Viktor Kolischer

16. November 1877, Wien – 15. August 1942
Viktor Kolischer

Portrait von Viktor Kolischer

Bundesarchiv R 3017/11715

Viktor Kolischer wird am 16. November 1877 als Sohn eines Versicherungs­beamten jüdischer Herkunft in Wien geboren.
Nach dem Besuch des Gymnasiums studiert er Rechts­wissen­schaften und promoviert an der deutschen Uni­versität in Prag. Danach absolviert er eine Ausbil­dung zum Silber­schmied und übernimmt eine Silberfirma in Prag, welche 1933 in Konkurs geht. In der Folgezeit ist er als technischer Konsulent in einer slowa­kischen Metall­waren­firma tätig, verliert aber nach der Errichtung des „Protek­torats Böhmen und Mähren” und der „Arisierung” der Betriebe im November 1939 seine Stellung.
Viktor Kolischer ist verheiratet und zum evangelischen Glauben übergetreten. Nach Kriegsbeginn möchte er zu seiner Frau ausreisen, die sich in England befindet. Er nimmt Kontakt zu einem angeb­lichen US-Amerikaner auf, von dem er sich Hilfe bei seiner Ausreise aus dem Protek­torat erhofft. Dieser Mann ist jedoch ein V-Mann des Devisen­schutz­kommandos in Prag zur Ermittlung nicht angemeldeter jüdischer Vermögens­werte, der von Kolischer als Gegen­leistung für die Bereit­stellung eines Passes Informationen über Rüstungs­anlagen in Pilsen fordert.
Viktor Kolischer wendet sich deswegen an einen frühe­ren Bekannten, der in den Skoda-Werken in Pilsen ar­beitet, und beschafft Informationen über die in der Stadt an­sässigen Skoda-Werke sowie Skizzen zu verschiede­nen Industrie­anlagen und der örtlichen Ver­teilung der einzelnen Produktions­zweige der Rüstungs­industrie.
Er wird deswegen am 21. November 1940 vorläufig festge­nommen, am 8. Mai 1942 angeklagt und vom 5. Senat des „Volks­gerichtshofs” am 12. August 1942 „wegen Landes­verrats in Tateinheit mit Feind­begüns­tigung” zum Tode verurteilt. Er verstirbt vor der Voll­streckung des Urteils am 15. August 1942 im Strafgefängnis in Berlin.

Dokumente

Gefangenenkarte von Viktor Kolischer

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Viktor Kolischer vom 8. Mai 1942

Bundesarchiv R 3017/11715

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Viktor Kolischer vom 12. August 1942

Bundesarchiv R 3017/11715

Bestätigung der „arischen Abstam­mung” von Viktor Kolischer vom 10. Mai 1939

Bundesarchiv R 3017/11715

Bericht über die Führung von Viktor Kolischer im Gerichtsgefängnis Budweis zwei Tage nach seinem Tod am 17. August 1942

Bundesarchiv R 3017/11715

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