Vinzenz Poida

5. Februar 1882, Sohrau (Żary/Rybnik) – 16. September 1941
Vinzenz Poida

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Vinzenz Poida, 1939

Bundesarchiv R 3017/34135

Vinzenz Poida arbeitet nach einer Ausbildung zum For­mer und Eisengießer und seinem Militärdienst bei der Betriebswerkstatt der Reichsbahndirektion Breslau. Ab Dezember 1916 nimmt er am Ersten Welt­krieg teil und gerät 1917 in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1919 entlassen wird.
Anschließend arbeitet Poida bei der Reichsbahn als Lokomotivheizer. Da er polnisch spricht, wird er im Auslandszugdienst eingesetzt. Bei seinen Fahrten nach Polen kommt er in Kontakt mit dem Nach­rich­tendienst der polnischen Armee. Er informiert diesen über interne Vorgänge bei der Reichsbahn und der Reichspost, macht militärische Beobachtungen und leitet Dienstvorschriften und Kartenmaterial der Reichsbahn und der Reichspost weiter.
Vinzenz Poida wird am 8. Juli 1941 vom 3. Senat des „Volksgerichtshofs” wegen „Landesverrats” zum Tode verurteilt und am 16. September 1941 in Berlin-Plöt­zensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Vinzenz Poida

Landesarchiv Berlin A Rep. 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Vinzenz Poida vom 20. Februar 1941

Bundesarchiv R 3017/34135

Todesurteil des „Volksgerichtshofs” gegen Vinzenz Poida vom 8. Juli 1941

Bundesarchiv R 3017/34135

Berlin-Plötzensee, den 16.7.1941


Gnadengesuch.
des Lokomotivheizers Vinzenz Poida
An Herrn Führer und Reichskanzler des Großdeutschen Reichs.
Durch den Herrn Oberreichsanwalt am Volksgerichtshofs.
in Berlin W. 9.

Herr Führer, ich bin von 1932 bis ende 1937 als Lokomotivheizer dienstlich nach Polen rübergefahren. Durch meine Unerfahrenheit und Gutgläubigkeit bin ich ende 1934 in die Klauen eines Polnischen Zollbeamten geraten, und im Staatsgeheimnisse gegeben, wo ich als Deutscher Mann, das nimals tun durfte. Für dieses vergehen wurde ich vom Volksgerichtshof, am 8 Juli 1941 zum Tode verurteilt.
Herr Führer, ich bitte sie um Gnade für diese Tat, die ich nicht gerne begangen habe, und schenken sie mir mein Leben. Ich bin 60 Jahre alt geworden mein Leben war schon von meinem 12ten Lebensjahre nur Arbeit. 35 Jahre habe ich bei der Reichsbahn mein Dienst gehorsam ausgeführt. Ich habe im Weltkriege mitgekämpft und für meine Tapferkeit daß Eiserne Kreuz 2 Klasse erhalten, und noch 2 ½ Jahr in der Gefangenschaft gelitten. Auch bin ich durch die Trennung der Ehe Kopfloß, und in Not geraten. Von meinem Einkommen blieb mir monatlich nur 25 Mk zum Leben, das übrige mußte ich alles nach außen abgeben. Ich habe diese Tat bitter bereut, es einmal getan zuhaben. Herr Führer, ich habe noch eine Alte Mutter von 80 Jahren, und ich möchte ihr gerne auf Ihre letzten Tage diesen großen Schmerz ersparen.

Herr Führer, sollte mir nicht anders beschieden sein, so will ich meine letzten Lebensjahre, auch im Zuchthause beenden, um diese Fehler die ich durch meine Unerfahrenheit begangen habe, Abzubüßen, und auch durch Opfer und Arbeit wieder gutzumachen.
Ich bitte sie Herr Führer, nochmal um Gnade, und schenken sie mir mein Arbeitsreiches Leben.


Vinzenz Poida
z.Zt. Strafanstalt Plötzensee.

Gnadengesuch von Vinzenz Poida vom 16. Juli 1941

Bundesarchiv R 3017/34135

Bekanntmachung der Hinrichtung von Vinzenz Poida vom 16. September 1941

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-49-10

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