Edmund Körper

27. November 1922, Wien – 20. Oktober 1944
Edmund Körper

Passbild von Edmund Körper, 1942

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 1752/14

Der gelernte Kellner Edmund Körper kommt 1939 von Wien als „Zivilarbeiter” nach Berlin und arbeitet dort als Hilfswickler bei der C. Lorenz AG in Berlin-Tempelhof, einem Hersteller von Elektrotechnik. Im März 1944 muss er die Beschäfti­gung infolge von Bombenschäden auf­geben, den vorgesehenen weiteren „Arbeitseinsatz” außerhalb Berlins lehnt er ab.
Ihm wird zur Last gelegt, in der Folgezeit zusammen mit Franz Herzig, den er 1944 kennenlernt, in mehreren Lebensmittel­geschäften nächtlichen Einbruchdiebstahl begangen und außerdem am Bahnhof Cottbus drei Pakete gestohlen zu haben.
Am 30. September 1944 verurteilt das Sonderge­richt II bei dem Landgericht Berlin beide auf Basis der kurz nach Kriegsbeginn er­lassenen „Volksschädlingsver­ordnung” wegen „fortgesetzten Kriegswirt­schaftsverbrechen zu­gleich mit schwerem Diebstahl” zusammen mit fünf wei­teren Angeklagten zum Tode. Die sechs jungen Männer werden am 20. Oktober 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anordnung zur Vollstreckung der Todesstrafe gegen Edmund Körper und weitere Personen vom 12. Oktober 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 1752

Berlin-Plötzensee, den 14 Oktober 1944

An Herrn
General-Reichsanwalt
in Berlin.

Oben bezeichnete Körper Edmund möchte hierdurch höflich bitten den Herrn General-Reichsanwalt um Gnade aus folgenden Gründen:
Habe alte Mutter, die drei Operattionen durchmachen mußte und herzkrank ist, neben bei noch meine Schwester wird erst 15 Jahre alt sein.
Es sind mir meine sämtlichen Sachen die ich mir in 4 Jahren schwer u. allein anschafen habe, entwendet worden und mir blieb nur was ich am Leib hatte so daß ich müßte im Straßenanzug u. Sporthemd arbeiten.
Zu diesem Zeit habe ich dem Herrig kennengelernt, der mir andauernd beeinflussen hat ich soll ihm „Schmiere“ stehen, dann kann ich mir wieder Sachen besorgen da Er mir teil Belohnung dafür gibt. Es fählt mir schwer da ich aber in Not mich befanden habe, habe mich verführen lassen! Dann aber wollte ich nicht mehr mitmachen und es wurde mir Herzig’s seine seits gedroht u wurde mir gesagt daß zum letztenmale es sein sollte! Ich müßte ihm nachgeben und gehen, wenn ich nicht wollte aufsehen machen dies kann meine Verlobte bezeugen daß ich mich gewährt habe. Ich wollte dann mir Personalien zu hauße besorgen und meine Verlobte war mitgekommen. Der Herrig hat sich entschlossen mit uns zu fahren. Im Gotbus aber forderte mich, ich möchte ihm nicht alleinen lassen, da ich und meine Verlobte wollten im Wartensaall warten, weil unseren Zug fuhr erst in der Frühe ab und das Wetter war noch kühl. Da hatten wir wieder Zeug gehabt. Er verlangte von mir, meine Verlobte soll mit uns auf der Straße bleiben.

Am Bahnhof wurden Paketen transportiert u. Herzig sagt daß wird sich einen holen. Ich habe ihm gesagt „es hat keinen Zweck“ da wurde H. wüttend und auf „Trotz“ erst recht ja. Er hat drei Paketen gebracht ohne daß ich es wollte, damit war ich nicht einverstanden; und beim Verhandlung unter Falsche aussage hat angegeben, ich hätte ihm geholfen. Habe es bereits mir bestellten Herrn Verteidiger gesagt aber hat es nicht beim Verhandlung vorgetragen.
Schon im Jahre 1941 habe ich mich freiwilgt zur Deutsche Wehrmacht gemeldet, nach etlichen untersuchunggen B.W.K. Prenzlauer Berg wurde mir Wehr-Paß ausgestellt aber erst wenn ich die Deutsche Volkszugehörigkeit-Bescheid habe, wurde mir ausgehändigt; die Sache läuft noch bis heute. Ich wollte sogar später, daß auch meine Mutter auch übersiedelt. Daraus ist zu sehen daß ich wollte Volksschädling nicht sein; ich habe auch nicht gedacht das würde es so streng bestraft, sonst hätte ich mich niemals dazu hingegeben, aber weil ich war in Not, hat man micht durch Einflussung verführt.
Ich bereue es schmerzlich aus Grund meines Herzens daß ich das getan habe. Darum bitte ich Sie sehr sehr höflichst um Gnade und daß mir die Möglichkeit gegeben würde, mich zu bessern. Ich versichere, verspreche es, daß ich nie mehr solche Sünde begehe und daß ich werde wieder arbeiten und leben wie sich gehört! Ich selbst habe es nicht gestohlen, habe nur Schmiere gestanden, und ist doch unterschied zwischen. Ich bin jung und wegen so etwas war ich nicht bestraft.
Im volle Hoffnung daß meine Gesuch wird erhört bezeichne mich mit Danksagung und
Hochachtungsvoll
Edmund Körper.

Gnadengesuch von Edmund Körper vom 14. Oktober 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 1752/12

Mitteilung über die Hinrichtung von Edmund Körper vom 20. Oktober 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 12 C Berlin II, Nr. 1752

Sterbeurkunde von Edmund Körper vom 21. Oktober 1944

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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