Helmut Kremin

4. Mai 1907, Stewken/Kreis Thorn (Torun) – 14. September 1940
Helmut Kremin

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Helmut Kremin, 1938

Bundesarchiv R 3017/31421

Helmut Kremin absol­viert nach dem Besuch der Real­schule eine Ausbil­dung zum Kauf­mann. Zwischen 1924 und 1928 gehört er der Reichs­wehr an und ist anschlie­ßend bei verschie­denen Berliner Firmen als Buch­halter tätig. 1929 schließt sich Helmut Kremin der SA an und wird schließ­lich auch Mit­glied der NSDAP. Ab 1930 wird er mehr­fach wegen Körper­verlet­zung und verschie­denen Eigen­tums­delikten verur­teilt. 1933 scheidet er aus der SA aus, 1935 wird er als Mit­glied der NSDAP wegen nicht gezahl­ter Bei­träge gestrichen.
Um sich nach einer Straf­tat der Verfol­gung zu ent­ziehen, geht er im Juli 1936 nach Prag, wo er als Zei­tungs­ver­käufer arbeitet und im September 1936 eine Anstel­lung in der Geschäfts­stelle der Schwarzen Front findet. Neben Schreib­arbeiten ist er hier mit dem Versand von Werbe­material der Schwarzen Front nach Deutsch­land betraut. Zudem soll Kremin laut Anklage vom 27. Juni 1939 am Schmuggel von Spreng­stoff und einem Kurz­wellen­sender beteiligt gewesen sein.
Im Dezember 1937 wird Helmut Kremin gemeinsam mit Karl Döpking nach Konflik­ten mit Ange­hörigen des tsche­chischen Nach­richten­dienstes festge­nommen. Sie werden am 13. Mai 1938 wegen Betrugs verur­teilt und nach Ungarn abge­schoben. Nach ihrer Auswei­sung aus Ungarn werden die beiden Männer am 25. Mai 1938 an der Grenze festge­nommen.
Sie werden am 20. September 1939 wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat in Tatein­heit mit Spreng­stoffver­brechen” vom 1. Senat des „Volks­gerichts­hofs” zum Tode verur­teilt. Ein Suizid­versuch Kremins während der Haft scheitert, er wird gemein­sam mit Karl Döpking am 14. Septem­ber 1940 im Strafge­fängnis Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Helmut Kremin

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Karl Döpking und Helmut Kremin, 20. September 1939

Bundesarchiv R 3017/16256

An den Führer und Kanzler Herrn Adolf Hitler
in Berlin

Mein Führer!
Am heutigen Tage bin ich vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden. Sie, mein Führer, sind nur in der Lage mir mein Leben zu lassen und so bitte ich um Gnade. Von 1929 bis 1933 habe ich als S.A. Mann Ihnen und Ihrer Idee gedient. Leichtsinn und Unüberlegtheit haben mich 1933 in Konflickt mit dem Strafgesetz gebracht und zwar an Juden. Aus Furcht vor der Strafe bin ich ins Ausland gegangen. Und nun mein Führer habe ich schamlos gehandelt indem ich Ihnen die Treue brach, was ich heute ganz ehrlich bis aufs Tiefste bereue. Wiederum war Leichtsinn mit die Ursache als ich mich an Strasser wandte und in seinem Büro Arbeit suchte und fand. Dort wurde ich in den Strudel mitherein gezogen, und so kam es zu schweren Sünden. Ich ging aber nur aus Not, um mein Leben fristen zu können zu Strasser.
Strasser fasste den Plan mit Sprengstoff gegen das Reich zu arbeiten. In diese Sache wurde ich hereingezogen. Ich habe diese Sache nicht den deutschen Behörden gleich zur Kenntnis gebracht, sondern erst als ich mich in Budapest der deutschen Gesandtschaft stellte und freiwillig ins Reich zurückkehrte. Hier habe ich lückenlos allen dass, was

ich von Strasser und seiner Organisation wusste gesagt, um wiedergutzumachen. Ich habe schwer gesündigt, dieses ist mir bewusst und ich bereue aufs Tiefste alles. -
Mein Führer lassen Sie Gnade walten, denn so hart können Sie nicht sein. Meine Brüder (zwei) dienen als Feldwebel Deutschland und Ihnen und stehen augenblicklich vor dem Feinde. Sie kennen mich und wissen, dass ich innerlich nicht so schlecht bin um den Tod verdient zu haben. (Ich überreiche ein Brief meines Bruders einliegend.) - Wenn ich frei wäre hätte ich bestimmt mich freiwillig gemeldet um für Deutschland zu kämpfen. Den Kummer und das Leid meiner Mutter können nur Sie mein Führer bannen. Haben Sie Erbarmen mit mir. Wenn es aber sein muss, dann mein Führer lassen Sie mich wenigstens erschiessen. - Dann möchte ich erwähnen, dass ich als S.A. Mann einmal Gehirnerschütterung und Nervenschock von einem kommunistischen Überfall davontrug, ebenso einen Streifschuss. Desgleichen wurde ich als Soldat 1925 von Kommunisten überfallen und trug auch dort einen Nervenschock davon. - Mein Führer ich bin zu erregt um ordnungsgemäss zu schreiben, bitte verzeihen Sie mir dieses. - Das Schicksal Deutschlands, liegt in Ihren guten Händen, ich lebe mein Schicksal in Ihre Hand. Sie sagen einmal es ist nicht nötig, dass wir leben, wohl aber das Deutschland lebt. Nach diesem Ihren Grundsatz bin ich einstmals zum Marsch angetreten, dann aber habe ich Ihnen die Treue gebrochen und nun soll ich sterben, dieses ist hart und bitter, da es nicht vor dem Feinde ist. Vielleicht, mein Führer lassen Sie Gnade walten worum ich Sie nochmals bitte, dann will ich hier arbeiten Tag und Nacht um so zu helfen. Sieg Heil, mein Führer.
Helmut Kremin

Gnadengesuch von Helmut Kremin, 21. September 1939

Bundesarchiv R 3017/31421

Sterbeurkunde von Helmut Kremin vom 14. September 1940

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Bekanntmachung der Hinrichtung von Karl Döpking und Helmut Kremin, 14. September 1940

Bundesarchiv R 3017/31417

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