František Kožnar


Erkennungsdienstliche Aufnahme von František Kožnar, 1941
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-419-11
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehrmacht tritt sein Kollege Josef Nohavica im Herbst 1939 an ihn heran und setzt ihn von dem vom Eisenbahner Ctibor Träger organisierten Schmuggel tschechischer Legionäre ins Ausland in Kenntnis.
František Kožnar führt Träger neun Tschechen zu, die sich der Exilarmee anschließen wollen. Ferner knüpft er für Trägers Nachrichtenorganisation, die der Militärorganisation Obrana Národa (ON – Verteidigung der Nation) Infomationen über deutsche Truppentransporte übermittelt, einen Kontakt für einen Auftrag.
Am 26. Januar 1941 wird er festgenommen. Der „Volksgerichtshof” verurteilt ihn am 16. Juni 1942 wegen „Landesverrats, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat” zusammen mit Ctibor Träger, Josef Noha­vica und weiteren neun Angeklagten zum Tode. Sie werden am 3. November 1942 im Strafgefängnis Plöt­zensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von František Kožnar
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Ctibor Träger und andere vom 16. Juni 1942
Bundesarchiv R 3001/144639
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Berlin-Plötzensee, den 23. Juni 1942.
Strafgefängnis
An Hohe
I. Senat des Volksgerichtshofs in Berlin.
Knade Gesuch.
Der unterschreibene zum Tode verurteilte Strafgefangene bittet himit um d. Knade und Gesuch unterstütz folgend:
Ich bin am 1.VI.1897 in Brozanek, bezirk Melnik in Böhmen gebohren und dort d. Volks u. Bürgerschule besucht, dann habe ich 3 Jahre Schlosser gelehrnt und in Prag 2jährige Gewerbeschule absolwiert. bin verheiratet und habe 3 Kinder, 17, 15 u. 12 Jahre alt. Auser d. habe ich bei mir meine Eltern, 79jährigen Vater u. 76jährige Mutter. Vom 15.X.1915 bis 10.XI.1918 war ich als Soldat eingerückt u. auf italianische Front 2 mal verwundet; für d. Tapferkeit wurde ich mit Karl-Truppenkreuz, Bronzerne u. kleine Silberne-Medaile ausgezeichnet. Am 10.VII.1919 habe ich als Schlosser Arbeit angetreten bei d. Eisenbahn in Werkstätte Böhmisch Leipa in Sudetenland, wo ich ab 1923 bis 9.X.1938 als Werkmeister gedient habe.
Meine Arbeit mit Deutschen und für Deutsche
vom Jahre 1919 bis 9.X.1938 in Böh. Leipa.
Schlosser Liessner Ernst, der seine alte Mutter unterstütz hat, wurde gekündikt; ich habe bei Königrätzer Direktion durchgesetz, das diese kündigung wurde anuliert.
Im Jahre 1923 u 1924 bei verstatlichung d. Ausig-Teplitzer-Eisenbahn
habe ich 74 Bedinstette in Tschechische Sprache unterrichtet, das Sie nicht entlassen oder pensioniert werden. Vor der Prüfung habe ich für alle d. Fragen voraus gesakt, damit Sie alle durchkommen können. Aus dankbahrkeit haben Sie für mich ein Freundschaft-Abend in d. Restauration Sandschänke gemacht und mir damals 300-Kč, eine Zigaretendose und ein Aschenbächer alles versilbert als Ehrungsgeschenck gegeben und jede Unterrichtstunde mit 20- Kč honoriert. Alle haben weitergedient und als Zeugen gebe ich an: Herr Sprenger Franz, Schinke Adalbert, Böhm Otomar, Rosche Emil, Paul Emil und Brückner Josef alle Lokomotivführer, Steinmetzer Franz und Ronner Johann - Partieführer alle aus Böh. Leipa.
Zum meine Hochzeit habe ich vom deutschen Arbeiter ein schönen und werdvoles Geschenk bekommen zu dem, was mir tschechische Arbeiter gegeben haben.
Bei Hochzeit d. Schlosser Handschke Franz war ich als Gast; ebenfals am Feste beim Schlosser Böhm Josef.
Schlosser Schlegel Karl habe ich nach seine Operation in Krankenhause 2 mal besucht; dafür wurde ich sehr viel von d. tschechische Seite kritisiert, als Deutschfreund, weil d. Schlegel als Nationaler bekannt war.
Bei verkaufe eines kasierten Wagens als Nottwohnung an einer alter Bettelmann habe ich nach der abwage derselben stadt 9.000-kg nur 5.000-kg zum Verrechnung vorgeschrieben, trotzdem den Betrag die Heimatgemeinde d. oben genanten bezahlt hat; auserdem habe ich ihm noch Fusbodenbretter, Bänke und Eiserne Ofen zugegeben.
Kein deutscher Arbeiter war vom mir bestraft oder zum Straffe angegeben; alle deutschen habe ich bei d. Kwalifikation gute Zeugnisse ausgestelt, das Sie definitiv, d.h. angestelt waren und hier gebe ich an als Zeugen:
H. Ing. Burka Gustav, Oberinspektor I. Kl. ehemaliger Werkstätenvorstand,
II.
Kožnar Franz
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H.Ing. Matuschka Karl, Oberrat, ehemaliger Vorstand-Stellvertreter und H.Ing. Spaderna Jakob, Oberinspektor II. Kl. ehemaliger Abteilungsleiter.
Für Frau Hahnel Anna, Witwe, habe ich 300 Unterschrifte gesammelt, das Sie die Konzesion als Gastwirtin in d. neu Wohnungviertel bekomen konnte.
Für Förster Karl, Hilfsarbeiter in d. Werkstätte nach abbrennen seines Hauses, wo auch Seine alte Mutter und ein kleinen Sohn um Leben gekommen sind, habe ich einen Geldsammlung unternohmen und selbe habe ich ein grösseren Betrag zugegeben.
Bei deutscher Eisenbahner-Baugenossenschaft war ich in Ausschuss tätig, trozdem in Böh. Leipa eine tschechische Baugenosenschalf existiert hat; da habe ich für die Mitglieder die Statsubwentionen und Statsgarantie für Ihre neugebaute Häuser bei Ministerium f. Sozialefürsorge besorgt und auch bei Prager-Geldinstituten für die II. Statsgarantierte Hypotheke Gelder verschaft. Meine tätigkeit kann H. Reichelt Karl, Werkführer i.R. und H. Rosmany Bernard, Rechnungsinspektor i.R. bestätigen.
Im Jahre 1928 habe ich selbe ein Haus auf Statsgarantie gebaut. In Böh. Leipa waren damals tschechische Baumeister und Profesionisten, ich habe mein Haus komplet bauen lassen nur vom deutschen und zwar vom H. Baumeister
Mayer-Hollmann, Instalateur Keih Herrmann, Spengler Zinnel Josef, Dachdecker Reichel Franz, Glasser Feix Oskar, Maler Storch Karl, Ofensetzer ein deutscher aus Politz-Sandau. Damit habe ich die deutsche Arbeiter unterschtütz und das ist mir von der tschechische Seite vorgeworfen, das ich ein Deutschfreund bin.
Mein Nachbar H. Weigel Rudolf, Kaufmann und H. Josef Selinger, Eisenbahner, können bestätigen, das ich mit beiden gut ausgekomen bin und nie als Feind gegen deutschen aufgetreten.
Im Dienststelle habe ich mit sämtlichen deutschen, die schlecht die tschechische Sprache behärscht haben, nur deutsch gesprochen bis im Jahre 1938, trozdem es dieses verboten war vom Jahre 1932. Das können bestätigen: H. Knobloch Josef, Hahnel Josef, Hasse Franz, Müller Ernst, Pietschmann Franz, Herrmann Emil, Böhm Josef, Rauer Johann und. andere, alle aus Werkstätte B. Leipa.
H. Hinte Johann, Werkmann seiner Tochter ihr wunsch ausgefühlt und nach Prag genomen und Stoff auf Kleid gekauft, weil Sie als 13Jähriges Mädel mein Sohn über Schulferien in deutsche Sprache ausgeüpt hat.
Zum Weinachten habe ich immer an deutsche arme Kinder Esswahren a Geldbeiträge abgegeben; auch bei Stadamt habe ich mich verpflichtet ein Kind zum Weinachttische nehmen.
H. Knössl Ernst, Schneidermeister in Drum bei B. Leipa habe ich sehr viele tschechische Kunden zugeschikt.
H. Pietschmann Franz, Werkführer hat mir im Jahre 1938 bei übergabe d. Sudetenlandes gesagt, ich soll nicht weggehen, ich brauche mich nicht fürchten, weil ich den deutschen nichts getan hat und mit Ihnen gut ausgekomen bin; dasselbe sagte mir H. Schinke Adalbert, Lokomotivführer und hat geweint.
Am 3.X.1938 nach Möbel aufladen, kam zu mir H. Katr, Inhaber f. Rössler-Piano-Fabrik, von welche ich ein Pianino auf ratzahlungen hatte, ich soll Ihm den Rest bezahlen. Ich hatte nicht soviel Geld, habe ich gebetet, das ich Ihm alles bezahle aus Prag.
III.
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Damals habe ich d. H. Katr leztes Geld 500-Kč gegeben. Nach Prag bin ich ohne Geld gekommen und habe mich auf d. Abgeordneter d. Eisenbahnerfachorganisation Němec Franz gewendet und 1.000- Kč zum Lebensmitteleinkaufe geborgt; gleichzeitig habe ich d. Němec gebetet um einen Wohnung, weil ich meinen Möbel in alte Tischlerwerkstatt ausladen musste. Anfang Dezember 1938 hat H. Katr verlangt, das ich den Rest bezahle, weil die Kč wird in Sudetenland bis ende 1938 gülten; diessen Betrag ca. 1.540- Kč habe ich vom Němec geborgt und H. Katr bezahlt; ebenfals 1.000- Kč für ehemalige tschechische Sparkasse aus B. Leipa nach Jungbunzlau und 1.110- Kč für H. Hahnel Josef nach Böh. Leipa im Dezember 1938 bezahlte Beträge musste ich mir von Němec borgen aufs monatliche Ratzahlungen. Am 15. Jäner1939 bin ich eingezogen in die Wohnung, welcher mir d. Němec bei einer Genossenschaft verschaft hat, da konnte ich nicht die Reservezins 1.000- Kč zahlen und habe ich nur 400- Kč gelegt. Im Jäner 1939 vom Prager Sparkasse für I und vom Sparkasse aus Jungbunzlau für II. Hypoteken verlangten Zinsen und Anuiteten für Haus in Böh. Leipa habe ich zurück geschikt mit bemerkung, das ich nicht im Stande bin, diese Beträge zu zahlen, da ich d. Haus verlassen habe. Diese Mahnungen habe ich auch im Juli 1939 zurück gesendet, da ich die Beträge nicht zahlen konnte; ebenfals der gemahnte Betrag von der Feuerversicherungsanstalt habe ich zurück nach Böh. Leipa gesendet.
Anfang Oktober 1939 und zum ende diesses Monats habe ich zuerst 1.000- Kč und dann 1.300- Kč für die Sparkasse nach Jungbunzlau bezahlen müssen; im Dezember 1939 habe ich noch 580- Kč nach Böh. Leipa für H. Knössl Ernst, Schneidermeister in Drum bei B. Leipa gezahlt. Aus diesen Gründen war ich nicht im stande die Monatsratzahlungen an der Němec einzuhalten; diesen Herr hat meine Not ausgenütz und mir zur illegale Arbeit zugezwungen und überredet. Ich schvere hier bei der Gesundheit meine drei Kinder, das ich in meinem ganzen Leben nicht gegen Deutschland, Deutschen oder Deutschtum aufgetreten bin, auch in der ehemalige Tschechoslowakische Republik nicht und gerade hier habe ich auf meine Menschenliebe zum Deutschen in Dienstelle daraufgezahlt, da hier drei jüngere Kolegen haben vor mir der schöneren Posten erhielt, weil alle dreie waren Nationaler.
Auch mit der neuherstelung der Č.S.R. habe ich nicht gerechnet; da ist mein endschluss im Jahre 1939 mien Haus in Böhm. Leipa verkaufen was auch im Jahre 1940 geschehen ist. Ich war der erste Tscheche, wie mir bekannt ist, der sein Haus in Sudetenland an einer Deutscher verkauft hat. Wegen dieser Verkauf wurde ich von d. Tschechische seite sehr beschünft und auch „Volksverreter“ haben Sie mich bezeichnet, wie ich später gehört habe.
Bei mir in Werkstätte habe ich die Doppelschicht angeordnet und später auch viel in Überzeitstunden gearbeitet, weil auf meine verlangung um zuweisung mehrere Schlosser, waren damals keine Schlosser aufgenomen und das die Lokomotiwen für Militärtransporte und anderer Verkehr wie mög-
IV.
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lich schnell aus der Reparatur ausgehen konnten, habe ich in meinchen Tagen auch 8 Stunden in Überzeit arbeiten lassen. Dasselbe habe ich getann in andere Hilfsabteilungen, wo verschiedene Bestandteile in Reparatur waren, das alles vorwärts gehen kann; da gebe ich als Zeuge H. Thweber Franz, ein deutscher Werkmann aus Heizhaus Werschowitz-Nussl an.
Mit meiner jetzigen Nachbar H. Werner Heinrich, Faktor aus die „Zeit“ in Prag waren wir sehr gut und für Seine kranke Frau hat meine Frau Mutter oder Kinder eingekauft und deutsch gesprochen. Wegen dieses vorgehen waren wir nicht sehr gut bei anderen Tschechischen Parteien angeschaut. Herr Werner kann auch bestätigen, das ich nicht gegen deutschen aufgetreten bin.
Im Jahre 1939 war ich von H. Hahnel Josef und im Jahre 1940 von H. Lammel Ignatz mit ganze Familiee nach Leipa in Sudetenland eingeladen mit bemerkung, das ich dort mein Urlaub a Kinder die Schulferien verleben könen. Für mich eine Auszeichnung, das ich in jede Stunde kann nach Böh. Leipa kommen als gute Mensch und gute Deutschfreund.
Sehr Geehr. Hohe Senat. Ich wiederhole, das ich nicht im mein Leben gegen Deutschen gearbeitet habe.
und ich bedaehre aus meinem tiefen Herze, was ich gemacht habe und für was ich verurteilt war bin; es war nicht meine Wille, zu diese Arbeit war ich im Nott zugedrückt. Mein Wunsch ist, wenn es möglich wäre, in Tschechische Rundfunk paar Wörter sagen und noch die jenigen Tschechen, die auf die Fremde propaganda und solche Verführer des Volkes wie d. Němec und Comp. noch was geben, in letzten Minuten warnen. Unsere Leute sollen nur d. Führer Adolf Hittler und d. Statspräsident Hacha aufträge verfüllen, im diesem schweren Zeit für Deutschland, damit auch für Ihre Heimat arbeiten, für die Zukünftige Neu Europa und neu Ordnung hier zu schaffen. Zu dieser Verführer, die nur für sich gearbeitet haben, uns ausgenütz haben, unsere Familie in Unglück gebracht haben, soll unserer Volk sich mit d. Rücken stellen und nicht anhören. Mitt uns wurde überrall in Deutschland, trozdem wir Gefangene sind, mänschlich gehandelt, das alles möchte ich gerne, wens es mir erlaubt wäre, ins Meihe d. Tschechisches Volkes noch sagen. Und wen eimal ende d. Krieges wird, will ich gerne mit meine ganze Familie in eine Kolonie gehen und dort für Deutschland und für meine Kinder arbeiten; das ist mein letztes Wunsch.
Zu ende bitte ich nochmals Hohe Senat um die Knade mir die Todestrafe auf andere Strafe verendern; diese Bitte sage ich im Name meine drei Kinder, Frau und Eltern. Ich hoffe auf die Gerechtigkeit des Reiches, glaube aufs immer gewesene Ritterrische handeln d. Deutschen mit anderen, schwere aufs vollenste meine arbeit für Deutschland in zukunft und spreche ich voraus für meine Kinder d. Dank aus und viel Glück zum Deutschem Volke.
Kožnar Franz.
Gnadengesuch von František Kožnar vom 23. Juni 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-419-11
Bekanntmachung der Hinrichtung von František Kožnar und anderen, plakatiert 1942 in Prag und Pilsen
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-419-1
Sterbeurkunde von František Kožnar vom 4. November 1942
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung
















































































