Wilhelm Lönneker
Auch nachdem mit Kriegsbeginn der Empfang ausländischer Rundfunksendungen und die Verbreitung von „Feindmeldungen” als „Rundfunkverbrechen” unter Strafe gestellt worden sind, hört Wilhelm Lönneker ausländische Sender. Er diskutiert die Meldungen mit Freunden und trägt die abgehörten Nachrichten an seine Kundinnen und Kunden weiter.
Der 1. Senat des „Volksgerichtshof“ verurteilt Wilhelm Lönneker am 14. Dezember 1942 wegen „Feind­begünstigung“ zum Tode. Er wird am 19. März 1943 in der Strafanstalt Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Wilhelm Lönneker
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Wilhelm Lönneker, 14. Dezember 1942
Bundesarchiv R 3017/33150, Bd. 2
Wilhelm Lönneker
An den Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin
In der Sitzung vom 14.12.1942 wurde ich wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt, da mein Leben damit auf dem Spiele steht möchte ich noch folgende Ausführungen machen und um Gnade bitten
Den ersten Weltkrieg habe ich als Soldat mitgemacht, vom ersten Mobilmachungslage bis zum Herbst 1915 als Sanitäter im Resirver-Lazarett. - Anteinettenruh [Artillerie] Wolfenbüttel bei Braunschweig, dann habe ich mich Freiwillig an die Front gemeldet und ich kam zum Inf. Regt. No. 92 imm Sommer 1916 habe ich die Brusiloff-Offensiefe [Brussilow] in Rußland mitgemacht und wurde leicht verwundet und blieb bei der Truppe. Im April 1917 habe ich die Doppelschlacht in der Schampagne und am Damenweg mitgemacht und ich wurde von einer 28.er Granate Verschüttet daß Geseicht verbrant und daß linke Bein schwer verletzt und Bruch der Kiescheibe. Am ersten Dezember 1917 wurde ich dann vom Militär
entlassen, ich habe dann lange Jahre einen Schienenhülfen-Apparat tragen müssen Auch in der Familie habe ich kein Glück gehabt., imm ersten Weltkrieg sind mir zwei Kinder Gesterben und am 27. November 1938 meine letzte Tochter imm Alter von 26 Jahren.
Zuchthaus oder -Gefängnis-Strafen habe ich keine erlitten.
Da ich nur eine 2 klassige Vorschule besucht habe, und durch die Verschüttung imm Weltkrieg noch immer zu Leiden habe, war ich mir der schwere der mir zur Last gelegten Straftaten nicht vollbewußt, und ich bitte nochmals um Gnade, indem ich die Tat auf daß tiefste bereue
Wilhelm Lönneker
Gnadengesuch von Wilhelm Lönneker, 24. Dezember 1942
Bundesarchiv R 3017/33150, Bd. 5
Ablehnung eines Gnadenerweises für Wilhelm Lönneker, 8. März 1943
Bundesarchiv R 3017/33150, Bd. 4
Verkündung der bevorstehenden Vollstreckung der Todesstrafe gegen Wilhelm Lönneker, 19. März 1943
Bundesarchiv R 3017/33150, Bd. 4

















