Paul Katzich

9. Mai 1905, Kittnau/Kreis Osterode (Gmina Grunwald) – 30. Oktober 1941
Paul Katzich kommt im ostpreußischen Dorf Kittnau zur Welt. Er wird früh Waise und wächst in Heimen und in einer Pflegefamilie auf. Wiederholt wird er wegen Eigen­tumsdelikten zu Haftstrafen verurteilt. 1929 heiratet er, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Zudem adop­tiert er die beiden Kinder seiner Frau aus einer anderen Beziehung. Paul Katzich arbeitet auf ver­schiedenen Landgütern in Ostpreußen. Zwischen Januar und März 1936 wird er beim Ergänzungs­bataillon in Goldap aus­gebildet.
Paul Katzich, der eine polnische Landarbeiterin kennen­gelernt hat, überschreitet 1937 unerlaubt die polnische Grenze und wird festgenommen. Er wird vom polnischen Nachrichtendienst zu dem Ergänzungs­bataillon, in dem er gedient hat, befragt. Zudem erhält er den Auftrag, Erkundigungen über den Flugplatz in Insterburg, über Grenzbefestigungen, Truppenbewegungen und deren Ausrüstung zu beschaffen.
Als seine Ehefrau ihn im Oktober 1937 auffordert, sich wegen des Missbrauchs seiner Stieftochter selbst anzu­zeigen, wird Paul Katzich festgenommen. Er wird im Januar und Mai 1938 vom Landgericht in Interburg sowie vom Amtsgericht Darkehmen wegen „Blutschande” und unerlaubtem Grenzübertritt verurteilt.
Am 22. August 1941 findet der Prozess gegen Paul Katzich vor dem 3. Senat des „Volksgerichtshofs” statt. Er wird wegen eines „Unternehmens der Ausspähung” zum Tode verurteilt und am 30. Oktober 1941 im Strafge­fängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Paul Katzich

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Paul Katzich vom 22. August 1941

Bundesarchiv R 3018/725

Paul Katzich
Berlin-Plötzensee, den 29.8.1941.


Meine liebe Frau
Deinen Brief habe ich am 28 August erhalten, und auch dein Bild, wo ihr alle rauf seit. Auch den Brief vom 12.8.+1. habe ich heute am 29 bekommen.
Ja ich habe mich gefreud das ich, wieder bald bei euch sein werde, aber es kamm anders, Ich habe nicht gedacht das mir das Gericht zum Tode verurteilen werde, wo ich mir noch selbst vor Gericht gestellt habe um kein Verrat an meinem Vaterlande zu tun. Aber die Herren Richter legen sich das immer anders aus, und nehmen das schlimste an und einen Beweiß das ich ergent etwas verratten habe haben sie auf dem Gericht nicht., sie meinen ich muß es getan haben. Aber Liebste Frau ein

mal müssen wir ja doch sterben, und von der bösen Welt scheiden
Es ist ja schwer für dich, ich möchte, ja auch für dich in Zuchthaus arbeiten, den da kann man ja auch den Monat 10 M verdinen, aber mit mir nehmen die Herren Richter keine Reksicht, Ich kann aber sagen, und du auch, das ich meinem Vaterlande Rücksicht genomen habe. Sonst geht es mir gut wie immer, gesund bin ich auch, warte nur auf die Stunde die da mal kommen wert. aber es wird wohl noch eine Zeit dauern, ich denke im November. In der Nacht bin ich viel bei euch, auch an Hände sowie du mich verlassen hast Ich denke Du meine Liebste Frau, das du für mich Gott bitten tust, ich denke auch an ihm wir haben ja immer an ihm gedacht, und Gott wird mir auch die Stunde über stehen helfen.
Ich bin auf der selben Abteilung wie in Jahre 38 wofon ich Dir in

Schönfließ erzehlt habe.
Sonst weiß ich auch nichts weiter zu schreiben, man ist nicht mehr mit den Gedanken, auf dieser Welt. Ich werde dir schreiben, wen ich, wieder ein Brief zu schreiben habe, auch die letzte Stunde werde ich dir und meinen Liebsten Kinder schreiben, zum Abschit Grüße mein Rosel Horst Matti Rutchen, und auch Else, damit sie mir nichts nachträgt

Nun seit alle herzlich
ge u geküßt von
unglücklichen Papa.

Ich werde wohl noch so an 20 Mark in Wartenburg haben, ich habe dir ja auch schon ganzteil geschikt vielleicht sind auch noch mehr genau weiß ich nicht. Das Geld bekomst Du aber zu geschickt.

Haftbrief von Paul Katzich an seine Frau vom 29. August 1941. Dieser Brief wurde jedoch nie an seine Frau übermittelt.

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Nr. 2233

Sterbeurkunde von Paul Katzich vom 30. Oktober 1941

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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