Karl Kühnel
Im Dezember 1933 wird er für mehrere Wochen in das Konzentrationslager Sachsenburg eingeliefert. Ein weiteres Verfahren gegen Karl Kühnel wird im September 1934 eingestellt.
Als Karl Kühnel zur Wehrmacht eingezogen wird, verweigert er aus religiösen Grunden den Militärdienst.
Nach der bereits kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen am 26. August 1939 in Kraft getretenen „Kriegssonderstrafrechtsverordnung” wird die Verweigerung des Wehrdienstes als „Zersetzung der Wehrkraft” geahndet und kann mit dem Tode bestraft werden.
Am 30. September 1939 erhebt der Oberreichskriegsanwalt Anklage gegen Karl Kühnel. Am 11. Oktober wird er zum Tode verurteilt und am 24. Oktober im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Karl Kühnel
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
„Schutzhaftbefehl” gegen Karl Kühnel, 14. Dezember 1933
Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa
Karl Kühnel
An alle möchte ich nicht erst schreiben,
trotzdem ich es dürfte. So denke ich nun
noch der lieben Nachbarn. grüßt sie
alle recht herzlich von mir, die mir
freundlich waren. Ich denke an Schurig
Albin. Er liegt nun schon ein bald ¾
Jahr in Frieden. Es war auch so ein plötz-
licher und doch schwerer Tot. Er fiehl
an meiner Seite und ich konnte es nicht
ändern. Und liebes Ließel und Siegfried
und alle Ihr Lieben dort. Du hast
Deinen Otto in Frieden ruhen. Es war
für Dich schwer 7 Jahre lang. Tröste und
unterstütze mein liebes Rosel in dieser
Zeit. Haltet zusammen ihr beiden
Witwen. Das Leben war doch nur Kampf
und Drasch. Ein Sorgen wars um liebe
Menschen und ein dankbarer Blick
war oft der schönste Lohn. Ferner ge-
denke ich auch an Euch Ihr Lieben
Hermann, Albin, Gerhard, Emma
und Familien. Es war doch das schönste
in meinem Leben, das bei Euch
so schöne Harmonie war. Manche
schöne Stunde haben wir gehabt
wenn wir uns besuchten, war es
hier zu Hause oder bei Euch zu
Hause. Ich danke allen noch ein-
mal für alles gute und Schöne und
für alle Liebe die ich durch Euch
erfahren durfte. Und Ihr Kinder
werdet doch noch manchmal an
Onkel Karl denken. Ida nicht traurig
sein, hast immer viel auf mich ge-
halten. Und der Elfriede wünsch ich
noch recht viel Glück zu ihrem Kinde.
Möchte es auch so gut werden wie sie.
Auch Du lieber Paul und Familie
seid noch einmal gegrüßt von
mir. Werdet immer daran danken
wer den Grundstein zu Eurem Haus
gelegt hat. Vergieß nicht lieber Paul
in der ersten Zeit helfent zur Seite
zu stehen daheim im Elternhaus.
Und auch Du meine liebe Schwester
Hulda. Gern hätte ich es mal ge-
sehen, wenn Du uns mal besucht
hättest, doch leider ging es bei Dir
nicht. Nimm meine besten Grüße
und Wünsche für Dein ganzes ein-
sames Leben was Du führst.
Ich glaube doch bald an alle gedacht
zu haben, die mir näher stehen.
Mein lieber Lebenskamerad teile
doch allen mit, das ich noch ein
mal ihrer gedacht habe. An jeden
einzeln schreiben möchte ich nicht.
Grüße mir auch noch einmal Familie
Kohl. Gern wäre ich noch dort wo
Arbeit und weiter nichts wie Arbeit war.
So vielfältig und gesund. Schaffen und
Arbeiten war ja mein Ideal und in
diesem bin ich froh, das mir keiner
was schlechtes nachsagen kann. Vergeben
und vergessen ist alles böse alles un-
angenehme was man mir in Ver-
kennung tat. Auch an Oswin, Martha
Ella, Emma, Reinhold und so viele
denk ich. Gott segne sie alle alle.
Doch nun für Euch meine Lieben
die allerbesten Wünsche auf Eurem
ferneren Lebenswege. In Entracht
und Frieden und Harmonie
wohnet beisammen. Habt Ihr mal
Zwist, so laßet die Sonne nicht
untergehen ehe Ihr Euch vergeben
habt. Tut alles in Liebe. Verzagt
nicht und habt und hegt keinen
Groll gegen irgend wen. Es nützt
nichts. Nun seid Ihr Eures Glückes
Schmied. Beherzigt die Ratschläge in
dem Bergsteiger, gleich am Umschlag.
Nun seid alle alle noch einmal
recht herzlich gegrüßt und geküßt
von Eurem Lieben
Vatl
Gottes Frieden sei mit Euch allen.
Lied 633 Wie kurz ist doch der
Menschen Leben.
Abschiedsbrief von Karl Kühnel, 24. Oktober 1939
Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa
Sterbeurkunde von Karl Kühnel vom 24. Oktober 1939
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung










