Willy Müller

7. Juni 1892, Berlin – 9. März 1943
Willy Müller

Haftfoto von Willy Müller, 1942

Bundesarchiv R 3017/33830

Willy Müller wächst bei Pflege­eltern auf und besucht die Volks­schule. Eine anschließende Lehre zum Tischler bricht er ab und arbeitet bei einem Bäcker in Berlin-Marien­felde. Nach Abschluss seiner Lehrzeit geht er für mehrere Jahre auf Wander­schaft.
Kurz vor Ausbruch des Erstes Welt­kriegs kehrt er zurück nach Berlin und wird 1915 zum Heeres­dienst einberufen. Nach dem Krieg ist er als Rund­schleifer in Berlin-Köpenick tätig.
In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1942 hält er in seinem Betrieb Luft­schutz­wache. Er schreibt die Worte „Massen Mörder“ auf ein im Aufent­halts­raum auf­gehängtes Bild von Adolf Hitler. Er wird deshalb am 24. Juni 1942 festge­nommen und wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat“ angeklagt.
Der 2. Senat des „Volks­gerichtshofs“ verurteilt ihn am 14. November 1942 zum Tode. Willy Müller wird am 9. März 1943 in der Straf­anstalt Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Willy Müller

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs“ gegen Willy Müller,
24. September 1942

Bundesarchiv R 3017/33830

Urteil des „Volksgerichtshof” gegen Willy Müller, 14. November 1942

Bundesarchiv R 3017/33830

Bln. Neukölln, d. 2.12.42.

An das
Justiz Ministerium z.Hd. des Herrn Rommel,
Bln. W 8
Wilhelmstr. 65.

Sehr geehrter Herr Rommel!
Zürnen Sie die Schreiberin dieses Briefes nicht, sondern schenken ihr eine kleine Spanne Zeit, denn heute füge ich einige Führungszeugnisse meines Mannes Willy Müller mit bei der am 14. November 1942 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden ist. Bitten Sie in meinem Namen den Herrn Minister Thirack, daß er Gnade walten läßt, ich appeliere an das große deutsche Herz, Weihnachten, das deutsche Familienfest steht vor der Tür und ich soll ausgeschaltet werden? Wir sind auf Gottes Erdboden doch alle nur schwache Geschöpfe mit Irrungen und Wirrungen. Und mein Mann ist von solcher Wirrung befallen worden, ein unbescholtener Mensch der sich nie etwas zu schulden hat kommen lassen verfällt auf so einer beleidigenden fixen Idee. Er ist sich dieser Handlungsweise bestimmt nicht bewußt gewesen, denn ich sorge mir; um etwas damit

zu bezwecken würde man doch versuchen die Handschrift zu verstellen und daß war doch nicht der Fall. Und spricht aus solch[?] nicht mehr Dummheit als Überlegung? Ich werde beten zu meiner göttlichen Vorsehung, die auch bis jetzt unserm Führer in allen seinen Schlachten geholfen hat und uns bald zu einem siegreichen Ende führen wird. Bitte, bitte legen Sie diesen Brief auch Herrn Minister
Thierack vor.

Heil Hitler
Fr. Martha Müller
Bln. Neukölln, Geygerstr. 17
i. Praxis Dr. Borkenhagen.

Gnadengesuch von Martha Müller für ihren Ehemann Willy Müller, 2. Dezember 1942

Bundesarchiv R 3017/33830

Sterbeurkunde von Willy Müller vom 10. März 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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