Viktor Kolischer
Nach dem Besuch des Gymnasiums studiert er Rechts­wissenschaften und promoviert an der deutschen Uni­versität in Prag. Danach absolviert er eine Ausbildung zum Silberschmied und übernimmt eine Silberfirma in Prag, welche 1933 in Konkurs geht. In der Folgezeit ist er als technischer Konsulent in einer slowakischen Metall­warenfirma tätig, verliert aber nach der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren” und der „Arisierung” der Betriebe im November 1939 seine Stellung.
Viktor Kolischer ist verheiratet und zum evangelischen Glauben übergetreten. Nach Kriegsbeginn möchte er zu seiner Frau ausreisen, die sich in England befindet. Er nimmt Kontakt zu einem angeblichen US-Amerikaner auf, von dem er sich Hilfe bei seiner Ausreise aus dem Protektorat erhofft. Dieser Mann ist jedoch ein V-Mann des Devisenschutzkommandos in Prag zur Ermittlung nicht angemeldeter jüdischer Vermögenswerte, der von Kolischer als Gegenleistung für die Bereitstellung eines Passes Informationen über Rüstungsanlagen in Pilsen fordert.
Viktor Kolischer wendet sich deswegen an einen frühe­ren Bekannten, der in den Skoda-Werken in Pilsen ar­beitet, und beschafft Informationen über die in der Stadt an­sässigen Skoda-Werke sowie Skizzen zu verschiede­nen Industrieanlagen und der örtlichen Ver­teilung der einzelnen Produktionszweige der Rüstungs­industrie.
Er wird deswegen am 21. November 1940 vorläufig festgenommen, am 8. Mai 1942 angeklagt und vom 5. Senat des „Volksgerichtshofs” am 12. August 1942 „wegen Landesverrats in Tateinheit mit Feindbegünstigung” zum Tode verurteilt. Er verstirbt vor der Voll­streckung des Urteils am 15. August 1942 im Strafgefängnis in Berlin.
Dokumente
Gefangenenkarte von Viktor Kolischer
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Viktor Kolischer vom 8. Mai 1942
Bundesarchiv R 3017/11715
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Viktor Kolischer vom 12. August 1942
Bundesarchiv R 3017/11715
Bestätigung der „arischen Abstam­mung” von Viktor Kolischer vom 10. Mai 1939
Bundesarchiv R 3017/11715
Bericht über die Führung von Viktor Kolischer im Gerichtsgefängnis Budweis zwei Tage nach seinem Tod am 17. August 1942
Bundesarchiv R 3017/11715

































