zufügen. Ich erhielt gerade nach Abschluß dieses Briefes die Mitteilung, daß bald mein Verhandlungstag vor dem Volksgericht bevorstehe. Es ist somit schneller gegangen, als ich dachte. Nun stehe ich ohne einen eigenen Rechtsanwalt da. Ich hatte im Stillen gehofft, daß es Euch im Laufe eines Jahres möglich gewesen wäre, mir dazu zu verhelfen. Es wäre von größtem Wert gewesen, da ich so vorher mich hätte über wichtiges beraten können und auch bei Gericht vielleicht mehr Halt und Hilfe gehabt hätte.
Nun ist mir ein offizieller Verteidiger gestellt worden. Der läßt sich aber, trotz Wunsch meinerseits, bis jetzt nicht sehen, wird wohl auch nur eben vor der Verhandlung erscheinen. Es gäbe nun, falls Zeit und Mittel es erlaubten, noch die Möglichkeit einen privaten Anwalt zu nehmen oder den offizellen Anwalt, privat zu bezahlen. Aber die Honorare dieser Leute sind so enorm, ca. 1000.- M, daß ich nicht wage Euch dies zuzumuten, obwohl bei mir ja alles sehr ernst steht. Nun wäre auch noch manches Familiendäre vor dem Termin zu ordnen, so daß ein Besuch von Willi, wenn möglich auch Käthe, oder einen von unseren Geschwistern, dringend erforderlich ist. Ich hoffe, daß durch meine Mitteilung an Käthe inzwischen noch vor Erhalt dieses Briefes ein Besuch hier ankommt. Ich bitte, falls er noch kommt, daß er meinen grauen Rock mitbringt, wohl Tinte, Bleistifft und 1 Briefblock. Dazu müßte er dann bei der Besuchsgenehmigung gleichzeitig um Übergabe-Erlaubnis fragen. Falls der Besuch schon bei mir war, schickt mir bitte die vorgenannten Sachen dringend per Post zu. Euer voriges Päckchen habe ich mit dem Inhalt erhalten und danke ich herzlich dafür. Ja, liebe Mutter, nun ist der Tag, der über
Alles bei mir entscheiden wird, nahe gerückt und es ist so ernst, daß ich Gott bitte, daß er mir beistehe. Er ist mein Zeuge, daß ich das Beste gewollt habe und nichts zum Nachteil der deutschen Volksgemeinschaft, der meine ganze Liebe galt, tat und ich hoffe, daß trotz aller Schwere, die auf mir lastet, es mir gelingen wird, das Gericht von meinem guten Wollen zu überzeugen und da wo ich, ungewollt, irrte, milde zu urteilen. So will ich den alle Kraft sammeln und auf Gott vertrauen und Du liebe Mutter bete recht innig zu Ihm, daß er mir beistehe.
So wollen wir hoffen, liebe Mutter, daß noch alles sich zum Guten wendet, denn im Inneren bin ich überzeugt, daß meine Sache nicht so schlecht steht und ein gutes Gewissen ist auch was wert. Aber in dieser so ernsten Zeit muß man eben mit allem rechnen. Nun danke ich Dir, liebe Mutter, noch einmal herzlich für alles, was Du mir Gutes tatest, vor allem in der Zeit meiner Haft, bisher. Durch Deine trostreichen, aufmunternden Briefe hast Du mir viel Kraft gegeben und sicherlich auch durch Dein Gebet! Für das, was Du mir im Leben alles gabst, kann ich Dir
ja nicht mit Worten danken. Und ich tat nichts für Dich; und auch darum hoffe ich, daß mir noch einmal die Gelegenheit geschenkt wird, Dir meine Liebe zu beweisen. Auch allen Geschwistern danke ich für alles Liebe und Gute, das sie mir erwiesen!
Änni wünsche ich besonders zu ihrem Namenstag alles Gute! Bemüht Euch bitte auch in Zukunft ernsthaft um Dieter und Käthe. Ihr wisst, sie sind beide zwei hilflose Menschen. Es wäre mir lieb, wenn Dieter zu den Herbstferien zu Euch käme und auch sonst so oft und viel wie möglich bei Euch wäre, damit Willi ihn etwas mehr leitet.
Falls Franz noch in Urlaub ist, grüßt ihn herzlich von mir. Auch ihn bitte ich, sich um Dieter zu bemühen. Grüßt mir bitte nun vor allem Käthe und Dieter herzlichst von mir. Ich hoffe ihnen in 14 Tagen wieder zu schreiben. So macht Euch jetzt nicht zu große Sorgen, glaube und hoffe ich doch zuversichtlich, daß alles sich zum Guten wendet und alle Misverständnisse geklärt werden.
Ich grüße Dich von Herzen, liebe Mutter, und Euch alle, liebe Geschwister, grüßt alle Lieben in M-Gladbach und überall von mir herzlichst
Immer Euer Theo.

Brief von Theo Hespers aus der Untersuchungshaftanstalt Moabit an seine Familie vom 8. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1319

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Theo Hespers vom 22. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1319

Sterbeurkunde von Theo Hespers vom 14. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Theo Hespers mit seiner Frau Käthe und Sohn Dietrich Franz in Mönchen­gladbach, Frühsommer 1931

Theo-Hespers-Stiftung e.V.

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