Emil Leibetseder

9. September 1904, Wien – 2. März 1943
Emil Leibetseder

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Emil Leibetseder, 1941

Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien

Emil Leibetseder wird am 9. September 1904 in Wien als Sohn christlich-jüdischer Eltern geboren. Er besucht die Volks- und Bürger­schule und lässt sich zum Mechaniker und Metall­dreher ausbilden. Ab 1938 arbeitet bei der Firma Vereinigte Telefon- und Tele­grafen­fabrik (VTT) als Automaten­einrichter. Er ist Mitglied im Sozial­demokra­tischen Arbeiter­turn­verein und im Bund der Natur­freun­de.
Leibetseder beteiligt sich im Jahr 1939 an der Sammlung von Unter­stützungs­zahlungen für die Ehefrau eines er­krankten Kollegen. Ab Anfang 1940 betätigt er sich als Unter­kassier für die Betriebs­zelle der verbotenen Kom­munistischen Partei Österreichs bei VTT und sammelt bei anderen Funktionären Mitglieds­beiträge ein. Außerdem ist er an der Verbreitung von kommu­nistischen Flug­schriften beteiligt.
Er wird am 13. August 1941 festge­nommen und am 9. Oktober 1942 vom 5. Senat des „Volks­gerichts­hofs” wegen „Vorbe­reitung zum Hochverrat” zum Tode ver­urteilt. Laut Urteil hat er mit weiteren Angeklagten durch „Herstel­lung eines organisa­torischen Zusammen­halts” und durch „Verbrei­tung von Schriften” ein „hochverrä­terisches Unternehmen” vorbereitet.
Emil Leibetseder wird am 2. März 1943 im Straf­gefängnis Berlin-Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Emil Leibetseder

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Emil Leibetseder und weitere Personen vom 16. Juni 1942

Bundesarchiv R 3017/24838

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Emil Leibetseder und weitere Personen vom 9. Oktober 1942

Bundesarchiv R 3017/24838

Emil Leibetseder.

Berlin-Plötzensee, den 16./X.1942.
Gefängnis

An Herrn Reichsminister der Justits, zu
Handen des Herrn Oberreichsanwalt,
in Berlin beim Volksgerichs.

Geehrter Herr Reichsminister der Justits, in einer Schweren Schmerzhaften Stunde, meines noch ganz Unbescholtennen Leben, wo ich noch nie mich gegen das Gesetzt, jeder Art Vergangen habe, nie mich irgend Politisch Betätig, bei keiner Partei nur für den Sport beim Turnverein und die Wanderungen bei Turistenverein gewesen bin, kein Raucher, Trinker, und kein Spielen, sondern nur immer ein braver anständiger fleißiger Arbeiter, habe mich soweit durch meine Gutheit anderen Kollegen im Betrieb zu helfen Unterstützt, in den nicht bewusten Sinn, dem Staat in keiner weise zu schädigen vergangen, wo ich den Fehler schon sehr gebüßt, und bereue, und damit mein ganzes Leben Runiert habe. Möchte ich Sie vom ganzen Herzen Bitten, mir beizustehen und helfen, und Verzeihen, und mich im Gnaden Wege, zu Begnadigen, auf ein Milteres Urteil. Ich verspreche Ihnen, und dem ganzen Staatte nicht zu enttäuschen und wider, der Anständigste Mensch zu werden der ich immer war. Stamme aus einer Arbeiter Familie von 8 Kindern herraus, mein Vater Ferdinand Leibetseder, Heirate im Jahre 1903 meine Mutter die damals Dienstmädchen war, es kammen 8 Kinder zur Welt, 5 sind noch am Leben, die alle in Wehrwirtschaftlichen Kriegsbetriebe stehen, einer steht an der Front in Rußland ich selber war bis zu meiner Verhaftung in einen Kriegsbetrieb

als Spezial Arbeiter habe ich 4 Maschinen als Automaten Einrichter bedint, und immer als fleißiger mein Brot selbst verdint. Mein Vater hatte den ganzen Weltkrieg an der Front mitgemacht, wurde Verwundet, und Ausgezeichnet, verlor 3 seiner Brüder im Felde und starb dan selbst an der Kriegs Krankheit. Meine Mutter hatt ein sehr Arbeitsreiches Leben hinter sich, hat uns großgezogen durch schwere Zeiten, und jeder hatte ein Gewerbe Erlehrt, als Handwerker, 2 Brüder sind Verheiratet und haben je ein Kind. Die Mutter verlor im letzten Krieg 4 Brüder, die Gefallen sind an der Front, sie ist heute 66 Jahre alt, und immer Krank, den Kummer den ich meiner Familie bereitet habe, möchte so gerne wieder gutmachen, darum bitte ich Sie Herr Justitsminister, mir die möglichkeit zu geben, das eine mal zu Verzeihen, und ich bitte Sie vielmals um Begnadigung. Ich Bitte Sie mich lieber an der Front sterben zu lassen, als Soldat, und Kämpfer, als wie im Zuchthaus. Bin jetzt 39 Jahre alt, habe schon im letzen Krieg als Lehrling, an der Drehbank für die Front gearbeitet. Habe nach dem Krieg durch Arbeitslosigkeit stark gelieten, habe immer die Not stark zu spüren bekommen, und habe mich doch immer Erlich durch anbacken jeder mir angebotenen Arbeit durchgebracht, darum möchte ich auch jetzt beim Aufbau des Deutschen Reiche, meine ganze Kraft, und Können, dazu beitragen, um ein starkes Reich zu Schaffen für unsere Zukunft. Das was ich hier geschrieben, spricht nur die Reine Wahrheit, ich Bereue mein Fehler, den ich begangen habe, und Bitte Sie einen Aufrichtigen braven Arbeiter helfend beizustehen, damit ich auf Begnadigung, durch Ihre Werte Hilfe beim Herrn Oberreichsanwalt, Bitten kann, das Gelöbnis abgeben wirklich als treuer anständiger Arbeiter durch meine fleißige mitarbeit wieder alles gutzumachen Zeichne ich Bittend, Emil Leibetseder.

Gnadengesuch von Emil Leibetseder an den Reichsminister der Justiz vom 16. Oktober 1942

Bundesarchiv R 3017/24862

Sterbeurkunde von Emil Leibetseder vom 3. März 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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