Benno Neuburger

4. März 1871, München – 18. September 1942
Benno Neuburger

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Benno Neuburger, 1942

Bundesarchiv R 3018/2999

Benno Neu­burger, Sohn einer Münchner jüdischen Kauf­manns­familie, arbeitet nach dem Abschluss der Real­schule und einer kauf­männischen Lehre in der väterlichen Firma als Grund­stücks­makler. Nach dem Tod des Vaters führt Benno Neuburger dessen Geschäft weiter. 1907 heiratet er Anna Einstein, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor, von denen ein Sohn jedoch wenige Tage nach der Geburt stirbt. Die Tochter Johanna kann im September 1937 und der Sohn Fritz im darauf­fol­genden Jahr aus Deutsch­land in die USA emigrieren.
Nach den Novem­ber­pog­romen von 1938 wird Benno Neuburger zur Auf­gabe seines Geschäfts gezwun­gen. Im März 1942 wird er mit seiner Ehefrau in das Baracken­lager Milberts­hofen zwangs­umge­siedelt. Bereits kurz darauf, am 24. März, wird er festge­nommen. Ihm wird vorgeworfen, seit Herbst 1941 vierzehn anonyme, nicht adressierte Post­karten, auf denen er Hitler beschimpft, in Post­kästen geworfen zu haben.
In den Verhören erklärt Benno Neuburger, dass er mit seinen Karten gegen die anti­semitischen Maß­nahmen und die von Hitler ange­kündigte „Ausrot­tung des Juden­tums” protes­tieren wollte.
Benno Neuburger wird nach Berlin über­stellt und am 20. Juli 1942 vom 2. Senat des „Volks­gerichts­hofs” wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat” zum Tode verurteilt.
Er wird am 18. September 1942 im Straf­gefängnis Plötzen­see ermordet. Seine Frau Anna Neuburger ist bereits am 23. Juli 1942 nach Theresien­stadt depor­tiert worden. Sie wird im September 1942 im Ver­nich­tungs­lager Treblinka ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Benno Neuburger

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklageschrift des „Volks­gerichts­hofs” gegen Benno Neuburger, 6. Mai 1942

Bundesarchiv R 3018/2999

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Benno Neuburger, 20. Juli 1942

Bundesarchiv R 3018/2999

Stellungnahme des Vorstandes der Untersuchungs­haft­anstalt Moabit zum Gnadengesuch von Benno Neuburger, 29. Juli 1942

Bundesarchiv R 3018/2999

Berlin-Plötzensee, den 17. Sept 1942.

Letzte Verfügung

Ich Benno Israel Neuburger wünsche und bestimme und bitte ganz bestimmt meine Leiche, durch die jüdische Gemeinde Berlin bestatten zu lassen.
[* jüdischer Bestattung] Ich bin zwar in der Sterbekasse Phönix München, doch werden die Kosten hierfür auch von meinem Bankkonto Nr 65331. Dresdner Bank München Hauptbank auf Verlangen bezahlt werden müssen. Auch bitte einen

ganz billigen Stein oder Platte auf dem Grabe anzubringen
Ich wünsche und verlange eine Erdbestattung durch die Berliner jüdische Gemeinde unter Beistand eines Rabbiners.
Die Kosten wolle auch von meinem Bankkonto verlangt werden und der Kultusgemeinde München mitgeteilt werden, daß diese das Nötige besorgt und auch meine Frau verständigt.
Ich bitte um ganz bestimmte Erledigung meines dieses letzten Wunsches.
Plötzensee 17 September 1942.

l. Unterschrift Benno Israel Neuburger.

[linker Rand: Uhr und Alles nach München Kultusgemeinde senden.]

Letzte Verfügung von Benno Neuburger, 17. September 1942

Bundesarchiv R 3018/2999

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