Arthur Jäger


Erkennungsdienstliche Aufnahme von Arthur Jäger, 1941
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien
Jäger wird im Sommer 1938 für die verbotene Kommu­nistische Partei Österreichs als Mitglied angeworben. Bis zu seiner Festnahme am 8. Juli 1941 verbreitet er in sein­em Betrieb kommunistische Flugschriften und ist an der Sammlung von Geldern für die Familien von Inhaftierten beteiligt.
Er wird vom 5. Senat des „Volksgerichtshofs” am 9. Okto­ber 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Laut Urteil hat er mit weiteren Angeklag­ten durch „Herstellung eines organisatorischen Zusam­menhalts” und durch „Verbreitung von Schriften” ein „hoch­verräterisches Unternehmen” vorbereitet.
Arthur Jäger wird am 2. März 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Arthur Jäger
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Arthur Jäger und weitere Personen vom 16. Juni 1942
Bundesarchiv R 3017/24838
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Arthur Jäger und weitere Personen vom 9. Oktober 1942
Bundesarchiv R 3017/24838
Sehr geehrter Herr Oberreichsanwalt!
Ich Jäger Josefine, die Frau des zum Tode verurteilten Jäger Arthur, 77186/42, 5 H 117/42, wende mich in meiner tiefsten Not und Verzweiflung an den Herrn Oberreichsanwalt mit der innigsten Bitte meinen Mann um Gotteswillen zu begnadigen. Es kann doch nicht möglich sein daß man mir meinen Mann auf diese Weise nimmt, der nur immer für mich, seine kranke Frau, gelebt hatte, der nie etwas anderes kannte als harte Arbeit und in seiner Arbeit treueste Pflichterfühlung, der nie eine Mühe scheute um seine Vorgesetzten mit seinen Leistungen zufrieden zustellen. Glauben Sie mir doch Herr Oberreichsanwalt, mein Mann hat sich nie politisch betätigt, seine Arbeit als Automechaniker war ihm stehts überalles, sowie die Sorge daß er mir mein Leben erhalten kann, da ich ja schwer Lungenleident bin, und mein Mann mir aus diesem Grunde auch stehts im Haushalt behilflich war, da es mir gesundheitlich oft sehr schlecht geht, so daß ich auch stehts jemanden um mich nötig hätte, da ich ja nicht immer in einer Heilstätte sein kann. Wir waren in der Systemzeit sechs Jahre arbeitslos und mein Mann hat, obwohl er sein Fach sehr liebt, jede Arbeit gemacht nur um mich bei meiner Krankheit vor dem Ärgsten zu bewahren. Damals ging mein Mann unter anderem auch als Wagenwascher, im strengsten Winter bei Eis und Schnee wo er um 2 h morgends schon aus dem Haus mußte, da er weit zum gehen hatte und nur um frühzeitig genug diese Arbeit machen zu können um uns damit vor dem Schlimmsten zu schützen und nun solch ich auf solch schreckliche Weise meinen Mann, meine einzige Stütze verlieren. Das kann doch nicht möglich, das kann doch Ihr Wille Herr Oberreichsanwalt, nicht sein.
Mein Mann hat auch jetzt, langer vor seiner Verhaftung, obwohl er bei seiner Firma, wo er beschäftigt war, täglich bis 18 h
arbeitete, aus Rücksicht auf den Mangel an Arbeitskräften, und noch nachher viele Stunden bei einen grossen Schwerauto-Unternehmen das eben durch den Mangel an Arbeitskräften mit Reparaturen im argen Rückstand war, gearbeitet. Auch Samstag nachmittag sowie sein freien Sonntag hat er als selbständiger Monteur dort geschafft, obwohl er gesundheitlich sehr geschwächt war da er kurz vorher drei Monate im Krankenstande gewesen ist zufolge eines Blutsturz da mein Mann an Magengeschwüren leidet. Mein Mann hat nie etwas anderes gekannt als äusserste Pflichtbewußtsein, auf Grund dessen er auch im Jahre 1941 bei dem grossen Schneefall den wir damals hatten und wo zufolge Dessen keine Elektrische fahren konnte, er zu Fuß bis zur seiner Arbeitsstelle ging, obwohl er damals noch von seiner schweren Krankheit sehr schwach wahr. Auch im Weltkrieg, den mein Mann aller vier Jahre an der Front mitmachte, hat sich seine besondere Pflichttreue erwiesen. Er bekam für tapferes Verhalten vor dem Feind die silberne und bronzene Tapferkeitsmedeilie, sowie er auch im besitze eines Anerkennungsschreiben über die musterhafte Führung seiner Autokolone ist. Auch glaube ich daß für meinen Mann seine besondere Pflichttreue spricht, daß er im Weltkrieg wo er als gemeiner Soldat einrückte, bei dem Ausscheiden aus dem Heeresverbande im Range eines Offeziersten-vertreter gewesen ist.
Ich bitte Sie nochmals aus tiefsten Herzen, Herr Oberreichsanwalt all „Das“ in Erwegung zu ziehen, und mir meinen Manne, der doch mein Leben ist, wieder zu geben. Er ist doch meine einzige Stütze und ein wirklich wertvoller Mensch, durch sein immerwährendes fleißiges und selbständiges Arbeiten.
Heil Hitler.
Anschrift: J.J. Wien X/75 Jäger Josefine
Angeligasse 78-80, 2 Wg. 2/17
Gnadengesuch von Josefine Jäger für ihren Mann vom 6. November 1942
Bundesarchiv R 3017/24861
Sterbeurkunde von Arthur Jäger vom 3. März 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung







































