Jaroslav Metlický

25. Juni 1893, Nieder-Jircan (Dolní Jirčany) – 23. März 1943
Jaroslav Metlický

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Jaroslav Metlický, 1940

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-221-1

Jaroslav Metlický wird am 25. Juni 1893 in Nieder-Jircan geboren und gerät im November 1918 als Angehöriger der öster­reichisch-unga­rischen Armee in russische Kriegs­gefangen­schaft. Im Juni 1919 kehrt er zurück und bleibt bis zu Errichtung des „Protek­torats Böhmen und Mähren” und der damit verbun­denen Auflösung der tschecho­slowakischen Streit­kräfte im Frühjahr 1939 im Heeres­dienst. Zuletzt dient er als Major dem Oberst und Komman­deur des Artillerie­regiments Nr. 2 in Pilsen Jan Vlachý als Adjutant.
Im Sommer 1939 wird Metlický von Vlachý für das Kreis­kom­mando Pilsen der Obrana Národa (ON - Verteidi­gung der Nation) als Adjutant und Verbindungs­offizier angeworben. Die Organisation tschecho­slowakischer Offiziere, die sich nach der Errich­tung des „Protektorats” gebildet hat, versucht unter deutscher Besatzung ein geheimes Heer aufzu­bauen. In diesem Zusammen­hang wirbt Metlický neue Mitglieder aus ehemaligen Militär­kreisen an und unter­nimmt als Verbindungs­offizier mehr­mals Reisen zum Landes­kommando der ON in Prag.
Außerdem ist er an der Entwen­dung von sieben Kisten mit je 1.000 Schuss Munition aus den Beständen eines früheren tschecho­slowakischen Infanterie­regiments und an der Beschaffung einer Funksende- und Empfangs­anlage beteiligt, mit der Verbin­dung zu anderen ON-Kom­mandos und ins Ausland hergestellt werden soll. Im Herbst 1939 organisiert er Sprengstoff für geplante Sa­botage­aktionen und lässt diesen an andere Kreiskom­mandos der ON verteilen.
Nach seiner Festnahme am 6. Februar 1940 wird Jaroslav Metlický am 29. Oktober 1942 vom 1. Senat des „Volks­gerichts­hofs” zusammen mit weiteren Ange­klagten we­gen „Vorbe­reitung zum Hochverrat” und „Feind­begünsti­gung” zum Tode verurteilt. Alle dreizehn zum Tode Ver­urteilten werden am 23. März 1943 im Straf­gefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Jaroslav Metlický

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Jaroslav Metlický und weitere An­geklagte vom 29. Oktober 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-220-2

Anna Metlicky, Beamtensgattin, mit ihrer
Töchtern Jaroslava und Hana, Pilsen,
Cechgasse, Nr. 94,
bitten um Gnade für
den am 29.X.1942 vom
Volksgerichtshof in Berlin
zum Tode verurteilten
Jaroslaus Metlicky.


An den Führer des Grossdeutschen Reiches in Berlin.


Wir unterfertigten Anna Metlicky, Gattin und Jaroslava und Hana Metlicky, Töchter,
bitten um Gnade für Jaroslaus Metlicky, unseren Gatten und Vater, der am 29.10.1942 wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof in Berlin unter A.Z. 12 j - 300/41 g zum Tode verurteilt wurde. Unsere Bitte gestaten wir uns aus folgenden Gründen zu erheben.
Als seine Frau, kenne ich sehr gut die Gesinnung meines Gatten, und erlaube mir höflichst befestigen, dass mein Gatte hätte sich niemals an Taten gegen Deutschen Reich beteiligt. Wenn ich in späterer Zeit die Gelegenheit seiner Gesinnung nachweisen angeboten hätte, wäre es nie zu diesem traurigen Ende gekommen.

Mein Gatte hatte immer ehrlich und treu seine Pflichten erfüllt, das beweisst, dass er in Weltkriege im J. 1914-1918 bis auf einigen Monate besuchs der Abrichtung stets in der Front war, dass er zweimal verwundet wurde, bei Lubartov am 6. August 1915 und in Sandona an der Piavefront am 15. Juli 1916, und dass er mit folgenden Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet wurde und zwar:
1. Verdienstkreuz,
2. Signum landis aus Gold mit Schwerten,
3. Signum landis aus Silber mit Schwerten,
4. Silberne Medaille I. Klasse,
5. Karltruppenkreuz
6. Verwundetenmedaille mit 2 Streichen.
Ohne Zweifel beweisst seine Gesinnung dass ihm bei der Übernahme in die eh. cs. Armee wegen seinem freundlichen Verhalten zu den Deutschen grosse Schwierigkeiten gemacht worden.
Mit seiner deutschen Verwandschaft war im freundschaftlichen und herzlichen Verkehr, auch zu den deutschen Soldaten verhielt er sich

während seiner Tätigkeit als Offizier der ehem. cs. Armee immer freundschaftlich und liebenswürdig so dass ihm diejenigen beim Abschied vom Regiment seine Fotografien gewidmet haben.
Ich weiss, unser Führer, dass Tapferkeit und Erfüllen der Pflichten pflegt immer Ihre Anerkennung.
Ich hoffe auf Ihre Grossherzigkeit, dass Sie niemals einen Menschen hinrichten lassen, der einen Irtum begangen hatte, welchen er tief bereut.
Wir bitten flehentlich, uns unseren Gatten und Vater am Leben zu erhalten, da das Bewusstsein dass er noch lebt, für uns eine Unterstützung ist, auch wenn er entfernt bleibt.
Wir bitten um diese Wohltat, die wir nie vergessen werden und wollen beweisen, dass wir dieser würdig sind.

Pilsen am 25.November 1942.

Anna Metlicky
mit Töchtern Jaroslava und Hana.

Gnadengesuch von Anna Metlický und ihren Töchtern für Jaroslav Metlický aus dem November 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-221-9

Bekanntmachung der Vollstreckung des Urteils gegen Jaroslav Metlický und weitere Personen vom 23. März 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 41-221-17

Sterbeurkunde von Jaroslav Metlický vom 24. März 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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