Martin Kochmann

30. Oktober 1912, Wongrowitz (Wagrowiec) – 8. September 1943
Martin Kochmann

Martin Kochmann

Publikation Löhken, Wilfried/Werner Vathke (Hg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion. Berlin 1939-1945, Berlin 1993.

Der Sohn eines jüdischen Fleischers und einer Schnei­derin zieht 1921 mit seinen Eltern nach Berlin, besucht die Realschule und beendet 1931 eine kaufmännische Lehre. Bis 1935 ist er in seinem Beruf tätig, dann arbeitet er als Zuschneider, Dreher, Bau- und Transportarbeiter, zuletzt als Lagerarbeiter.
Martin Kochmann engagiert sich in einer jüdischen Wandergruppe und entschließt sich nach 1933 zusammen mit einigen seiner jüdischen Freunden, Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands zu werden.
Bereits 1934 wird er wegen illegaler kommunistischer Betätigung vom Kammergericht Berlin angeklagt, muss aber mangels Beweisen wieder freigelassen werden. Mit seiner Frau Sala, die er 1938 heiratet, und mit Herbert Baum, mit dem er seit seiner Schulzeit befreundet ist, organisiert er marxistische Schulungszirkel und vertreibt illegale Druckschriften.
Nach dem Anschlag auf die NS-Propagaausstellung „Das Sowjetparadies” am 18. Mai 1942 und der darauf folgenden Enttarnung der Baum-Gruppe geht Martin Kochmann in die Illegalität, wird aber am 7. Oktober 1942 von der Gestapo in Berlin festgenommen. Der „Volks­gerichtshof” verurteilt ihn am 29. Juni 1942 zum Tode.
Martin Kochmann wird am 8. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volksgerichtshofs” gegen Martin Kochmann, Felix Heymann und Herbert Budzislawski,
21. Mai 1943

Bundesarchiv R 3017/32939

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Martin Kochmann, Felix Heymann und Herbert Budzislawski, 30. Juni 1943

Bundesarchiv R 3017/32939

Absender:
Kochmann, Martin Israel
Berlin-Plötzensee, den 10. Juli 1943.
Gefängnis
Aktenzeichen: 10 J 328/43g.


An den Herrn Reichsjustizminister
in Berlin / Justizministerium


Am 29. Juni 1943 wurde ich vom 2. Senat des Volksgerichtshofes Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt. Ich bitte nun aus folgenden Gründen um Gnade:
Meine Vorfahren sind schon lange in Deutschland ansässig gewesen. Mein Großvater hat, wie aus den Militärpapieren zu ersehen ist, sich als Teilnehmer des Feldzuges 1870/71 ausgezeichnet. Mein Vater stand im Weltkrieg 1914-18 vier Jahre an der Front. Meine Eltern sind in meiner Heimat, ich bin in Wongrowitz in der Provinz Posen geboren, immer für Deutschland eingetreten. Sie mussten daher, als das Gebiet polnisch wurde, und sie für Deutschland optierten, ihre Heimat, völlig mittellos geworden, verlassen. Im Jahre 1921 zogen wir dann nach Berlin. Hier ging ich noch zur Schule und war dann später bei mehreren Firmen, immer zur vollsten Zufriedenheit meiner Vorgesetzten beschäftigt. Zuletzt war ich bei der Fa. Valentin Röhren und Eisen G.m.b.H. als Lagerarbeiter beschäftigt.
Durch eine Schulfreundschaft mit Herbert Baum, bin ich durch ihm in seinen Freundeskreis und hineingezogen worden, wodurch alle diese politischen Handlungen entstanden deren Tragweite ich mir nicht bewusst
war. Ich bereue meine Handlungsweise. Ich bitte den Herren Justizminister die Unbescholtenheit meiner Familie und das Eintreten meiner Vorfahren für Deutschland zu Gute zu halten und an mir Milde und Gnade walten zu lassen. Ich bitte Sie daher höflichst um Gnade indem Sie das Todesurteil in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln.
Hochachtungsvoll

Martin Israel Kochmann

Gnadengesuch von Martin Kochmann, 10. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1400

Ablehnung des Gnadengesuchs von Martin Kochmann, 23. Juli 1943

Bundesarchiv R 3018/1400

Bericht über die Vollstreckung von Todesurteilen vom 7. bis 10. Sep­tem­ber 1943, 17. September 1943

Bundesarchiv R 3001/25019

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