Alexander Lauer

26. November 1909, Wanne-Eickel – 8. September 1943
Alexander Lauer

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Alexander Lauer, 1942

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3297/4

Alexander Lauer stammt aus dem Ruhrgebiet und absol­viert eine Lehre als Klempner und Installateur. Er arbeitet in den folgenden Jahren in diesem Beruf und lebt mit seiner Familie in Berlin-Kreuzberg. Aufgrund verschie­dener Eigentumsdelikte ist er mehrfach vorbestraft.
Seit 1941 verdient Alexander Lauer seinen Lebens­unter­halt als Kellner. Im Dezember 1942 wird er unter dem Vorwurf festgenommen, in den Keller seiner Arbeitge­berin sowie in ein weiteres Geschäft eingebrochen zu sein und Lebens­mittel entwendet und diese anschlie­ßend weiter­veräußert zu haben. Zudem soll er mit Rundfunkgeräten gehandelt haben.
Alexander Lauer, der zeitweise aus der Untersuchungs­haft entkommen kann, wird am 2. Juni 1943 vom Sonder­gericht VI bei dem Landgericht Berlin auf der Grundlage der „Volks­schädlings­ver­ord­nung“ sowie als „gefährlicher Gewohnheits­verbrecher” zum Tode verurteilt.
Der vierfache Familienvater wird am 8. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Tenor des Todesurteils gegen Alexander Lauer vom 2. Juni 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3297/3

An
Den Generalstaatsanwalt, mit der Bitte, um weiterleitung an den Herrn Beauftrachten, des Führers und Reichskanzlers in Berlin

Gnadengesuch:
Als Sohn des Bergmann Alex Lauer, bin ich im Jahre 2909 in Eickel. v./D. geboren. Ich besuchte vom 6.-14. Lebensjahr die Volksschule in Recklinghausen. Mitt einer Arbeiterlandverschickung kahm ich in der Umgebung von Berlin. Hier entwendete ich auf meiner Unterkunft eine Uhr, um mit dem Erlös wieder Nachhause fahren zu können. Ich wurde zu einer Woche Gefängnis bestraft und vorläufig in Fürsorgeerzihung gebracht. Nach einem ¾ Jahr kahm ich bei meinen Stiefvater in die Lehre. Hier Erlernte ich das Klempnerhandwerk und legte meine Gesellenprüfung im April 1928 in Münster vor der Handwerkskammer mit Erfolg ab. Im Jahre 1930 ging ich auf Wanderschaft, entwendete zu diesem Zweck einen Anzug und Mantel von einem bei uns Wohnenden bekannten. In Brühl bei Köln wurde ich beim Betteln in ein Krankenhaus erfast als ich hier um ein Mittagessen baht. Ich erhilt 6 Wochen Gefängniss für beide Straftaten. Auf drohung meines Stiefvaters, wegen der Straftaten in Fürsorgeerzihung zu kommen, legte ich mich einen falschen Namen zu und lebte und Heiratete „weil meine jetzige Frau damals Hochschwanger war“ auf diesen Namen 1932. Ich Arbeitete in Berlin bei verschiedenen Meistern. Im Jahre 1933 trat ich im Sturm 13/8 der S.A. bei. Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen wurde ich Verkäufer von WHW Lohsen Durch Unachtsamkeit bei dem Verkauf, entstand ein Fehlbetrag in meiner Kasse und ich getraute mich nich mehr zu meiner Abrechnungsstelle hin, sondern verbrauchte den rest des Geldes für mein Famielie. Den Schaden habe ich nach kräften wieder gut gemacht. Ich erhielt 6 Monate Gefängnis für diese Straftat
Nach meiner Entlassung meldete ich ein Gewerbe für Verkauf von Backwahren

und Süßigkeiten an. Im Jahre 1937 beging ich hier eine Untreue und wurde mit 6 Monaten bestraft. Ich arbeitete nach meiner Entlassung, als Klempner u. Instalateur in Berlin bis Kriegsanfang, 1939 wurde ich aus meinem Betrieb herausgezogen und Dinstverpflichtet
Im Mai 1940 wurde ich Soldat beim Ersatz Batl 309 in Lübben. Im Oktober 1940 bin ich auf grund Ärztlicher untersuchung wegen eines Ohrenleidens aus der Wehrmacht ausgeschieden und in Ersatz Reserve II überführt worden. Meine führung war auf bekundung meines Hauptmannes gut. Ich kehrte zu meiner alten Firma zurück, und beging im Jahre 1941 wegen nicht gelungenen Arbeit einen Vertragsbruch. Von nun an Beschäftigte ich mich als Kellner bei Frau Wildgrube in Marienfelde, 14 Monate Arbeitete ich dort. Ich hatte gesehen wie Frau Wildgrube sich in den Besitz von Unrechtsmäsigen Lebensmittel gesetz hatte. Diselben entwendete ich am 25. Juni Ihr aus dem Keller und verteilte dieselben an einer Kindereichen Famiele, den rest in ener Gastwirschaft
Am 30 Dezember 1942 versuchte ich bei der Firma Bolle einen Einbruchsdiebstahle. Für die beiden letzen Straftaten erhilt ich vom Sondergericht VI Berlin, die Todesstrafe.
Ich bitte nun den Beauftragten des Führers, meine Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln. Ich werde mich durch Fleis und guter Führung der Gnade würdig erweisen. Ich bitte zu berüksigtigen daß ich Famielienvater von 4 Unversorgten Kindern bin Ich bin noch sehr Jung und kann vieles in meinem Leben noch gut machen Meine Straftaten bereue ich aufs biterste. Sollte der Generalstaatsanwalt oder der Herr beauftragte des Führers noch einmal Gnade walten lassen so dancke ich im Namen meiner Famielie dafür
Zeigne Gehorsamst
Alexander Lauer

Gnadengesuch von Alexander Lauer vom 9. Juni 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3297/2

Ablehnung eines Gnadenerweises für Alexander Lauer vom 7. September 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3297/2

Mitteilung über die Hinrichtung von Alexander Lauer gemäß des fernmündlichen Auftrags des Reichsministers der Justiz, 13. September 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3297/3

Sterbeurkunde von Alexander Lauer vom 14. September 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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