Franz Mattischek
Ende 1918 wandert die Familie ins Ruhrgebiet aus, wo der Vater bis 1928 im Bergbau arbeitet. Anschließend kehrt die Familie nach Österreich zurück und Franz Mattischek absolviert nach der Schulzeit eine Ausbildung zum Maler.
Aus religiösen Gründen verweigert er 1939 den Wehr­dienst und den militärischen Eid auf Adolf Hitler. Bereits kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen ist am 26. August 1939 die „Kriegs­sonder­strafrechts­verordnung” in Kraft getreten, nach der die Verweigerung des Militär­dienstes als „Zersetzung der Wehrkraft” geahndet und mit dem Tode bestraft werden kann.
Franz Mattischek wird festgenommen und vom Reichs­kriegsgericht am 10. November 1939 zum Tode verurteilt. Er wird am 1. Dezember 1939 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Seine Eltern sowie seine Brüder Willi und Hubert werden von der Gestapo ebenfalls verfolgt und sind mehr als sechs Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert.
Dokumente
Gefangenenkarte Franz Mattischek
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Fr. Mattischek
Meine liebe Mutter u. Ernst!
Sende Euch die allerherzlichsten Grüße, habe gestern Euer liebes Schreiben vom 23. November mit besten Dank erhalten. Freute mich sehr, daß Ihr daß meinige erhalten habt. Ihr wart ja schon, wie ich sah auf alles vorbereitet ist auch gut so. Will Euch aber schreiben, daß es erst heute – daß heißt morgen früh, soweit bin. Liebe Mutter, ich bin nur noch einige wenige Stunden unter den Lebenden, aber morgen früh um 6 Uhr ist es so weit. Seid nicht traurig, ich glaube an meinen Gott und Christus, mein Leben; er wird mir beistehen bis ans Ende. Es kam mir selbst etwas plötzlich aber es muß ja sein.Wenn ihr jetzt mein Schreiben leset, so ist es für mich schon gesiegt. Ich habe mich in meiner und besonders in den letzten Stunden mit dem Schöpfer eng verbunden gefühlt und glaube, daß ichs mit klarem Verstand überstehen kann.
Ihr werdet ja auch erleichtert aufatmen, wenn ich zur göttlichen Ruhe gelangt bin denn ich habe mich ja einerseits schon danach gesehnt denn Vieles habe ich erlebt besonders die letzten Monate. Aber wenn ich mir vor Jehova Gnade gefunden habe, so ist alles gut. Denn all die Leiden, die mir widerfahren sind, habe ich Gott gegenüber Gehorsam gelernt und bereue es nicht, den so etwas hätte ich nie aushalten können ohne diesen Leiden. Es ist jetzt Freitag 9 Uhr abends, und ich sitze hier in meiner Zelle, und warte meiner letzten Stunden. Ich lege alles in die Hand des Höchsten er wird sich schon rechtfertigen. Ich hätte Euch sonst noch vieles zu sagen, aber ich glaube daß die Zeit nicht mehr fern ist wenn alle in “Fried und Freude” beisammen sein werden und uns das Glück kein Mensch mehr entziehen kann. Ich habe auch besonders um Euch liebe Mutter, viel gelitten, denn meine wahre Liebe zu Euch und immer die Sehnsucht nach Euch hat mir so viel schwere Stunden bereitet aber das zukünftige wird uns alles wieder bringen. Gedenket alle Zeit an Euren Franz, auch ich werde noch bis zuletzt bitten für Euch. Seid ganz still und behaltet alles für Euch. Ich habe ja in dieser Welt nichts mehr verloren und will auch nichts mehr. Ich lege alles in die Hände des Richters über die Lebenden und Toten der auch Christus vom Tod zum ewigen Leben zurückgerufen hat. Meinen lieben Vater und Willi und Hubert grüßt aufs herzlichste und sie sollen ebenfalls munter sein und nicht verzagen, damit wir uns wiedersehen werden. Ich habe immer für sie gebetet was auch sie nie unterlassen haben. Grüßt mir meinen lieben Freund Pepi u. Karl Zauner u. Onkel usw. An Zilli schreibe ich ebenfalls. Also liebe Mutter und Ernst, lebet Wohl, auf Wiedersehen.
Euer Franz
Abschiedsbrief von Franz Mattischek an seine Mutter und seinen Bruder, 1. Dezember 1939
Verein Lila Winkel, Österreich
Sterbeurkunde von Franz Mattischek vom 1. Dezember 1939
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung








