Willy Müller
Kurz vor Ausbruch des Erstes Weltkriegs kehrt er zurück nach Berlin und wird 1915 zum Heeresdienst einberufen. Nach dem Krieg ist er als Rundschleifer in Berlin-Köpenick tätig.
In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1942 hält er in seinem Betrieb Luftschutzwache. Er schreibt die Worte „Massen Mörder“ auf ein im Aufenthaltsraum auf­gehängtes Bild von Adolf Hitler. Er wird deshalb am 24. Juni 1942 festgenommen und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt.
Der 2. Senat des „Volksgerichtshofs“ verurteilt ihn am 14. November 1942 zum Tode. Willy Müller wird am 9. März 1943 in der Strafanstalt Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Willy Müller
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Anklage des „Volksgerichtshofs“ gegen Willy Müller,
24. September 1942
Bundesarchiv R 3017/33830
Urteil des „Volksgerichtshof” gegen Willy Müller, 14. November 1942
Bundesarchiv R 3017/33830
An das
Justiz Ministerium z.Hd. des Herrn Rommel,
Bln. W 8
Wilhelmstr. 65.
Sehr geehrter Herr Rommel!
Zürnen Sie die Schreiberin dieses Briefes nicht, sondern schenken ihr eine kleine Spanne Zeit, denn heute füge ich einige Führungszeugnisse meines Mannes Willy Müller mit bei der am 14. November 1942 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden ist. Bitten Sie in meinem Namen den Herrn Minister Thirack, daß er Gnade walten läßt, ich appeliere an das große deutsche Herz, Weihnachten, das deutsche Familienfest steht vor der Tür und ich soll ausgeschaltet werden? Wir sind auf Gottes Erdboden doch alle nur schwache Geschöpfe mit Irrungen und Wirrungen. Und mein Mann ist von solcher Wirrung befallen worden, ein unbescholtener Mensch der sich nie etwas zu schulden hat kommen lassen verfällt auf so einer beleidigenden fixen Idee. Er ist sich dieser Handlungsweise bestimmt nicht bewußt gewesen, denn ich sorge mir; um etwas damit
zu bezwecken würde man doch versuchen die Handschrift zu verstellen und daß war doch nicht der Fall. Und spricht aus solch[?] nicht mehr Dummheit als Überlegung? Ich werde beten zu meiner göttlichen Vorsehung, die auch bis jetzt unserm Führer in allen seinen Schlachten geholfen hat und uns bald zu einem siegreichen Ende führen wird. Bitte, bitte legen Sie diesen Brief auch Herrn Minister
Thierack vor.
Heil Hitler
Fr. Martha Müller
Bln. Neukölln, Geygerstr. 17
i. Praxis Dr. Borkenhagen.
Gnadengesuch von Martha Müller für ihren Ehemann Willy Müller, 2. Dezember 1942
Bundesarchiv R 3017/33830
Sterbeurkunde von Willy Müller vom 10. März 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung





















