Theodor Korselt

24. November 1891, Buchholz (Annaberg-Buchholz) – 25. August 1943
Theodor Korselt

Theodor Korselt

Christian-Weise-Bibliothek Zittau

Der Regierungsrat Theodor Korselt arbeitet nach dem Ersten Weltkrieg als Beamter des höheren Staatsdienstes in verschiedenen Verwaltungen in Berlin, Leipzig, Chemnitz, Dresden und Freiberg. Er ist Mitglied der konservativen Deutschnationalen Volkspartei und nicht bereit, Mitglied der NSDAP zu werden.
Nach der Besetzung Frankreichs 1940 arbeitet Korselt im Kriegsverwaltungsdienst, von dem er bald unter dem Vorwurf des „Fraternisierens” mit der Bevölkerung wieder abberufen wird. Anfang Oktober 1942 wird er nach Rostock zum Kriegsschädenamt versetzt.
Nach der Absetzung Benito Mussolinis und nach den schweren Luftangriffen auf Hamburg Ende Juli 1943 kritisiert Theodor Korselt in der Rostocker Straßenbahn am 1. August 1943 die NS-Führung und erklärt den Krieg für verloren. Daraufhin wird er denunziert und von der Gestapo festgenommen.
Am 23. August 1943 wird Theodor Korselt vom „Volksgerichtshof“ unter Vorsitz von Roland Freisler wegen „Wehrkraftzersetzung” zum Tode verurteilt und am 25. August 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Theodor Korselt (zweite Reihe) im Garten seines Elternhauses, 1943

Christian-Weise-Bibliothek Zittau

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Theodor Korselt, 23. August 1943

Bundesarchiv R 3017/3956

Meine geliebten Eltern und Geschwister!

Seit 2.8.43 weiß ich leider nichts mehr, was
Ihr tut. Natürlich, wenn Ihr 3 es überhaupt über standen habt, verzweifelt weinen, mehr suchen als ich, der ich die Haft heiter und mit viel Selbstbewußtsein, allerhand Studium und
dem Sammeln von Erfahrungen aller Art,
selbst in schwierigen Stunden mit Humor
verbracht habe.
Nun ist es aus. Erst am Freitag, den 20.8.
erfuhr ich so nebenbei aus einer Bemerkung eines Anstaltsbeamten in Moabit, daß die ganze Überführung nach Berlin, die ich noch in heiterster und fröhlichster Weise auf eigene Kosten 2. Klasse mit allerhand Freunden zusammen, die gar nicht
merkten, daß sich meine Begleiter und ich auf
Transport dieser Art befanden, zum Zwecke der Vorführung vor das Volksgericht erfolgt
war. Selbst nach der Anklage durch Herren,
die mich nie gesehen und gesprochen hatten und
mir nur aus Akten „Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung“ vorwarfen, hielt ich diesem Vorwurf gegen mich für so unmöglich, daß ich
schon ruhig war. Trotzdem erfolgte die Ver-
urteilung am Montag, und da mich diese
Dinge, wenn sie zu Recht vorgeworfen
wurden, vor allem in einer Situation
wie der gegenwärtigen Todesstrafe steht, wurde ich eben zum Tode verurteilt.
Ich sterbe ruhig und gefaßt, und voller
Selbstbewußtsein.
Geliebte Eltern und Geschwister! Habt
herzlichen Dank für alle Liebe und Güte,
die Ihr mir oft erwiesen habt.
In meiner Aktentasche oder in den
Koffern, die Euch von hier wohl zuge-
sandt werden, befinden sich auch
„Kurze Aufzeichnungen für den Fall
meines plötzlichen Todes“. Soweit diese
durchführbar sind, laßt sie durchführen.
In derselben Aktentasche befinden sich
auch noch die Heringsdorfer Stammtafeln,
die zum „Durchbruch“ Heringsdorf gehören, das sich in Vatels Geldschrank befindet. Wie
die ganze „Durchbruch-Arbeit“ mit ihrem immensen

Fleiß und Arbeit nun verwertet werden
kann und mag, müssen andere entscheiden –
hoffentlich fällt sie trotz allem nicht ganz
in die F________ssen.
Wie Ihr nun die Auflösung meiner
Dresdener Wohnung durchführt, kann ich mir
nicht recht vorstellen. Das Verzeichnis, was
mir und was Schmidts gehört, haben ja
Schmidt’s in den Händen.
An Bankguthaben habe ich eines bei der Rostocker Bank zu Rostock, eines bei der Deutschen Bank, Filiale Dresden, Ringster 10. Wenn Ihr, geliebte Eltern, im Augenblick, in dem ich dieses schreibe, noch lebt (- ich habe ja eben, wie ich im Anfang schrieb, seit dem Brief vom 1.8.43, in dem Gi___k noch etwas heftig wegen des doch von Grü___ und nicht von mir angefangenen Gesprächs geworden war), setze ich Euch hiermit zu Universalerben ein; andernfalls

sind Erben die drei Schwestern, aber Grü___ als finanziell am ungünstigsten dastehenden
zur Hauptsache.
Bei der Deutschen Bank sind zwei Wertpapiere
und einige hundert Mark Bargeld, bei der Rostocker Bank einige hundert Mark Bargeld. Auf einem Postscheckkonto am Postscheckonto Leipzig stehen nur noch 5.- RM.
Ob meine Todfallversicherungen (bei der
Hilfsgemeinschaft der Brandversicherungskammer Dresden,
bei Deutschen Beamtenversicherung in Berlin,
v. 9. K____, und ich glaube auch bei dem
„Nationalsozialistischen Lehrerbund, Abteilung der ehemaligen Sächsischen Beamtenwohlfahrt“) für diese Art, in der mir der Staat die treuen Dienste lohnt, die ich ihm
überzeugt und bewußt bin, geleistet zu
haben, überhaupt etwas zahlen können,
weiß ich nicht. Aber laßt nichts ver-
fallen; so anständig braucht Ihr nicht zu
sein!
Recht schön habe ich mich vor einer
halben Stunde mit Herrn Anstaltspfarrer
Lembke, Altmoabit 12a unterhalten. Vielleicht

könnt Ihr mit ihm einmal noch persönlich
sprechen, wenn Ihr wissen wollt, wie ich
gestorben bin.
Ich bin nicht einmal meinen Anzeigen-
erstattern in Rostock besonders böse;
ich habe auch dem Reichsinnenministerium
gegenüber schriftlich erklärt: „Sie glaubten
das Vaterland damit zu retten – Vater, vergib
Ihnen, denn Sie wissen nicht, was
sie tun!“.
In dem „kurzen Aufzeichnungen für den Fall
meines Todes“, die Ihr hoffentlich auffindet,
sind eine Menge Anschriften enthalten, denen
Ihr meinen Tod mitteilen solltet. Ob sich
das zur Zeit durchführen läßt, weiß ich
nicht. Tut, was Ihr könnt. Seht zu,
daß Ihr mit folgenden Personen, wenn
nicht gleich, so doch in einiger Zeit ein-
mal sprechen könnt und Ihr Ihnen meine

herzlichsten Grüße und Wünsche für Ihr ferneres Leben überbringt

Abschiedsbrief von Theodor Korselt, 25. August 1943

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Sterbeurkunde für Theodor Korselt mit einem aufgeklebten Zeitungsausschnitt vom 2. September 1943

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