Jaroslav Mikulecký


Erkennungsdienstliche Aufnahme von Jaroslav Mikulecký, 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-518-9
Im Herbst 1940 – nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehrmacht – unterstützt Jaroslav Mikulecký Familien inhaftierter kommunistischer Funktionäre mittels Spenden. Im Frühjahr 1941 schließt er sich der seit 1938 verbotenen Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPČ) in Chotzen unter Augustin Pražák an.
Jaroslav Mikulecký sammelt in seinem Betrieb Spenden für notleidende Familien inhaftierter Kommunisten, gibt Druckschriften weiter und kassiert Mitgliedsbeiträge.
Nach seiner Festnahme Mitte März 1942 verurteilt der „Volksgerichtshof” ihn am 7. Dezember 1942 zusammen mit Augustin Pražák, Josef Bouček und Josef Bíca wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterischer Feindbegünstigung” zum Tode. Alle vier Männer werden am 28. April 1943 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Alois Aubrecht und zwei weitere zunächst zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilte junge Angeklagte erhalten am 16. Juni 1943 ebenfalls ein Todesurteil. Sie werden am 8. September 1943 in Plötzensee ermordet.
Dokumente
Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Augustin Pražák und andere vom 23. September 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-518-1a
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Augustin Pražák und andere vom 7. Dezember 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-518-1a
Haus III., 9/339.
Mikulecký Jaroslav
Gesuch um Gnade.
An den Herrn Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin W 9, Bellevuestr. 15.
Unterfertigte Mikulecký Jaroslav, geboren am 22. Feber 1907. in Choceň, zuletzt Magazineur bei Fa. Ing. Mráz in Choceň, verheiratet, bittet um Gnade.
Mit Urteil des 1. Senats des Volksgerichtshofs in Berlin, wurde ich am 7. Dezember 1942 zum Tode und zu dem lebenslänglichen Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Ich bin der Sohn der armen Eltern gewesen.
Nach dem Auslernen habe ich als Tischler 10 Jahre bei der Fa. Ing. Mráz in Choceň sehr gut gearbeitet.
Vom 15. März 1939. bis 16. März 1942, bis zu meiner Haft, habe ich als erster Arbeiter weiter bei dieser Fa. auf den Flugzeugen für das Reich und die deutsche Wehrmacht treu gearbeitet.
Mein Vergehen ist gewesen, dass ich in drei Fällen drei Flugblätter bekommen und in zwei Fällen zum Lesen gegeben habe.
Es handelte sich aber nicht um irgendeine Vorbereitung für ein hochverräterisches Unternehmen. Das geschah bei mir nur aus der Neugierde und Leichtsinnigkeit. Das bedauere ich jetzt sehr.
Politisch bin ich überhaupt nie tätig gewesen und ein Kommunist war ich nicht im Leben.
Den kleinen Beitrag (40 K) habe ich wirklich aus Humanität und Mitleid für die dürftigen und mir ganz unbekannten armen Familien gegeben. Nie habe ich so eine harte Strafe gewartet und ich bitte sehr aus diesen von mir angeführten Gründen Milderungsgründe zu entnehmen.
Nach der Haft war mein Benehmen musterhaft, meine Aussagen waren wahrhaftig und sind bei der Hauptverhandlung unverändert geblieben.
In den Gefängnissen habe ich sehr gut gearbeitet. Nun flehe ich um Gnade und für mein noch junges Leben werde ich Ihnen treu dienen, weiter fleissig arbeiten und gebe ich alles.
Ich bitte, nehmen Sie auch die Rücksicht auf meine unschuldige Frau. Wir haben kein Vermögen, wir sind beide ganz arm, Sie ist ohne Eltern, ganz allein und jetzt arbeitet Sie sehr schwer.
In den guten Händen des Führers liegt jetzt mein Schicksal, die letzte Hoffnung meiner Frau, der Glaube meiner armen alten Mutter und meiner sämtlichen Geschwistern.
Die alle und ich werden Ihnen für erteilte Gnade immer dankbar sein.
Hochachtungsvoll
Mikulecký Jaroslav.
Gnadengesuch von Jaroslav Mikulecký vom 27. Dezember 1942
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-518-23
Sterbeurkunde von Jaroslav Mikulecký vom 28. April 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung
Bekanntmachung der Hinrichtung von Jaroslav Mikulecký und anderen, plakatiert 1943 in Chotzen
Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-518-16




















































