Gerhard Köpke

14. Oktober 1913, Berlin – 7. Januar 1944
Gerhard Köpke

Erkennungsdienstliches Aufnahme von Gerhard Köpke, 1942

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 3854/4

Gerhard Köpke ist nach dem Besuch der Volksschule in der Landwirtschaft und als ungelernter Arbeiter tätig. Zwischen 1936 und 1938 arbeitet er bei der Deutschen Reichsbahn als Rangierer, wird dann zum Wehrdienst eingezogen, aufgrund eines Lungenleidens jedoch 1941 entlassen. Gerhard Köpke wird anschließend zum Bürogehilfen umgeschult, ab 1942 bezieht er eine Versehrtenrente.
Er wird am 21. September 1942 festgenommen und am 5. Oktober wegen „bandenmäßigen Diebstahls” von Koffern auf Berliner Bahnhöfen angeklagt. Gerhard Köpke wird am 18. November 1943 gemeinsam mit Franz Bloszyk und Margarete Wegener vom Sondergericht V beim Landgericht Berlin auf der Grundlage der „Volks­schädlingsverordnung” zum Tode verurteilt.
Nach der Ablehnung seines Gnadengesuchs wird Gerhard Köpke am 7. Januar 1944 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gerhard Köpke
1331/42
Aktenzeichen: Sond. V 2625/43
6 P.K. Ls. 560.43

Berlin-Plötzensee, den 25.11.1943
Gefängnis IV

An
den Herrn Reichsminister der Justitz

Gnadengesuch!
Ich bitte den Herrn Reichsminister der Justitz innigst um Gnade. Ich bereue meine Taten aufrichtig und tief und bitte nachfolgend Aufgeführtes als Milderungsgründe für eine Gnade gelten zulassen.
Ich bin am 14.10.1913. zu Bln-Lankwitz geboren. Im April 1928 wurde ich in der 2. Klasse eingesegnet. Von 1928 bis 1929 als Hausdiener im Delikatessen-Feinkostgeschäft Braklow in Dahlem tätig. Von 1929 bis Anfang 1930 bei einem Töpfermeister Melzer in Bln-Lichterfelde-West tätig. 1930 ging ich, da die Arbeitslosigkeit groß wurde, nach Holstein zu meinem Onkel auf Land. Daselbst war ich bis zum Jahre 1933 in der Landwirtschaft tätig. Ich bekam in den 3 Jahren meiner Tätigkeit nur ein Taschengeld von monatlich in Höhe R.M. 8.-. Ende Sommer ging ich von meinem Onkel weg und wanderte nach Hause. In Altona, wo ich durchwanderte, wurde ich verhaftet und zu 7 Jahren Gefängnis bestraft, weil ich in einem Privathaushalt um etwas Essen bat. Vom November 1933 bis Mai 1934 war ich im freiwilligen Arbeitsdienst Neustadt/Dosse. Von 1934 bis 1936 war ich verschiedentlich tätig. Von 1936 bis (1938) zu meiner kurrfristigen Ausbildung vom 7.9.38. bis 6.12.38, war ich bei der Reichsbahn beschäftigt. Ich ging

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auf eigenen Wunsch von der Reichsbahn im Dezember 1938 weg und fing 1 Woche später bei der Firma: „Dreilinden-Maschinenbau A.G. in Klein-Machnow an. Am 28.8.39 wurde ich einberufen. Nach Beendigung des Polenfeldzuges, den ich nur im rückwärtigen Opperationgebiete mitmachte, kamen wir an die Westfront im Vorfeld. Ich meldete mich bei den Herrn Kompanieführers Oberleutnant Linke und bat Ihn, mir doch jeden Spätrupp den die Kompanie oder das Regiment aufstellt, mitmachen zu dürfen. Ich machte 2 Regimentsspätrupps mit, welche auch im Regimentsblatte lobend erwähnt wurden. Ich wurde darauf zum Gefreiten befördert. Ich kann von mir sagen, daß ich sehr kammeradschaftlich war. Habe für viele Kameraden Wache gestanden und vor allen Dingen bei den vielen Märschen so oft 1 bis 2 Gewehre für andere Kameraden mitgetragen. (Regiment 466. 6 Kompanie). Kameraden, die noch leben. Unteroffizier Killus, Gefr. Perlow, Hensel und Standartenf. Dr. Schwedler alle in Berlin wohnhaft könnten diese meine Angaben bestätigen.
Durch mein Leiden (T.B.C) mußte ich meine Truppe und Kameraden leider verlassen. Das Leiden und die zeitweiligen großen Schmerzen drückten mich seelig schwer und ich hatte auch sehr unter Minderwertigkeitsgefühle zu leiden. Als ich daher das Fr. Wegener kennenlernte erfüllte ich Ihr jeden Wunsch um Sie nicht zuverlieren. Ich hab sehr an Ihr gehangen. Dadurch kam ich in Schulden und habe auch von meinen paar Wertsachen, die ich vorher besatz alles verkauft um Sie nicht zuverlieren. So kam es zu meinen 1. Diebstahl im Leben, der der Uhr. Ich habe die Sachen aber nicht verkauft sondern aus Geldnot nur beliehen. Ich bekam 1 Monat Gefängnis dafür. Als der Holländer Ekkehard zu mir herantrat wo die Wegener mit bei war, und mir riet mitzumachen, Koffer mitzunehmen machte ich mit. Die Wegener, die mich oft als Feigling betitelte, weil ich selbst keinen Koffer nehmen konnte, kann doch wahrheitsgetreu nur sagen daß ich nicht der Anstifter des Ganzen bin.

Gnadengesuch von Gerhard Köpke, 25. November 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 3854/3

Mitteilung des Strafgefängnisses Plötzensee über die Hinrichtung von Gerhard Köpke, 7. Januar 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 3854

Sterbeurkunde von Gerhard Köpke vom 8. Januar 1944

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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