Josef Hrubeš


Erkennungsdienstliche Aufnahme von Josef Hrubeš, 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-329-5
Im Spätherbst 1941 – nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehrmacht – hilft sein Kollege Karel Evald zwei befreundeten Familien ermordeter Funk­tionäre der seit Oktober 1941 endgültig verbotenen Turnervereinigung Sokol in Tábor mit geliehenem Geld, das Josef Hrubeš ihnen überbringt. Im Frühjahr 1942 stellt Josef Hrubeš seine Postadresse für Schriftverkehr der von Evald ins Leben gerufenen Ortsgruppe der Nachfolgeorganisation Jindra zur Verfügung.
Am 23. Oktober 1942 wird er festgenommen. „Da er zur tschechischen Intelligenz gehört und darüber hinaus noch als Staatsanwalt tätig ist, muss seine Tätigkeit [...] be­sonders streng beurteilt werden”, führt ein Ermittlungsbericht vom 19. Januar 1943 aus.
Am 27. August 1943 verurteilt der „Volksgerichtshof” ihn zusammen mit Karel Evald und Miroslav Posadovský wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode.
Josef Hrubeš wird am 8. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Urteilstenor des „Volksgerichtshofs" gegen Karel Evald und andere vom 27. August 1943
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-329-15
Haus III Abt. 6/237
Meine Liebsten!
Mein Gott, mit wie schwerem Herzen schreibe ich diesen Brief, der Eure Hoffnungen vernichtet und Euch so viel Schmerzen verursacht! Ich war auf das Schlimmste vorbereitet, aber wollte Euch durch Erinnerungen daran das Leben nicht verderben. Aber jetzt muss die Tatsache zum Vorschein kommen. Wie Ihr gewiss vom K. und Advokaten wisst, bin ich, K., Pos. zum Tode verurteilt (27.8. 10.30–15.15). Dazu halfen sehr der schlechte Ruf Tabors, mein Amt und ernste Zeit. Ich bin ganz ruhig und fürchte nicht den Tod, bin aber unglücklich deswegen, dass ich Euch durch meine Tätigkeit dieses Unglück verschuldete.
Aber das Jammern ist vergeblich und ich nehme heute noch nicht Abschied von Euch, weil ich noch ca 3 Monate bis zum Vollzug der Strafe leben werde und ist ich bis diese Zeit wenigstens ein Funke der Hoffnung auf Gnade oder ein anderes Gotteswunder.
Deswegen noch zum Leben! Ich schreibe deutsch, so geht der Brief schneller, schreibe auch so und öfters, event. auch langere Briefe sebst. Ich schreibe gleichzeitig Dr Mary, welche auch selbst schreiben kann. Sonst kannst Du auch über D Konecny schreiben. Wende Dich auf ihn, weil er in Verständigung mit dem Rechtsanwalt Dr Dieke, Nauen, Ketriner Str. 30 Gnadegesuch reichen. Das soll er in 3 Wochen machen. Ausserdem reiche auch Du selbst nach ca. 14 Tagen ein Gnadengesuch. Dabei soll Dir auch Dr Konecny helfen. Du möchtest auch mit D Burian Dich beraten. Ich reiche auch ein persönlich schon jetzt. Es ist ein wenig Hoffnung, aber und man muss doch versuchen. Für meine deutschfreundliche Stimmung spricht Mitgliedschaft zur Genossenschaft für Zusammenarbeit der Deutschen u. Tschechen in Tabor, genaue Amtspflichterfüllung im Interesse des Reiches auch in politischen Sachen, Militärdienst in öst.-ung. Armee 1916-1918 im Range Fähnrichs auf der rus. Front, Amt des Vaters im Öst.Ung. und der Schwester (als Professorin der deutsch. Sprache), die auch mehrere Kurs für deutsche Sprache führt.
Zur Sache, dass meine Tätigkeit war zur Nebenhilfe dem D Evald durch Vermittlung des Briefverkehrs ohne dass Absicht hochverräterisch oder sogar zum Gnade des Feindes zu handeln und der Bewegegrund der
Straftat war nur Kameradschaft und dass ich den Evaldsgesuch um Briefverkehrsvermittlung nicht zurückweisen wollte. Ich bedauere aufrichtig die Tat. Das weitere kann Dr Konecny, Andela, Nary, raten. Dann hast Du in der Reserve ca. 7000 K. Man kann Lebensmittel aller Art und Gewicht in jeder Zeit herschicken. Durch die Post als Eilgut gehen die Packete nur 3-4 Tage, mit der Bahn aber sehr lange. Mein Kamerad bekommt wöchentlich bis 10 kg, auch im Glas, Konserven, Honig, Marmelade, Obst, Gemüse, Geback, kurz und gut alles, auch Zucker. Vop möchte in die Marmelade jene 2 Fläschchen aus dem Kammer mit vitamin für schnelle und schmerzenslose Heilen schicken. Den ersten Paket bitte sofort. Weiteres an Dr Mary. Ich denke stets auf Euch, wünsche Tapferkeit, Grusst u. küsst Euer
treuer u. dankbarer
Pepra
Brief von Josef Hrubeš an seine Familie vom 30. August 1943
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-329-13
Bescheid über Hinrichtung von Josef Hrubeš, 8. September 1943
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-329-13
Sterbeurkunde von Josef Hrubeš vom 11. September 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung









