Wolfgang Pander
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten muss er aufgrund seiner jüdischen Herkunft ein Jahr vor der mittleren Reife das Gymnasium verlassen. Danach beginnt er eine Lehre als Autoschlosser, wird jedoch auch aus der Fachschaft ausgeschlossen und hat keine Möglichkeit, die begonnene Lehre zu beenden. Er ist danach als Hilfsschlosser, Tiefbauarbeiter und Kohlenarbeiter tätig.
Bei dem Versuch, 1937 illegal über die Grenze in die Tschechoslowakei zu gelangen, wird er festgenommen und bis August 1939 in verschiedenen Haftanstalten und Konzentrationslagern inhaftiert. Im September 1940 lernt er Hanno Günther kennen und schließt sich der von ihm geleiteten Widerstandsgruppe an. Er hört den Londoner Rundfunk ab und versorgt die Widerstandsgruppe mit Informationen über die deutschen Kriegsverluste. Zudem ist er an der Ausarbeitung von Flugblatttexten beteiligt.
Wolfgang Pander wird am 6. August 1941 festgenommen und vom „Volksgerichtshof” am 9. Oktober 1942 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Er wird am 3. Dezember 1942 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Wolfgang Pander
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Hans Joachim Günther, Wolfgang Pander, Bernhard Sikorski, Emmerich Schaper, Alfred Schmidt-Sas und Dagmar Petersen, 9. Oktober 1942
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Zu einer Gruppe junger Leute, die am 9.19.42 zum Tode verurteilt wurden, gehöre als einziger Jude ich. Leider ist mir erst nun der
volle Umfang der Tat bewust, zu der ich mich hergegeben habe, ich, der ich als Jude doch allen Grund gehabt hätte, dankbar zu sein, daß ich meine Arbeit und Ordnung hatte. Aber ich bitte zu glauben, nicht Gemeinheit, sondern Angst, wieder alleine zu sein und bodenlose Dummheit waren meine Beweggründe. Meine Jugend verlief unglücklich. Schon früh schieden sich meine Eltern und ich kam mal zu diesem, mal zu jenem Teil, war auch viel in Anstalten, so daß meine Erziehung nicht gut war und ich ein Zuhause, Freunde nie besessen habe. Da mein Vater Mischling ist und bei meiner Geburt evangelisch war wurde ich nicht getauft und wuchs ohne jede Religion auf. Diese Zwitterstellung ist mir Schicksal geworden. Nirgends gehörte ich hin. Als ich eine Lehre begann, lehnte mich die Fachschaft ab als Juden, später, als ich mich wegen Auswanderung an die jüdischen Instanzen wandt, machten mir auch diese Schwierigkeiten und schlossen mich am Ende aus. So kam ich im Sommer 1940 nach Berlin ohne Elternhaus, ohne Rückhalt und stand ganz allein. In dieser Lage machte mich
die Petersten mit dem Günther bekannt und da diese nicht nach Rasse fragten, war ich froh, ein paar Menschen zu haben. Im Spätherbst trat Günther mit der Forderung, einen Abziehapparat zu verwaren, an mich heran. Das lehnte ich ab, aber daran knüpften sich viele Ge
spräche über Politik, Günther, der wuste, daß ich in Schutzhaft gewesen war, hielt mich immer noch für einen Komunist und verlangte am Ende, daß ich mich
an dem Flugbatt, daß er zustellte, beteiligte. Nach anfänglichem weigern sagte
ich ihm das zu. In der Folgezeit gab ich ihm einen Hinweis für eine dieser Blätter, diktierte ein Zweites und lies mir vom Dritten einen Abschnitt zeigen. Als es dann ernst wurde und ich die Ersten zum Verteilen bekam kriegte ich Angst und habe sie wie auch die Folgenden – verbrannt, dies ist der Anfang meiner Beteiligung und die volle Wahrheit. Schon im Januar 1941, als mir klar zu werden begann, was icht tat, löste ich mich von Günther, zu einer Zeit also, als noch keine Gefahr zu erkennen war. Von dem Umfang der Tat hatte ich keine Kentnis. Ich wuste nichts von dem offenen Brief, von den Klebezetteln und von der Verbindung zu andern K.P.Funktionären und habe mich auch an den Schulungskursen nicht beteiligt. Ich war froh, aus der ganzen Sache heraus zu sein, ging meiner Arbeit nach und bemühte mich, das zu vergessen bis ich im August verhaftet wurde, bis ich erkannte, an welchen furchtbaren Verbrechen ich mich beteiligt hatte und dessen Umfang mir erst aus der Anklageschrift bekannt wurde und für die mir nun die Quittung geworden ist: Ich habe mein Leben verwirkt. Und nun bitte ich, bitte inständigst, Gnade walten zu lassen, mich nicht die ganze Härte der Strafe fühlen zu lassen denn mein Verbrechen habe ich tief und ehrlich bereut und tue es noch. Sollte mir die Gnade zuteil werden, durch Ihre Milde mein Leben neu geschenkt zu bekommen, will
ich es dazu benützen, durch angestrengteste Arbeit und ohne rechts und links zu sehen einen kleinen Teil meiner schweren Schuld
abzutragen. Ich bitte, meine Strafe in eine Freiheitsstrafe zu ändern.
Wolfgang Israel Pander.
Gnadengesuch von Wolfgang Pander, 13. Oktober 1942
Bundesarchiv R 3017/2719
Anordnung der Vollstreckung der Todesurteile gegen Hans Joachim Günther, Wolfgang Pander, Bernhard Sikorski, Emmerich Schaper, 24. November 1942
Bundesarchiv R 3017/2719
Sterbeurkunde von Wolfgang Pander vom 4. Dezember 1942
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung



























