Reinhold Julius
Seit 1927 arbeitet er als Schraubendreher beim Krupp-Gruson-Werk in Magdeburg. 1931 wird er in die Lichtpauserei versetzt, wo er zunächst als Hilfsarbeiter, dann als Lichtpauser tätig ist. Er wird Mitglied im Kommunistischen Jugendverband (KJVD) und im Metallarbeiterverband und engagiert sich nach 1933 im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Reinhold Julius wird am 5. März 1936 festgenommen. Ihm wird neben der Verbreitung von kommunistischen Flugschriften der Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen. So soll er Lichtpausen von geheimen Bestellungen des Reichskriegs­ministeriums an die Mitarbeiter des Antimilitaristischen Apparats der KPD (AM-Apparat) Rudolf Hallmeyer und Gerhard Holzer geliefert haben.
Reinhold Julius wird am 1. Februar 1937 vom 1. Senat des „Volksgerichtshofs” wegen „Landesverrats und Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Mehrere Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens scheitern, ein Gnadenerweis wird von Adolf Hitler am 21. Juli 1937 abgelehnt.
Reinhold Julius wird am am 31. Juli 1937 im Straf­gefängnis Plötzensee ermordet. Seine Abschiedsbriefe werden der Familie vorenthalten.
Dokumente
Gefangenenkarte von Reinhold Julius
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Julius Reinhold (links) an seiner Arbeitsstelle in der Zeichnerei bei der Krupp AG in Magdeburg
Privatbesitz
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Reinhold Julius vom 1. Februar 1937
Bundesarchiv R 3018/3641
Ablehnung eines Gnadenerweises für Reinhold Julius, 21. Juli 1937
Bundesarchiv R 3017/33743
Julius Reinhold
Berlin-Plötzensee, den 30.7.1937.
Königsdamm 7
Haus III
Meine heißgeliebte, teure Mutter!
Ich will Dich hiermit die letzten Zeilen von Dein unglücklichen Sohn senden, denn meine Hinrichtung ist auf den 31.7. morgens 6005. Also die letzte Nacht mache u. habe ich bei diesen Brief es erbracht, allso nach erh. des Briefes meine geliebte bin ich nicht mehr an Leben. Ich bin nicht aufgeregt liebe Mutter, sondern bin bei bester Laune u. Humor! Du hast mich die letzte Woche kein Brief mehr geschrieben, aber ich bin Dir deswegen nicht böse aus dem Grunde, Du hast die letzte Zeit für mich gekämpft u. mehr kann ich nicht verlangen von Dir. Ich bin noch herzlich jung zum sterben aber ich bin gewillt die Arznei zu nehmen! Es ist nicht leichte für Dich sowie für mich, aber finde Dich damit, ich habe mich schon lange damit abgefunden, denn was will man dagegen machen ich bin ein Opfer geworden der heutigen Politik, ich kann aber nur jeden Raten nicht mit die heutigen
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Elemente abzugeben. Ich habe mich schön was zum Essen bestellt Wurst, Brötchen u. Bier! Ich konnts auch Zigaretten u. Zigarren bekommen aber Du weißt ich bin kein raucher. Meine geliebte u teure Mutter! mich fallen die letzten Zeilen an Dir sehr schwer das wirst Du Dich wohl denken können, aber was will man da gegen machen. Gib man nicht den Mut auf, denn ich gebe den Mut bis zur letzten Minute auch nicht auf aus dem Grunde, ich bin ja politisch, u. da muß man hoffen bis zum Letzten. Mein herzlicher u. größter Wunsch ist ja nur der, daß Du gesund u. munter bleiben wirst u. noch etliche Jahre mit mein geliebten Bruder Karli verbringen wirst u. wie, daß wirst Du wohl selber wissen. Ich war bis zur letzten Minute gesund u. munter u. immer bei guten Appetit u. das war die Hauptsache für mich u. auch wohl für Dich.
Ich hätte Dich gerne nochmal gesehen u. gesprochen, weil ich sehr viel auf dem Herzen hatte. Aber was nicht ist kann man nicht ändern u. bin Dir auch nicht böse darum, denn Du hast für mich große Opfer gebracht denn das Geld was Du wahrend meiner Untersuchungshaft u. die Bahnfarten geopfert hast, hast Du Dich doch blos vom Munde abgespart u. darum
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muß u. möchte ich hiermit meinen herzlichen Dank aussprechen u. weiß auch liebe Mutter das Du die Opfer gerne für mich gebracht hast u. darum nochmals meinen herzlichen Dank dafür! Nun meine heißgeliebte gute u. teure Mutter! Mich haben die so richtig fertig gemacht da brauchst Du keine Brille zu das kannst Du mir glauben. Ich habe gekämpft bis zum letzten Blutstropfen für recht u. unrecht, aber unrecht hat über Gerechtigkeit gewonnen. Na laß, es ist noch nicht alle Tage Abend. Der mich die Polizei überantwortet hat u. somit die Todesstrafe ausgeliefert hat, der ist auch fertig gemacht worden u. mit recht.
Also sei nicht trübselig nach weh. Des Briefes denn wenn Du mich die letzte Nacht gesehen hättes, so hättes Du mit den Kopf geschüttelt u. gesagt das ist doch mein Junge nicht der vor seinen Tod steht. Liebe Mutter, das habe ich selber mich nicht zu gemutet, daß ich sowas aushalte, ich habe mich selber gewundert über mein ruhiges u. humorvolles Verhaltete. Ich habe Spaß gemacht Witze gerissen u s w. Glattweg liebe Mutter, du hast ein Jungen die letzte Nacht gehat, da kannst Du eine Ehre mit Einlegen u. Stolz drauf sein, u. das war auch meine feste Absicht ein guten u. tapferen Eindruck für Dich zu hinterlassen
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Denn ich wollte mit u. bin mit tapfere Ehre mein Schicksal entgegen gegangen wie es sich für ein Menschen meiner Art gehört. Auch mein Genosse ist tapfer. Meine geliebte, teure Mutter! halt den Kopf hoch sei nicht traurig darum wir müssen alle sterben einer so u. d. a. so.
So hoffe ich, daß alles beim alten bleiben wird. Denn eine Schmach darft ihr mich nicht antun, denn das könnte mich im Tode noch Ergern, denn ich bin mit meinen Glauben in die Erde gegangen aus dem Grunde, was soll ich u. sollte ich mich nun noch umstellen u. eine andere politische Anschauhung annehmen, denn daß hätte alles nicht mehr geändert an meine Lage. Der Uberzeugung bist Du wohl auch, was?!
Es heißt ebend, „Rangerollt an Sargdeckel u mit gewehnt“ Also ich bin u. war tapfer bis zur letzten Minute u. das war ja für Dich die Hauptsache. So verbleibt Dich Dein treuer u. tapferer Sohn für immer, bleib recht schön gesund u. munter u. halte den Kopf hoch!
Nochmals viel herzliche Grüße von Dein Sohn
Reinhold
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Julius, Reinhold
Berlin-Plötzensee, den 30.7.1937.
Königsdamm 7
Haus III
Mein geliebter, teurer u. unglücklicher Bruder!
Ich will Dir hiermit die letzten Zeilen schreiben, denn am 31.7. ist u. war meine Hinrichtung. Wenn ich Dich bisher nicht geschrieben habe, so lag das nicht an mir! Sondern ich durfte Dich nicht schreiben. Diese Zeilen u. der Brief war mein letzter Wunsch u. somit eine große Freude für mich. Ich habe mich sehr wohl gefühlt während meiner Strafhaft, war gesund u. munter u. immer bei guten Appetit. Die letzte Nacht habe ich mich nochmal gutes Essen bringen lassen, Weißbrot mit gute Butter u. drei paar heiße Würstchen u. Bier. Ich war sehr gut gelaunt u. ein großen Humor gehabt! Habe gelacht Witze gemacht u s w. Ich bin tapfer gewesen u. das eine kannst Du mir glauben mein geliebter Bruder, ich bin mit Ehren in den Tod gegangen, was Dir wohl freuen wird, ich hoffe es wenigsten mein geliebter Karli.?
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Mein geliebter teurer Bruder! Ich bin mit mein Glauben in die Erde gegangen, denn ich konnte in die Lage in der ich mich befunden habe keine andere politische Anschauhung nicht in mich aufnehmen. Was sollte ich mich nun noch umstellen. Meine Hoffnung ist nur die, daß Du gesund u. munter sein wirst! Und mach Dich keine Sorgen u. Kopfschmerzen denn wer lieben will muß leiden. Und Du hast ja auch ein schweres Los zu tragen, ich war ganz niedergeschlagen als ich die Nachricht von Mutter erhielt, das Du in Moor gekommen bist. Hoffentlich gefällt es Dir den Verhältnissen nach soweit ganz gut. Meine einzige Hoffnung ist, die, das Du unsere Mutter nochmal zu sehen bekommst. Denn es kommt mich sehr Trübe mit Deiner Haft vor! Sonst bis Du gesund u. munter wie ich aus Mutter ihre Briefe gelesen habe u das ist meine größte Freude für Dich ist. Mein geliebter u. teurer Bruder es fällt mir sehr schwer das ich hiermit Schluß mache, denn ich bin aufgeregt u somit verbleibt Dich mit inniger Liebe dein unglücklicher Bruder Reinhold!!
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Julius Reinhold
Berlin-Plötzensee, den 30.7.1937.
Königsdamm 7
Haus III
Meine geliebten Geschwister, Uschi, Gitta Paul u. Martha!
Meine heißgeliebten Geschwister Grete, Richard, Willi, Kurt!
Ich will euch hiermit meine letzten Grüße senden u hoffen, daß ihr mich nicht vergessen werdet, denn ich bin euch gut gewesen, u ihr ward für mich gut!
Lebt wohl alle in der Hoffnung das ihr den Kopf nicht hangen läßt. Hoffentlich bleibt ihr alle gesund u. munter!
Viele herzliche Grüße von
Reinhold
Viele Grüße an meine geliebte, teure Mutter!
Ich habe Würstchen Weißbrot u Bier die letzte Nacht gegessen! Kopf hoch u Mut! Reinhold
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Meine geliebte, teure Mutter!
Bestelle doch an Herbert u Kurt Gramens
Pussel Knochenhauer, Wilddieb Beuleke,
Moffe Johbohm u an Frau u Herrn Wierks
ein gutes Lebe wohl!
Nochmals für Dich meine geliebte Mutter!
Viel herzliche Grüße u Küsse u. nochmals Grüße u. Küsse von Dein Sohn
Reinhold!
Mut u Tapfer sein ist die Hauptsache!
Lebt alle wohl euer Bruder
u. Sohn Reinhold
Ich habe Karli auch geschrieben, bestellt nochmals viele Grüße an ihm von mir
Abschiedsbriefe von Reinhold Julius an seine Familie vom 30. Juli 1937
Bundesarchiv R 3017/33743






















































