Georg Kößl
Dies wird nach der bereits kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen am 26. August 1939 in Kraft getretenen „Kriegssonderstrafrechtsverordnung” als „Zersetzung der Wehrkraft” geahndet.
Georg Kößl, verheirateter Vater zweier kleiner Kinder, wird am 28. September 1939 vom Oberreichskriegsanwalt angeklagt, am 8. November 1939 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 24. November im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Georg Kößl in Schongau, 1922
Privatbesitz
Gefangenenkarte von Georg Kößl
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Meine innigstgeliebte Marie!
Was sollte ich dir mein Liebste in diesen meinen
letzten Minuten [Stunden] schreiben?
Sollte ich dir das Herz schwer machen?
Ja, meine liebe Marie, das ist schwer von euch Abschied
zu nehmen. Aber es muss sein, denn mein Leben weihte
ich Jehova meinem Gott und ich freue mich, für Ihn leiden
zu dürfen und auch mein Leben für ihn zu geben. Ich
verbringe diese meine letzte Nacht in Ruhe und Frieden
denn ich trag mich seit langer Zeit mit dem Ge-
danken mein Leben lassen zu müssen, um vorm
Herrn ein Leben zu empfangen das überschwänglich
ist an Herrlichkeit u. das nur durch seine Gnade und
Barmherzigkeit. Bitte liebe Marie, tröste dich und ich
bitte denn Herrn, er möge dich leiten und führen und
dir seine Kraft schenken, damit ruhig du alles
zu ertragen vermagst! Trauere bitte nicht um
mich, denke ich könnte eines natürlichen Todes
gestorben sein.
Nur um eines bitte ich dich. Habe ich manche
Schlechtigkeiten gehabt, so vergib sie mir, wie
auch ich dir vergebe! Solltest du wieder heiraten,
dann grüß mir deinen Mann von mir u.
bitte ihn, er möge dir ein guter Mann u.
den Kindern ein guter Vater sein. Nur was
die Bienen betrifft, setze dich mit Herrn
Brennauer in Verbindung, er möge dir das
Ganze verkaufen! Sieh zu, dass Schorschl
sein Geld bekommt. Alles andere gehört dir und
meinem lieben kleinen Henoch, den du mir
herzlichst Grüßen musst mit einem Kuß von mir.
Ebenso meinem Schorsch, grüße mir alle Bekannten
und Verwandten, ins besonders Karl und Moni.
Max und Käthe, Hans, Julia und Irene. Alle in
unseren Hause einen letzter Gruß. Grüße
den an Vogl und Fanny und Hans, Gregor und Frau, Konrad
und Frau, Königsdorfer und unten auch alle. Ebenfalls
Resi und Lisel, Mutter, Omi Fred und Sophie u Toni.
Und alle Arbeitskollegen und Imker. Ich habe in
meinem Sachen, die ich jetzt nicht in der Zelle habe
1 oder 2 Briefe u. Gedichte, die ich dir besonders ans
Herz lege, denn sie sind von Herzen geschrieben.
Meine ganzen Sachen werden von der Verwaltung
an dich abgeschickt, auf noch10 M. Nun möchte ich
jetzt schließen und dich meine liebe Mutti zum letzten
Mal herzlich Grüßen und Küssen. Küsse und Grüße
noch mehr meinen Schorsch und meine kleinen
Henoch ! Also nochmals auf Wiedersehn beim
beim Herrn, unserem barmherzigen Vater,
sei Lob und Preis und Anbetung.
dein treuer dich liebender Schorsch
Georg Kößl letzte Brief!
Berlin-Plötzensee, den 23-24.11.39
Lieber Bruder Many!
zum letzten Mal greife ich zur Feder, um von
dir Abschied zu nehmen. Lb. Many ich bitte
dich nochmals, stehe meiner lieben Marie in
diesen schweren Tagen bei, und stütze sie,
so gut wie möglich. Es wird für dich, sowie
Marie hart sein, aber tröstet euch, dass ich
für den Herrn und seine Gesetze mein Leben gab.
Nun was soll ich dir noch schreiben.- Ich sitze
diese „letzte Stunde“ Nacht in der Zelle mit zwei Beamten
als Aufsicht und noch 5 St. bis zu meinem
Ableben. Am 24.11.39 früh 6 Uhr bin ich stille
im Herrn meinem Gott! denn er ist mein
Fels, meine Burg und mein Erretter.
Bitte lieber Many hilf Maria mit dem Verkauf
der Bienen und nimm dich auch meinem Schorscherl
an, denn du kommst ja öfters nach Kreuth.
Grüße ihn von seinem Vater und ich wünsche
ihm alles Gute und er möge folgsam sein
brav und fleißig und auch an seiner Mutter
denken. Nun möchte ich schließen und Grüßen
dich zum letzten Male mit deiner Frau
und Walter [ok] aufs Innigste. Grüße mir nochmals
Marie und ich wünsche ihr nochmals
viel Glück und Segen für ihren weiteren
Lebensweg der Segen des Herrn möge
auf ihr sein auf allen ihren Wegen
dein treuer Schorschy.
Abschiedsbrief von Georg Kößl an seine Frau Marie und seinen Bruder Many vom 23./24. November 1939
Privatbesitz
Sterbeurkunde von Georg Kößl vom 24. November 1939
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung












