Karl Kunger
Karl Kunger ist seit 1937 als Lagerarbeiter im AEG-Apparatewerk in Berlin-Treptow tätig. Hier findet er Kontakt zu einer illegalen kommunistischen Gruppe, die dem Widerstandskreis um Robert Uhrig angehört. Kunger beteiligt sich an der Verbreitung von Flugblättern und Losungen, durch die die Beschäftigten aufgerufen werden, gemeinsam mit den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern des Werks die Kriegsproduktion zu sabotieren.
Am 10. September 1942 wird Karl Kunger festgenommen, vom „Volksgerichtshof” am 19. März 1943 zum Tode verurteilt und am 18. Juni 1943 in Plötzensee ermordet.
Dokumente
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Karl Kunger und andere, 19. März 1943
Bundesarchiv R 3017/20933
Karl Kunger
Gnadengesuch
des Lagerarbeiters Karl Kunger, 2.II.01 zu Berlin geb., am 19.III.43 vom 2. Senat des Volksgerichtshofes wegen Vorbereitung zum Hochverrat, unter Annahme der Feindbegünstigung - zum Tode verurteilt.
Ich bitte, als strafmildernd anzusehen, daß ich bereits 9 Monate vor meiner Verhaftung jede Diskussion, jede Tätigkeit, die irgendwie zersetzend wirken könnte, aus eigenem Entschluß eingestellt habe, in der Erkenntnis, daß man jetzt im Krieg das freie Spiel der Kräfte nicht stören dürfe und daß in friedlicher Entwicklung ein Teil meiner Ideen auch ohne mein Zutun verwirklicht werden.
Vor den Umsturzzielen der K.P.D. war ich seit langen Jahren abgerückt; außerdem hatte ich eingesehen, daß der internationale Marxismus oder Bolschewismus im europäischen Raum keine Daseinsberechtigung hat. Meine Straftat bestand in einem Suchen und Werben für eine Staatsform, die zwischen Nationalsozialismus und Nationalbolschewismus liegt.
Daß ich kein Fanatiker bin, mag folgende Tatsache beweisen, daß ich in der Arbeitsfront und in der Werkschar pünktlich und gern meine
Pflicht als deutscher Arbeiter getan habe. Auch ging mein Bestreben dahin, die Gefolgschaft der A.E.G. und den Betrieb als solchen vor jeglicher Erschütterung zu bewahren.
1tes Beispiel: Der Meister meiner Abteilung erzählte nach dem großen Angriff engl. Flieger auf Paris - im Frühjahr 1942 -, daß der deutsche Bericht wohl nicht ganz stimme. Er wisse, daß die Renault-Werke und eine Porzellanfabrik getroffen seien. Also muß er Radio London gehört haben.
Da der Meister Parteimitglied und Führer des Spielmannzuges der Werkschar ist, also sehr im Blickfeld der Gefolgschaft steht, habe ich, um die Belegschaft nicht in Unruhe zu versetzen, die Angelegenheit nicht angezeigt. - Zeuge für meine Angaben sind:
die Angestellten Klausnitz Hans und Peters,
der Lagerarb. Grünke, Hans.
2tes Beispiel: In den ersten Tagen des Sept. 1942 entdeckte ich auf der Toilette im V. Stock, Altbau der A.E.G. Treptow, an eine Klosettür gemalen, eine Verunglimpfung des Führers. Damit nicht größere Teile der Gefolgschaft davon Kenntnis nehmen, habe ich veranlaßt, daß es sofort entfernt wurde. Zeugen: der stellv. Führer des Werkschutzes, der A.E.G. Treptow und der Lagerarb. Hans Grünke.
Aus all dem Gesagten bitte ich zu folgern, daß ich noch wert bin, in der Volksgemeinschaft zu verbleiben und bitte um Umwandlung des Urteils in eine Freiheitsstrafe.
Außerdem bitte ich um Einsatz - vielleicht in Bombenräumkommandos - bereit, evtl. im letzen Einsatz der Heimat zu dienen. Es zeichnet ergebenst
Karl Kunger
Gnadengesuch von Karl Kunger vom 24. März 1943
Bundesarchiv R 3017/48501
Ablehnung eines Gnadenerweises für Karl Kunger, 4. Juni 1943
Bundesarchiv R 3017/48501
Protokoll der Vollstreckung des Todesurteils gegen Karl Kunger, 18. Juni 1943
Bundesarchiv R 3017/48501
Mitteilung über die Hinrichtung von Karl Kunger, 18. Juni 1943
Bundesarchiv R 3017/48501


































