Karl Ernst Rahtgens
1937 besteht Rahtgens die Aufnahmeprüfung für die Kriegsakademie und wird 1938 zur Generalstabsausbildung nach Berlin versetzt. In den ersten Jahren des Krieges nimmt er an verschiedenen Fronten an Kämpfen teil, bis er 1942 als Oberstleutnant im Generalstab in das „Führerhauptquartier Wolfschanze” bei Rastenburg in Ostpreußen abkommandiert wird. Dort freundet er sich mit Günther Smend an, mit dem er die Kriegslage bespricht. Später ist Rahtgens an der Vorbereitung der Umsturzbestrebungen des 20. Juli 1944 beteiligt.
Die Gestapo nimmt Rahtgens im August 1944 in Belgrad fest. Er wird am 30. August 1944 vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte Karl Ernst Rahtgens
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Todesurteil des „Volksgerichtshofs” gegen Carl Heinrich von Stülpnagel, Cäsar von Hofacker, Günther Smend, Karl Ernst Rahtgens, Hans-Otfried von Linstow und Eberhard Finckh, 30. August 1944
Privatbesitz
Karl Ernst Rahtgens vor dem „Volksgerichtshof”, 29. August 1944
Privatbesitz
Liste der nach den Sitzungen des „Ehrenhofs des Heeres” aus der Wehrmacht Ausgestoßenen, 16. September 1944
Bundesarchiv Militärarchiv
Mein geliebtes Hannerle!
noch sind einige Minuten Zeit.
Ich bin nochmals niedergekniet, um
den Herrn zu bitten, mir im Geiste
das letzte Abendmahl zu reichen.
Mir kam in den letzten Tagen das Wort,
das mich ständig begleitete:
Ich will meine Liebe nicht von
dir wenden, spricht der Herr, dein
Erbarmer! Dies Wort soll mich auch durch
das letzte dunkle Tal begleiten.
Ich schrieb schon vorher einen Brief,
weiß nicht, ob er abgesandt wird.
Hätte Dich gern noch einmal gesehen
u. gesegnet. Nun werde ich es von
oben tun, u. wenn wir uns im
Gebet vereinigen werden.
Wie herrlich ist es, etwas vom Herrn
Christus zu wissen, wenn man plötzlich
vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen
muß, der nun viel tiefer u. weiter
schaut als alle Menschen. Das Gebet gibt
mir Frieden und Kraft.
Bitte schreibe an Selmayr, meine Fp.Nr.
kennst Du ja. Erkläre ihm offen alles u.
lasse Dir meine Sachen schicken. Es befinden
sich noch einige Kleinigkeiten dabei, die Dir
Freude machen sollten. – Die Eltern habe
ich in meinem Brief gebeten, für Dich zu sorgen,
denn ich habe nun nichts mehr zu
vergeben. Mein Geliebtes, für Dich
ist nun mein früher Tod viel schlimmer als für
mich. Es ist mir schrecklich, dass ich Dich mit
den Kindern allein lassen muss; wenn
ich nicht wüsste, dass der Herr Dich schützen wird.
Aber auch diesen Weg hat der große Erbarmer
vorgeschrieben, wenn wir ihn auch noch
nicht verstehen. – Ich weiß, dass wir im Geiste
verbunden bleiben.
In tiefer Liebe und Verbundenheit
grüßt Dich
Dein Carl Ernst
Abschiedsbrief von Karl Ernst Rahtgens an seine Frau Johanna, 30. August 1944
Privatbesitz



























